AERZTE Steiermark 06 2026

Das Magazin der Ärztekammer Steiermark Juni 2026 Nagetier. Robert Krause über Rötelmaus, Hanta-Virus und Anzeichen für schweren Verlauf. Niere. Transplantationsexperte Robert Sucher zum „Tag der Organspende“. Ninja. Uwe Weitzer ist Kinderchirurg und als Ninja-Doc auf Social Media bekannt. Österreichische Post AG MZ 02Z033098 M Ärztekammer für Steiermark, Kaiserfeldgasse 29, 8010 Graz, Retouren an PF555, 1008 Wien Teilzeitarbeit Codierung „Wege aus Sicht der Patient:innen“ beim Symposium in der Ärztekammer Patientenlenkung orientierung Foto: Schiffer

www.grazerfortbildungstage.at Innovation & Nachhaltigkeit 5. bis 10. Oktober 2026 I Graz

Produziert gemäß Richtlinie UZ24 des Österreichischen Umweltzeichens, Medienfabrik Graz, UW-Nr. 812 Logo für Druck, 4c, dt.: Unten finden Sie das Österreichische Umweltzeichen Druckprodukt. Dabei müssen unbedingt folgende Ric – Platzieren Sie dieses PDF in Ihrem Layout mit 100 % dass nur die von Ihnen gewünschte Logo-Variante im Blume einen Durchmesser von 17 mm und die Schri – Das Umweltzeichen muss genügend Abstand zu and das Logo als eigenständiges grafisches Objekt wiede Hintergrund abgebildet werden. Fotos, detaillierte G – Man kann den Text rechts von der Blume auch ins Im (mit 17 mm Durchmesser!). VERWENDUNG D UMWELTZEICHE MEDIENFABRIK GRAZ, Dreihackengasse 20, 8020 Graz ,T +43 (0)316/8 BUCHTIPP Auf den Spuren der alten Heilkunst in Wien Medizinische Spaziergänge durch die Stadt Bibiane Krapfenbauer-Horsky, Hans-Peter Petutschnig 2. erweiterte Auflage, 224 Seiten ISBN: 978-3-99052-302-5 Dieses Buch lädt zur medizinischen Entdeckungsreise durch Wien – abseits der bekannten Schauplätze. In zehn Rundgängen führt es durch versteckte Gassen, historische Orte und ungewöhnliche Kapitel der Medizingeschichte – von Klostermedizin und Notheiligen bis zu den Wiener Medizinischen Schulen. So eröffnet sich ein ebenso spannender wie überraschender Blick auf die medizinische Vergangenheit Wiens und ihren Einfluss weit über die Stadtgrenzen hinaus. DATUM 13.-14. Oktober Bei den „Graz Connects – Medical Science Talks“ von 13. bis 14. Oktober 2026 (Messe Graz) stehen zwei hochaktuelle Themen im Fokus: Innovationen für die alternde Gesellschaft (Healthy Aging/Senovation Styria 2026) sowie Katastrophenszenarien und medizinische Gegenmaßnahmen (Critical Operations in Health Care). Tickets & Infos: grazconnects.org/ medical-science-talks LINK: „US-Ärzt:innen halten Trump für unzurechnungsfähig“ 30 renommierte US-Psychiater:innen, Neurolog:innen und Psycholog:innen haben im „British Medical Journal“ eine Erklärung veröffentlicht, in der sie US-Präsident Donald Trump für unzurechnungsfähig und amtsunfähig halten. Sie bezeichnen ihn als „eindeutige und unmittelbare Gefahr“ und fordern sofortige Amtsenthebung. ZAHL 19 % Österreicher:innen halten sich durchaus für gesundheitsbewusst, wenn es aber um Vorsorge geht, klafft eine Lücke: Nur 19 % nehmen die kostenlose Vorsorgeuntersuchung jährlich wahr, jede 5. Person hat sie noch nie genutzt. Gleichzeitig bezeichnen sich 37 % als besonders gesundheitsbewusst. Das zeigt eine repräsentative Studie des Gallup-Instituts im Auftrag des Gesundheitsanbieters Mavie. Foto: Verlagshaus der Ärzte FORTBILDUNGSTIPP 36. Grazer Fortbildungstage 5. bis 10. Oktober 2026 Bereits zum 36. Mal finden im Oktober die Grazer Fortbildungstage statt, deren Veranstaltungen heuer unter den Themenschwerpunkten Innovation und Nachhaltigkeit stehen. Nähere Infos zum Programm und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie unter: www.grazerfortbildungstage.at Telefon 0316/8044-33 E-Mail: fortbildung@aekstmk.or.at UPDATE IM JUNI SCHLAGZEILE „Studenten, Forscher und Ärzte steigen auf die Barrikaden“ „Wer jetzt den Rotstift bei der Med Uni ansetzt, beschädigt die Akutversorgung von heute und gefährdet die Versorgung von morgen“, warnt Michael Sacherer (Ärztekammer) angesichts der geplanten Kürzungen im Universitätsbereich. Kronen Zeitung, 23. Mai 2026 IMPRESSUM: Medieninhaber (Verleger): Ärztekammer für Steiermark, Körperschaft öffentlichen Rechts | Redak- tionsadresse: 8010 Graz, Kaiserfeldgasse 29, Tel. 0316 / 8044-0, Fax: 0316 / 81 56 71, E-Mail: presse@aekstmk.or.at | Chefredaktion: Mag.a Beate Mosing | Redaktion: Mag.a Edith Preiß, Thomas Zenz | Produktion: CONCLUSIO PR Beratungs GmbH, Schmiedgasse 38, 8010 Graz | Anzeigen: Gernot Zerza, Tel.+43 664 2472673, E-Mail: zerzagernot@gmail.com; Mit „Promotion“ gekennzeichnete Texte sind entgeltliche Veröffentlichungen im Sinne § 26, Mediengesetz. | Druck: Stmk. Landesdruckerei GmbH, 8020 Graz | Abonnements: Eva Gutmann, Ärztekammer Steiermark, Tel. 0316 / 804440, Fax: 0316 / 81 56 71. Jahresabonnement (11 Ausgaben) EUR 25,–. ÆRZTE Steiermark || 06|2026 3

THEMEN Fotos: envato/CreativeNature_nl, RTL_Hertrich THEMEN „Als Patient denke ich mir: Wer will mich noch?“ 8 Ersetzt die KI das ärztliche Gutachten? 11 Wer leidet an der Augenkrankheit Bixonimanie? 12 Was gute Organspende-Systeme ausmacht 16 WIGMU: Treffen in Bad Aussee 18 Fachärztliche Prüfung für Allgemein- und Familienmedizin 19 Knallbunt, lustig und voller gesunder Gewohnheiten 20 OnkoMobil: Steirische Hausärzt:innen gesucht 22 Gerne Arzt: Auf Augenhöhe begegnen 23 Erlesen. Jede Menge spannender Lesestoff für lange Junitage 26 Recht. Wieviel Geldunterhalt muss ich bezahlen? 28 Wirtschaft & Erfolg. Steuertipps für Ärzt:innen 30 Austrian Health Forum 31 Wohlfahrtsfonds: Schutz bei Berufsunfähigkeit 32 Empfang: Treffen für Jungmediziner:innen 34 Med Uni Graz. Healthy Aging des Bewegungsapparates 35 ANGESTELLTE ÄRZTINNEN UND ÄRZTE Teilzeit im Spital: Es geht um Betreuungspflichten 38 Gute Gespräche bei den Spitalsärzteversammlungen 40 Beendigung von Dienstverhältnissen: Ein Überblick 42 Infotag „Recht“ für Turnusärzt:innen der KAGes 45 Infonachmittag „Schwangerschaft und Kind“ 45 NIEDERGELASSENE ÄRZTINNEN UND ÄRZTE Gegen Darmkrebs: Ordinationen für Pilotprojekt gesucht 46 Das Problem heißt AMBCO 46 Worauf kommt es bei den Räumlichkeiten an? 48 Bewertung von Wahlarztpraxen: Prophylaxe für Kaufpreisfindung 50 Aktuelle Entwicklungen zur Codierung 51 Der schriftliche Befundbericht: Verrechenbarkeit bei der ÖGK 52 Praktisch täglich. Letztens im Handyshop 54 Debatte 6 News 37 Kleinanzeigen 56 Personalia 63 Cartoon 65 Ad Personam 66 RÖTELMAUS & HANTA-VIRUS Infektiologe Robert Krause über Hanta-Virus-Fälle in der Steiermark, Hinweise auf schwere Verläufe und den aktuellen Stand der Forschung. Seite 14 ARZT IM BESONDEREN DIENST Wie wird man eigentlich Ninja-Doc? Uwe Weitzer folgt im Arztberuf ebenso wie bei seinen Ninja-Wettbewerben und Social-Media-Videos vor allem seinem Bauchgefühl und seiner Begeisterung. Seite 24 4 ÆRZTE Steiermark || 06|2026

THEMEN Welche Maßnahmen nötig sind, damit junge Ärzt:innen in der Steiermark gehalten werden können, haben wir die Ärzteschaft in diesem Monat gefragt. Es braucht attraktivere Arbeitsbedingungen, sagen 34,9 %. An zweiter Stelle folgen weniger Bürokratie im Berufsalltag (27,6 %) und mehr Ausbildungsstellen mit guter Betreuung (25 %). Was das im Detail für die Ärzt:innen bedeutet, wird in den freien Antworten genannt: Teilzeit-Kassenstellen, Jobsharing, ein Karenzmodell für Kassenärzt:innen und Kinderbetreuung. Außerdem wurden mehr Turnusplätze, mehr Studienplätze explizit für Steier:innen und mehr Stellen für die Basisausbildung aufgezählt, aber ebenso mehr Gehalt und weniger Dienste. Andere Ärzt:innen wiederum betonten, dass die Bedingungen bei uns sehr gut seine und sie durchaus bereit wären, den jungen Ärzt:innen zu erklären, dass es „durchaus lukrativ und sinnerfüllend“ ist, eine Kassenpraxis zu führen. EPIKRISE Kurze Nachrichten aus der Redaktion Soziale Medien: X/Twitter: www.twitter.com/ AERZTE_NEWS Facebook: www.facebook. com/aerztekammer.stmk/ und Facebook-Gruppe für steirische Ärztinnen und Ärzte Youtube: AERZTE_NEWS Instagram: www.instagram. com/aerztekammerstmk Foto: Med Uni Graz/Foto Fischer Was braucht es, um junge Ärzt:innen bei uns zu halten? DAS BILD DES MONATS. Tausende waren in Graz auf der Straße, um gegen die geplanten Kürzungen an den Unis zu demonstrieren – darunter die Rektor:innen aller Grazer Unis. 600 Ärzt:innen der Med Uni Graz sind am LKH tätig; hier den Rotstift anzusetzen, beschädigt die Akutversorgung von heute und gefährdet die Versorgung von morgen. ÆRZTE Steiermark || 06|2026 5 AERZTE-Frage des Monats: Welche Maßnahme wäre aus Ihrer Sicht am wichtigsten, um junge Ärzt:innen in der Steiermark zu halten? Attraktivere Arbeitsbe- dingungen Mehr Ausbildungsstellen Weniger Bürokratie im Berufsalltag Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben Antworten: 152 25 % 27,6 % 34,9 % 12,5 %

INTRA KONT A 6 ÆRZTE Steiermark || 06|2026 DEBATTE Horst Bischof Medizin und Technik: Gemeinsam Zukunft gestalten Die moderne Medizin ist ohne Technik nicht denkbar. Das wird besonders deutlich in der medizinischen Bildgebung: Artificial Intelligence (der bessere Begriff für künstliche Intelligenz) unterstützt schon heute entscheidend dabei, bessere MRT- und CT-Aufnahmen zu machen oder Auffälligkeiten in MRT- oder CT-Aufnahmen schneller und präziser zu erkennen und zu lokalisieren. Forscherinnen und Forscher an der TU Graz, wie etwa Thomas Pock oder Theresa Rienmüller, arbeiten gemeinsam mit Medizinerinnen und Medizinern an Verfahren, die Grundlagen für neue Therapieansätze legen, Diagnosen verbessern und Ärztinnen und Ärzte im klinischen Alltag entlasten. Ein weiteres Beispiel ist die HerPlacenta-Arbeitsgruppe am „Institute of Health Care Engineering“ der TU Graz, die gemeinsam mit klinischen Partnern neue Wege für ein besseres Verständnis der Plazenta erforscht und damit die Gesundheit von Mutter und Kind fördert. Solche Kooperationen zeigen, wie stark technische und medizinische Forschungen inzwischen miteinander verflochten sind. Innovation entsteht oft genau an diesen disziplinären Schnittstellen. Gemeinsame Initiativen wie BioTechMedGraz oder das neue CORI Institut für Stoffwechselforschung stehen exemplarisch für diese Entwicklung. Universitäten, Kliniken und Forschungseinrichtungen bündeln dort ihre Kompetenzen, um medizinische Innovationen schneller in die Anwendung zu bringen. Gerade Graz zeigt eindrucksvoll, wie ein eng vernetzter Wissenschaftsstandort internationale Strahlkraft entwickeln kann. Damit diese Kooperationen weiterhin erfolgreich bestehen können, sind stabile Rahmenbedingungen notwendig. Budgetkürzungen bei Universitäten und Forschungseinrichtungen würden genau jene Innovationskraft schwächen, die wir angesichts medizinischer Herausforderungen dringend benötigen. Eines ist klar, die Zukunft der Medizin ist interdisziplinär. Fortschritte in der Medizin entstehen nicht isoliert – sie entstehen dort, wo Menschen aus verschiedenen Fachrichtungen gemeinsam an Lösungen arbeiten und sich ihre Expertise gegenseitig beflügeln kann. Univ.-Prof. Horst Bischof Rektor der Technischen Universität Graz Gerhard Posch Sparen bei den Unis = Kürzung der Versorgung Die Kürzungen bei der Med Uni Graz, die derzeit im Raum stehen, werden direkt die Patient:innen treffen. Das muss klar ausgesprochen werden. Denn die Med Uni Graz ist kein akademischer Überbau, sie ist ein strukturell unverzichtbarer Teil des Systems. Kürzungen bei der Universität treffen deshalb die Patientenversorgung auf allen Ebenen: im Spital, in der Ordination und in der Versorgung im gesamten Bundesland. Dabei muss man sich Folgendes vor Augen halten: Der Dienstbetrieb an Universitätskliniken ist bereits jetzt angespannt, weitere Kürzungen gefährden schlichtweg seine Aufrechterhaltung und unsere Kolleg:innen am LKH arbeiten bereits an der Belastungsgrenze. Wer jetzt Stellen kürzt, kürzt nicht abstrakt, er kürzt die Versorgung am Bett, in der Nacht, im Notfall. Politische Hüftschüsse dieser Art sind absolut entbehrlich. Schauen wir lieber in die Spitäler und auf die Arbeitsbedingungen unserer Ärzt:innen, die dort Tag für Tag das System am Laufen halten. Ein großes Thema dort ist – wie in allen anderen Bereichen der Gesellschaft – die Teilzeitarbeit. In einer kürzlich durchgeführten Umfrage der Kurie Angestellte Ärzte zeigt sich ganz eindeutig: Bei dieser Form der Beschäftigung geht es um die dringend notwendige Vereinbarkeit. 52 Prozent nennen Kinderbetreuung und familiäre Verpflichtungen als Hauptgründe. Das ist verständlich, denn Kinderbetreuung und Spitalsdienstpläne sind häufig sonst nicht unter einen Hut zu bekommen. Betreuungseinrichtungen bzw. -plätze fehlen oder deren Öffnungszeiten sind nicht mit der Arbeit im Spital vereinbar. Doch Teilzeitarbeit ist längst gesellschaftliche Realität – es wird dringend Zeit, dass die Dienstgeber sich endlich an die Gegebenheiten anpassen. Dr. Gerhard Posch Obmann der Kurie Angestellte Ärzte Fotos: TU Graz - Lunghammer, Furgler

Volles Haus herrschte beim Symposium in der Ärztekammer Steiermark, zu dem Politik, Vetreter:innen von Gesundheitsinstitutionen, ÖGK und Ärzt:innen aus dem angestellten und niedergelassenen Bereich vor kurzem zusammengekommen sind. Der Befund: Die Tatsachen liegen auf dem Tisch und es ist allen bewusst, wo die Probleme liegen. Ebenso klar ist, dass für eine Verbesserung alle Beteiligten im Gesundheitssystem aktiv werden müssen. Patientenanwältin Michaela Wlattnig brachte die Perspektive der Patient:innen ein – „Patient:innen wollen an der Hand genommen werden.“ Sie machte deutlich, worum es im Kern geht: Die Patient:innen brauchen Orientierung, verlässliche Wege und ein funktionierendes Gesamtsystem. Die steirische Ärzteschaft versteht sich dabei nicht als Zuschauerin, sondern als aktive Plattform und Impulsgeberin. Wir bringen die relevanten Stimmen zusammen und arbeiten daran, dass die Pfade im System neu definiert werden, denn es reicht nicht, einzelne Maßnahmen zu setzen. Es braucht ein verschränktes Vorgehen, einen konsequenten Prozess und den gemeinsamen Willen, die Versorgung nachhaltig zu verbessern. Beim Symposium war diese Entschlossenheit spürbar: Es gibt keine einfachen Lösungen, aber es gibt eine gemeinsame Verantwortung. Als Ärzteschaft werden wir weiter vorangehen, den Finger in die Wunde legen und den Druck auf die Player erhöhen – für eine Stärkung des niedergelassenen Bereichs, für bessere Arbeitsbedingungen aller Ärzt:innen und vor allem für ein Gesundheitssystem, das Patient:innen Orientierung gibt. Denn nur wenn alle Ebenen des Systems zusammenspielen, kann echte Verbesserung gelingen. Die Herausforderungen sind bekannt – jetzt braucht es Konsequenz, Mut und Verbindlichkeit in der Umsetzung. Die steirische Ärzteschaft wird diesen Prozess weiterhin aktiv einfordern, begleiten und gestalten. Unser Anspruch ist klar: Wir wollen nicht nur darauf hinweisen, was nicht funktioniert, sondern gemeinsam jene Lösungen vorantreiben, die Ärzt:innen entlasten, Strukturen stärken und Patient:innen rasch, verständlich und verlässlich durch das Gesundheitssystem führen. Dr. Michael Sacherer Präsident der Ärztekammer Steiermark ÆRZTE Steiermark || 06|2026 7 Mit einer gebrandeten Straßenbahn und einem Wartehäuschen hat die Ärztekammer für Steiermark das Thema Patientenlenkung dorthin gebracht, wo es hingehört: mitten in den öffentlichen Raum. Wir wollen bewusst machen: Eine funktionierende Gesundheitsversorgung braucht nicht nur gute Strukturen, sondern auch Orientierung. Patient:innen müssen wissen, wohin sie sich mit welchen Beschwerden wenden können – rasch, verständlich und verlässlich. Dabei ist mir eines besonders wichtig: Es geht nicht um neue Hürden und schon gar nicht um Zugangsbeschränkungen zu Fachärzt:innen. Es geht um echte Patientenlenkung. Wir wollen mündige, gut informierte und „empowerte“ Patient:innen, die im Gesundheitssystem die richtige Anlaufstelle finden. Wer akut schwer erkrankt ist, gehört selbstverständlich in die Notaufnahme. Viele Beschwerden sind jedoch im niedergelassenen Bereich – sowohl bei unseren Hausärzt:innen als auch den Fachärzt:innen – besser, schneller und nachhaltiger versorgt. Dafür braucht es Vertrauensärzt:innen, die begleiten, einordnen und weiterhelfen. Und es braucht ein gemeinsames Verständnis: Die Ambulanzen sind für Notfälle da. Alles andere braucht klare Wege in den niedergelassenen Bereich. Genau darum geht es bei Patientenlenkung – nicht um Einschränkung, sondern um bessere Versorgung für alle. Eine effektive Patientenlenkung funktioniert nur im guten Zusammenspiel zwischen Hausärzt:innen und Fachärzt:innen. Hausärzt:innen sind oft die erste Anlaufstelle, ordnen Beschwerden ein und begleiten Patient:innen kontinuierlich. Fachärzt:innen sichern mit ihrer spezialisierten Expertise die gezielte Abklärung und Behandlung. Beides gehört zusammen: starke hausärztliche Versorgung und gut erreichbare fachärztliche Versorgung. So entsteht jene abgestimmte Versorgung, die Patient:innen und System brauchen. Vizepräsident Prof. Dr. Dietmar Bayer Obmann der Kurie Niedergelassene Ärzte EXTRA Dietmar Bayer Wir brauchen mündige Patient:innen STANDORTBESTIMMUNG Michael Sacherer Orientierung geben – Lösungen vorantreiben DEBATTE Fotos: Schiffer (2)

8 ÆRZTE Steiermark || 06|2026 COVER Fotos: Schiffer „Als Patient denke ich mir: Wer will mich noch?“ Ein Drittel der Patient:innen, die in die Notfallambulanz kommen, wären woanders besser aufgehoben. Viele jüngere Menschen haben keinen Hausarzt. Und wer einen hat, wartet auf Facharzttermine oft so lange, dass der Leidensdruck ihn doch in die Ambulanz treibt. Die Fakten sind bekannt – diskutiert wurde darüber aktuell beim Symposium der Ärztekammer. „Man könnte meinen, die Patient:innen sind schuld daran, dass die Kosten im System davongaloppieren, wenn man sich die Presse anschaut“, sagte Michaela Wlattnig in ihrer Keynote beim Symposium „Wege aus Sicht der Patient:innen“ in der Ärztekammer für Steiermark. Vor dem Hintergrund der zahlreichen Vorschläge und Ideen, die rund um unser Gesundheitssystem diskutiert werden, stellte sie weitere Überlegungen in den Raum: „Als Patient denke ich mir: Wer will mich überhaupt noch? Ist der Patient zum Störfaktor geworden?“ Es herrscht Unzufriedenheit, und fehlende Orientierung ist dabei ein wesentlicher Faktor, weiß Wlattnig aus ihrer Arbeit. Bei den Beschwerden, die in der PatientInnen- und Pflegeombudsschaft laufend bearbeitet werden, sehe sie, dass es meist darum gehe, dass die Patient:innen mit ihren medizinischen Anliegen extrem lange gebraucht haben, an die richtige Stelle zu gelangen – nicht immer waren sie allerdings selbst daran schuld. Empowerment statt Entmündigung Beim Symposium stellte Michaela Wlattnig klar: „Das Ziel ist: Wir brauchen eine klare Datenlage und klare Versorgungspfade für notwendige medizinische Leistungen im Kassensystem und daneben das ,Nice to Have‘, das ,Wunschkonzert‘ als private Leistung. Es geht darum, die Patient:innen nicht zu entmündigen, sondern zu empowern.“ Und sie appellierte, das System nicht an einige anzupassen, die „falsch“ sind, sondern nach objektiven Maßstäben „Es hapert vor allem in der Primärversorgung, im niedergelassenen Bereich, zum Beispiel bei den Öffnungszeiten. Es ist wichtig den niedergelassenen Bereich zu stärken.“ Erich Schaflinger Vorsitzender des Landessanitätsrats Michael Sacherer, Eva Fichtinger, Michaela Wlattnig, Beatrice Gruber und Erich Schaflinger (v. l.)

ÆRZTE Steiermark || 06|2026 9 COVER der medizinischen und pflegerischen Notwendigkeit. Patientenorientierung Statt von Patientenlenkung – „Wer lenkt wen wohin?“ – spricht Wlattnig von einer Patientenorientierung, die konsequent und transparent erfolgen müsse. Die Allgemeinmediziner:innen sieht sie dabei als Casemanager:innen. „Dafür brauchen sie natürlich ein Drittel mehr Zeit, wenn sie managen sollen, statt auf Anfrage Überweisungen auszustellen.“ Die oft langjährige Arzt-Patient-Beziehung ist ein Grund, warum es in der Allgemeinmedizin, bei den Hausärzt:innen wenige Beschwerden gebe: „Unsicherheiten entstehen bei medizinischen Laien bei der Einordnung von Symptomen und auch bei langen Wartezeiten auf Operationen. Da braucht es eine medizinische Auskunftsperson, die ihnen die Sorgen nimmt. Auch wenn Menschen unterschiedliche Auskünfte bekommen, ist das problematisch.“ Gebraucht würden außerdem gemeindenahe Vor- und Versorgungsstrukturen, betonte die Patientenanwältin. Niedergelassenen Bereich stärken Erich Schaflinger, Vorsitzender des Landessanitätsrats, wies bei der Veranstaltung vor allem auf einen Punkt hin: „Es hapert vor allem in der Primärversorgung, im niedergelassenen Bereich, zum Beispiel bei den Öffnungszeiten. Auch bei den Augenärzt:innen gib es sehr lange Wartezeiten und die Gynäkolog:innen sind überhaupt eine aussterbende Rasse … Es ist daher wichtig den niedergelassenen Bereich zu stärken.“ So passiere es immer öfter, dass die Ambulanzen überlaufen würden – mit Themen, die im niedergelassenen Bereich abgeklärt werden sollten. „Haben keinen Hausarzt“ Eva Fichtinger, Oberärztin am ZAM des LKH Klinikum Graz, kennt das Phänomen aus ihrem Alltag: „Ein Drittel der Patient:innen, die zu uns in die Notfallambulanz kommen, wären woanders besser aufgehoben, weil sie eigentlich nur reden wollen oder eher Hilfe bei der Pflege brauchen.“ Aber sie ortet auch ein anderes Problem: „Viele jüngere Menschen haben überhaupt keinen Hausarzt.“ Auch lange Wartezeiten beispielsweise auf orthopädische Untersuchungen oder Endoskopien sorgen für eine Druck auf die Ambulanzen: „Viele wollen früher drankommen, weil ihr Leidensdruck hoch ist.“ Fotos: Schiffer „Die Tatsachen liegen auf dem Tisch, es herrscht Einigkeit – nun müssen alle Player im System aktiv werden. Wir werden den Druck erhöhen, damit sich etwas bewegt.“ Michael Sacherer Präsident Ärztekammer für Steiermark „Bei denen, die zu uns Allgemeinmediziner:innen kommen, haben wir kein Problem mit der Lenkung, sondern bei denen, die nicht zu uns kommen.“ Beatrice Gruber Niedergelassene Allgemeinmedizinerin

COVER 10 ÆRZTE Steiermark || 06|2026 Akut-Slots und Oma-Wissen Die hausärztliche Perspektive brachte Beatrice Gruber, Kassenfachärztin für Allgemein- und Familienmedizin in Kirchberg an der Raab, ein: „Bei denen, die zu uns Allgemeinmediziner:innen kommen, haben wir kein Problem mit der Lenkung, sondern bei denen, die nicht zu uns kommen.“ Was sie sich konkret wünscht: Akut-Slots bei Fachärzt:innen für Überweisungen aus der Hausarztpraxis und mehr Gesundheitswissen in der Bevölkerung. Und sie wies auf einen Punkt hin, den auch Erich Schaflinger schon betont hatte: das fehlende Patientenwissen sei ein Thema. „Die Oma hat bei Fieber noch Essigpatscherl gemacht.“ Dieses „Oma-Wissen“ müsse weitergegeben werden, Erwachsene müssten in Gesundheitsfragen Vorbild sein. Wlattnig stimmte zu: „Wir haben es jetzt mit einer anderen Eltern-Generation zu tun. Als sechsfache Mutter liegt bei mir heute noch alles für Topfenwickel bei Sportverletzungen bereit. Aber bei der Elternkompetenz muss man auf jeden Fall auch ansetzen.“ Hausarztzentriert funktioniert Als 1. Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (ÖGAM) lieferte Stephanie Poggenburg den wissenschaftlichen Befund: „Wenn es richtig gemacht wird, funktioniert die hausarztzentrierte Versorgung perfekt. Die Patient:innen leben länger und sind gesünder, das sieht man an der Untersuchung in Baden-Württemberg. Und die Fachärzt:innen bekommen nicht weniger, aber besser sortierte Patient:innen. Es sollte der Output unseres Jobs sein – der Output und nicht das Ziel –, dass weniger Menschen ins Spital gehen. Schließlich ist es ja auch nicht der Wunsch der Patient:innen, in die Klinik zu gehen. Sie wollen nur eine Versorgung.“ Wo ansetzen – und wann? Am Ende des Symposiums stand eine konkrete Frage: An welcher Schraube würden die Diskutant:innen zuerst drehen, um in drei Jahren einen Effekt zu sehen? Eva Fichtinger nannte die hausärztliche Versorgung an Randzeiten, Erich Schaflinger ebenfalls die Stärkung des niedergelassenen Bereichs und betonte den großen Kostenunterschied zwischen der Versorgung im niedergelassenen Bereich und im Spital. Beatrice Gruber sieht einen wichtigen Punkt in der Verringerung der Verwaltungs- und Organisationsarbeit für Allgemeinmediziner:innen – „die Patient:innen könnten beispielsweise schon mit einem Termin aus dem Krankenhaus zurückkommen“. Und Michaela Wlattnig betonte, man müsse das System als Gesamtes flexibler denken und mehrere Bereiche wie Sozialarbeit in PVEs berücksichtigen, weil Ärzt:innen auch viele soziale Probleme sehen würden, die keine medizinischen Probleme seien. Foto: Schiffer „Ein Drittel der Patient:innen, die zu uns in die Notfallambulanz kommen, wären woanders besser aufgehoben.“ Eva Fichtinger Oberärztin am ZAM „Wir brauchen klare Versorgungspfade für notwendige medizinische Leistungen im Kassensystem und daneben das ,Nice to Have‘, das ,Wunschkonzert‘ als private Leistung.“ Michaela Wlattnig Patientenanwältin „Wege aus Sicht der Patient:innen“ Beim Symposium „Wege aus Sicht der Patient:innen“ der Ärztekammer für Steiermark diskutierte Präsident Michael Sacherer mit Michaela Wlattnig (PatientInnen- und Pflegeombudsschaft), Eva Fichtinger (OÄ ZAM), Beatrice Gruber (niedergelassene Allgemeinmedizinerin) und Erich Schaflinger (Vorsitzender des Landessanitätsrat).

Fotos: istock/Blue Planet Studio, Opern Foto KÜNSTLICHE INTELLIGENZ ÆRZTE Steiermark || 06|2026 11 Ersetzt die KI das ärztliche Gutachten? „Soweit ich informiert bin, machen einige Kollegen bereits Gutachten mit der KI“, sagt der Arzt Engelbert Wallenböck offen. Besonders bei standardisierten Fragestellungen – etwa in der privaten Unfallversicherung oder bei einfachen zivilgerichtlichen Verfahren – erscheine der Einsatz von KI auf den ersten Blick praktikabel. Schwieriger werde es jedoch dort, wo medizinische Komplexität, individuelle Krankheitsverläufe oder Behandlungsfehler beurteilt werden müssen. Nicht nur faktenbasierend Denn genau hier stößt Künstliche Intelligenz an ihre Grenzen. „Die Gefahr liegt auf der Hand: Die KI arbeitet nicht ausschließlich mit Fakten“, warnt Wallenböck. Ergebnisse seien abhängig davon, mit welchen Daten und Quellen die Systeme trainiert wurden. Zudem fehle jeder KI „jegliche soziale Kompetenz“ – ein Aspekt, der gerade bei sensiblen medizinischen und juristischen Fragestellungen wesentlich sei. Ein weiteres zentrales Problem sieht Wallenböck im Datenschutz. Wenn Befunde, Krankengeschichten oder personenbezogene Daten ungeprüft in KI-Systeme eingegeben werden, stellen sich erhebliche Fragen hinsichtlich Schweigepflicht und Datensicherheit. Gerade Sachverständige bewegen sich hier in einem besonders sensiblen Bereich. Werkzeug ja – Ersatz nein Trotz aller Risiken spricht sich Wallenböck nicht gegen den Einsatz von KI aus – im Gegenteil. „Was wir vermeiden wollen, ist, dass der oder die Sachverständige den Befund eingibt und das Gutachten von der KI ausspucken lässt.“ Verantwortungsbewusst eingesetzt könne KI aber ein „sinnvolles und dringend benötigtes Instrument zur Unterstützung“ sein. Der Hintergrund: Der Nachwuchs im Bereich der medizinischen Sachverständigentätigkeit fehlt massiv. Stockende Honorarverhandlungen und eine sinkende Bereitschaft junger Ärzt:innen Gutachtertätigkeiten zu übernehmen, verschärfen die Situation seit Jahren. Wallenböck nennt dazu eine alarmierende Zahl: „Das Durchschnittsalter der Sachverständigen in der Steiermark liegt bereits über 60 Jahren.“ Was gibt es zu beachten? Die Sorge, dass Gutachten künftig zunehmend automatisiert erstellt werden könnten, ist daher nicht unbegründet. Umso wichtiger ist die Auseinandersetzung mit den rechtlichen, ethischen und praktischen Grenzen der Technologie. Wie man Künstliche Intelligenz sinnvoll und verantwortungsvoll in medizinischen Gutachten nutzt, was bei Datenschutz und Schweigepflicht zu beachten ist, wie weit die Verantwortung des/der Sachverständigen reicht und wie man KI-generierte Gutachten erkennt, sind daher Themen, die im Seminar „Ersetzt die KI das ärztliche Gutachten?“ von Stefan Gradler, Alfred Tanczos und Engelbert Wallenböck eingehend behandelt und anhand von Fallbeispielen erläutert werden. Seminar „Ersetzt die KI das ärztliche Gutachten?“ 17. Juni, Konferenzraum des Sachverständigenverbands Steiermark und Kärnten Infos und Anmeldung: sv.co.at/veranstaltungen Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in die Gutachtenpraxis – mit Chancen, aber auch erheblichen Risiken. Sachverständiger Engelbert Wallenböck über den schmalen Grat zwischen sinnvollem Einsatz und gefährlicher Sorglosigkeit. „Was wir vermeiden wollen, ist, dass der Sachverständige den Befund eingibt und das Gutachten von der KI ausspucken lässt.“ Engelbert Wallenböck Sachverständiger und Facharzt für Unfallchirurgie

Mit medizinischen Informationen aus dem Netz sollte man vorsichtig sein und die Quelle prüfen, hieß es früher. Doch mittlerweile sind die Quellen immer weiter in den Hintergrund getreten, viele Menschen befragen schließlich die KI und lesen nur mehr deren Antwort. Vor diesem Hintergrund wollte die medizinische Forscherin Almira Osmanovic Lindström von der Universität Göteborg prüfen, wie die so genannten Large Language Models (LLMs) wie ChatGPT, Microsoft Copilot, Perplexity und Google Gemini mit einer eindeutigen medizinischen Falschinformation umgehen. Hinweis auf die USS Enterprise Lindström erfand die Augenkrankheit „Bixonimanie“ und beschrieb sie in zwei Blogposts auf der Website Medium und in zwei Vorabdrucken (noch 12 ÆRZTE Steiermark || 04|2026 KÜNSTLICHE INTELLIGENZ Wer leidet an der Augenkrankheit Bixonimanie? Die KI auf jeden Fall. Denn die erfundene Krankheit war Teil eines Experiments, um Large Language Models (LLMs) zu prüfen, ob sie medizinische Falschinformationen einfach so weitergeben. Und sie machten es tatsächlich – trotz klarer Hinweise auf den Fake. Steiermark || 06|2026 Foto: envato/BeeBonnet

KÜNSTLICHE INTELLIGENZ nicht peer-reviewten Studien im akademischen Netzwerk SciProfiles. Von der nicht existierenden Universität in einer nicht existierenden Stadt bis zur Professorin, die im „Labor an Bord der USS Enterprise“ wirkte, waren darin viele Punkte, bei denen „mensch“ stutzig werden könnte. Im Text stand, dass die Expositionsgruppe fiktiv ist Darüber hinaus wurden klare Hinweise wie eine Expositionsgruppe mit „fünfzig fiktiven Personen“ beschrieben und zusätzlich sogar noch der Satz „Dieses ganze Paper ist frei erfunden.“ eingebaut. Nun, die KI wurde nicht stutzig, sondern beschrieb Nutzer:innen, dass „Bixonimanie eine Erkrankung (ist), die durch übermäßige Blaulichtbelastung verursacht wird“ und riet ihnen dazu, einen Augenarzt aufzusuchen. Harvard Medical School Das Experiment machte also deutlich, wie manipulierbar LLMs durch Falschinformationen sind. Eine Studie an der Harvard Medical School zeigte außerdem, dass die LLMs eher zum Halluzinieren neigen, wenn der Text, den sie verarbeiten, professionell medizinisch wirkt, also zum Beispiel wie eine klinische Studie formatiert ist. Wikipedia Mittlerweile hat „Bixonimania“ bereits einen eigenen Wikipedia-Eintrag (in der englischen Wikipedia-Version) und heute befragt, „weiß“ ChatGPT auch, dass Bixonimanie keine echte Krankheit ist, sondern erfunden wurde, um zu zeigen, wie leicht medizinische Falsch- informationen über KI-Chatbots und Suchmaschinen verbreitet werden können. ChatGPT warnt nun zumindest teilweise selbst: „KI-Systeme können bei Gesundheitsthemen plausible, aber falsche Informationen übernehmen. Für Patient:innen heißt das: KI kann Orientierung geben, ersetzt aber keine ärztliche Abklärung.“ Im Hinterkopf muss man es aber selbst behalten, dass die KI sich auch (bewusst oder unbewusst) mit Falschinformationen füttern lässt und diese dann als relevante Information wiedergeben kann. ÆRZTE Steiermark || 06|2026 13 Vortragender: OA Dr. Holger Flick Univ.-Klinik für Innere Medizin Graz, Pneumologie Moderation: Dr. Michael Sereinigg Co-Fortbildungsreferent, Obmann der Sektion Turnusärzt:innen Di., 16. Juni 2026, 19 Uhr Ärztekammer Steiermark, Haus der Medizin FORTBILDUNG AKTUELL Anmeldung: www.med.or.at/rlb Die Teilnahme ist kostenfrei. UNTERSTÜTZT VON Raiffeisen-Landesbank Steiermark Turnusärzt:innen-Weiterbildung: Diese Reihe richtet sich an alle Ärzt:innen in Ausbildung (Allgemeinmedizin & Fach). Im Anschluss laden wir gemeinsam mit der Raiffeisen-Landesbank Steiermark zu einem lockeren Get-together mit kleinem Buffet ein. KI-generiert (OpenAI / DALL·E) Meinem Patienten bleibt die Luft weg: Spannende Fälle aus der Praxis Leitun Der Le Freita Sams Modul Modul Modul Modul Modul Modul Abschlu FO Vora www Telefon E-Mail Er M 8. Ö 17. S

Eigentlich wurde in der letzten Zeit, seit dem Ausbruch des Hanta-Virus auf einem Kreuzfahrtschiff, bereits sehr viel über das Virus gesagt und geschrieben, meint Robert Krause, Leiter der Klinischen Abteilung für Infektiologie an der Universitätsklinik Graz. Trotzdem gibt es von Patient:innen weiterhin Fragen und Unsicherheiten bezüglich der bei uns und in anderen Ländern vorkommenden Hanta-Viren. Mit Fällen von HantaVirus-Infektionen hat man es in Gesamt-Österreich schließlich eher selten zu tun: Meist gibt es 25 Fälle jährlich, nur in Ausnahmefällen 200. Die meis- ten Hanta-Virus-Infektionen treten dabei in der Steiermark gefolgt von Oberösterreich auf, wo die Infektionen gut bekannt sind. „In der Steiermark sollten Ärzt:innen an das Hanta-Virus denken, wenn Patient:innen mit grippalen Symptomen kommen, die eine sogenannte Risikoexposition hatten, also im Keller, in einer Waldhütte, im Garten oder auf dem Dachboden gearbeitet haben“, so Krause. Kopfschmerzen treten meist ebenso auf und ein besonders klarer Hinweis ist die temporäre Myopie. Diese Sehstörung dauert einige Tage und kommt bei anderen Infektionskrankheiten nicht vor. Relevante Laborparameter sind unter anderem die Verminderung der Thrombozyten, vermehrte weiße Blutkörperchen, Neutrophilie (was bei Virus-Infektionen ungewöhnlich ist) und die Erhöhung der Nierenretentionsparameter. Geringerer Harn und Atemnot treten bei schwereren Verlaufsformen auf. „Wir haben dazu eine Studie gemacht: Lymphopenie und Atemnot waren indikativ für einen schweren Verlauf. Daher sollte man Patient:innen mit diesen Symptomen und bei erhöhten Nierenretentionsparametern sofort ins Krankenhaus überweisen“, streicht der Spezialist hervor. Puumala-Virus Hanta-Viren, das sind einsträngige RNA-Viren, sind erst seit den 1980er-Jahren bekannt und noch wenig erforscht. Bei uns in Mitteleuropa tritt fast ausschließlich ein Stamm auf: das Puumala-Virus, das über die Rötelmaus (eine Wühlmausart) übertragen wird. Jeder Hanta-Virus-Stamm ist mit einer bestimmten Nagetierart assoziiert, tritt also nur HANTA-VIRUS Hanta-Virus: Hinweise für einen schweren Verlauf Infektiologe Robert Krause über Hanta-Virus-Fälle in der Steiermark, Hinweise auf schwere Verläufe, die in Graz im Rahmen einer Studie untersucht wurden, und den aktuellen Stand der Forschung. Foto: envato/CreativeNature_nl 14 ÆRZTE Steiermark || 06|2026

ÆRZTE Steiermark || 06|2026 15 Foto: Werner Stieber HANTA-VIRUS dort auf, wo diese Tiere heimisch sind. „Weltweit gibt es geschätzt bis zu 200.000 Fälle von Hanta-VirusInfektionen pro Jahr, dabei fand – anders als beim Andes-Virus auf dem Kreuzschiff und davor bei Einzelfällen in Südamerika – noch nie eine Übertragung von Mensch zu Mensch durch andere Hanta-Viren als Andes statt“, betont der Infektiologe, dass die Angst vor Ansteckung durch Kontakt mit einer am Puumala-Virus erkrankten Person nicht begründet ist. Ein schwerer Verlauf ist bei einer Erkrankung mit dem Puumala-Virus sehr selten, die Todesrate liegt bei rund 0,5 %. „Von den Patient:innen, die wir bei uns auf der Klinik vorgestellt bekommen und die wir stationär aufnehmen, müssen rund 10 % auf der Intensivstation behandelt werden“, sagt Krause. Künstliche Beatmung, Dialyse und ECMO-Verfahren kommen zum Einsatz, um unterstützend zu therapieren, doch eine direkte Behandlung der Viren gibt es nicht. Langfristige Folgen „Die Betroffenen fühlen sich sehr krank, aber üblicherweise heilt die Puumala-VirusInfektion folgenlos aus. Teilweise dauert die völlige Ausheilung und Wiederlangung des Gesundheitszustandes aber sehr lange“, weiß der Infektiologe. Langfristige seltene Auswirkungen sind teils Missempfindungen bei Haut und Haaren, Schwächezustände, Organschäden und eine Beeinträchtigung der Hypophyse, die einer langfristigen Medikation bedürfen. Forschung und Meldepflicht Virostatische Medikamente für Hanta-Virus-Infektionen, die übrigens meldepflichtig sind, gibt es derzeit nicht. „Gearbeitet wird an Antikörper-Präparaten gegen verschiedene Hanta-Varianten und wir forschen hier auch gemeinsam mit Florian Krammer und seinem Team in New York und Wien.“ Derzeit gibt es auch Impfstoffentwicklungen gegen HantaViren, jedoch ist die klinische Erforschung beispielsweise aufgrund der geringen Fallzahl von Andes-Virus-Infektionen schwierig. Prävention Schützen kann man sich daher derzeit vor dem Hanta-Virus nur, indem man zum Beispiel beim Arbeiten auf Dachböden, in Kellern, Gartenhütten oder im Wald eine FFP2-Maske trägt, da die Übertragung meist durch getrockneten virushaltigen Kot oder Urin der Rötelmaus erfolgt, die als Aerosole inhaliert werden. „Prinzipiell kann es jedem passieren, der Kontakt zur Natur hat – Waldarbeiter, Förster und auch Sportler:innen, die im Wald unterwegs sind. Gefährlich sind alle Tätigkeiten, die Staub aufwirbeln, vor allem wenn bekannt ist oder durch sichtbare Mausausscheidungen vermutet werden kann, dass in bestimmten Räumen Mäuse vorhanden sind“, führt Robert Krause aus. Empfohlen werden außerdem Handschuhe sowie das Besprühen der Flächen mit Wasser oder chlorhaltigen Lösungen zur Staubminimierung. Alkoholische Handdesinfektionsmittel töten HantaViren sehr gut ab und sollten nach den Tätigkeiten mit Risiko für eine Hanta-Virus-Infektion verwendet werden. „Von den Patient:innen, die wir bei uns auf der Klinik vorgestellt bekommen und die wir stationär aufnehmen, müssen rund 10 % auf der Intensivstation behandelt werden.“ Robert Krause Infektiologe

16 ÆRZTE Steiermark || 06|2026 TAG DER ORGANSPENDE Was gute OrganspendeSysteme ausmacht „Generell muss man sagen, dass der Trend zur Organspende stagniert, tendenziell sogar leicht abnimmt“, so Robert Sucher, Leiter der Klinischen Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie an der Med Uni Graz. Der GÖG und ihren Transplantationsbeauftragten, die stets bemüht sind, alle Krankenhäuser und Ärzt:innen zu diesem Thema aufzuklären und ins Boot zu holen, kommt daher eine tragende Rolle zu. In der Region Süd, zu der neben Kärnten die Steiermark zählt, sind wir aber gut versorgt. Das zeigt, was möglich ist, wenn Intensivmedizin, Transplantationskoordination und Chirurgie eng zusammenspielen. Der Süden liegt vorne „Die Region Süd hat in Österreich das höchste Spenderaufkommen“, sagt der Transplantationsexperte. Für ihn ist das kein Zufall. Ausschlaggebend seien vor allem engagierte Organspende-Beauftragte, aktive Intensivstationen und regelmäßige Schulungen. „Die erfreulichen Zahlen sind nicht nur ein Ergebnis der hierzulande geltenden Widerspruchslösung, sondern auch auf die hervorragende Arbeit des Organspende-Beauftragten Michael Zink und seines Teams zurückzuführen.“ Österreich verzeichnet deutlich kürzere Wartezeiten als etwa Deutschland. Bei der Niere spreche man hierzulande von etwa drei bis Obwohl der Trend zur Organspende stagniert, ist die Versorgung in der Steiermark gut. Warum das so ist, wo die Grenzen des Systems liegen und was wir von der Transplantationsforschung erhoffen dürfen, erklärt Transplantationsexperte Robert Sucher. Foto: envato/chormail

ÆRZTE Steiermark || 06|2026 17 Foto: Fecter Med Uni Graz TAG DER ORGANSPENDE vier Jahren, in Deutschland oft von zehn Jahren und mehr. Entsprechend höher sei dort auch die Wartelisten-Mortalität. 322 zu 166 2024 wurden in Österreich 311 verstorbene Personen als potenzielle Organspender:innen gemeldet, bei 166 wurde zumindest ein Organ transplantiert. Die Differenz wirkt auf den ersten Blick irritierend, ist aus Sicht des Viszeral- chirurgen aber medizinisch gut erklärbar: Nicht jede Spenderanamnese erlaubt eine Transplantation, nicht jedes Organ ist funktionell ausreichend, nicht jede Konstellation transportabel oder sicher. Mal stehen Tumorerkrankungen oder Virusinfektionen entgegen, mal sind die Werte eines Organs zu schlecht. Potenzial bedeutet also nicht automatisch Verwendbarkeit. Mehr Spielraum Gleichzeitig hat sich die Transplantationsmedizin deutlich weiterentwickelt. Heute werden auch Organe älterer Spender:innen transplantiert – sehr gut eignet sich hier die Leber, die eine enorme Regenerationsfähigkeit aufweist, wohingegen Nieren älterer Spender:innen gezielt älteren Empfänger:innen zugutekommen. Sucher sagt über die heutige Transplantationschirurgie, sie sei „zu einem standardisierten, sicheren Verfahren aufgestiegen, das mit geringer Mortalität durchgeführt werden kann“. Was früher als chirurgische Ausnahmeleistung galt, sei in großen Zentren heute hochspezialisierter Standard. Eines dieser drei großen Zentren in Österreich ist in Graz (neben Wien und Innsbruck), an dessen Spitze steht Sucher. Forschung mit Perspektive Besonders viel Bewegung sieht der Experte bei der Maschinenperfusion. Organe werden dabei nicht mehr wie bisher nur mit einer Perfusionslösung gespült und gekühlt gelagert, sondern in einer Maschine perfundiert, überwacht und getestet. Das verbessert nicht nur die Konservierung, sondern erweitert auch den Spenderpool. Gerade bei der Leber sei das ein enormer Fortschritt, zumal sie neben ihrer reinigenden Funktion auch viel für den Körper produziert, etwa Proteine und Gerinnungsfaktoren – ihre komplexen Aufgaben machen auch die Testung komplex. Doch „nach erfolgreicher Testung können auch Organe, die im ersten Moment nicht akzeptabel erscheinen, eingesetzt werden“, betont Sucher. Und das zeigt sich auch in den Zahlen, die sich in den letzten Jahren in Graz sehr dynamisch entwickelt haben. „In meinem ersten Jahr waren es 12, im Jahr 2024 dann 24 und 2025 bereits 36 Lebertransplantationen“, so Sucher. Das sei aber auch Ausdruck der Qualität der Abteilung, zumal Patient:innen frei wählen können, wo sie sich listen lassen. Nächste Schritte Die Forschung denkt jedoch bereits weiter: Der nächste Schritt wäre, Organe an der Maschine gezielt mit Medikamenten zu behandeln oder sogar mittels Stammzelltherapie zu regenerieren. Auch die robotisch assistierte Lebendspende zeigt, wie stark sich das Feld verändert. Was früher offen operiert wurde, erfolgt heute vielfach minimalinvasiv – schonender für Spender:innen und zunehmend auch für Empfänger:innen. Der „heilige Gral“ Bei aller chirurgischen Präzision bleibt das Kernproblem immunologisch. Wer mit einem Spenderorgan lebt, benötigt lebenslang Immunsuppression. „Der heilige Gral in der Transplantationschirurgie ist, dass man eine spenderspezifische Toleranz entwickelt“, sagt Sucher, „in der der Körper das transplantierte Organ akzeptiert, ohne dass das restliche Immunsystem dauerhaft unterdrückt werden muss.“ Im Labor gebe es dazu bereits vielversprechende Ansätze. So wird beispielsweise derzeit in Hannover daran geforscht, das zu transplantierende Organ immunologisch „unsichtbar“ zu machen. Das geht bei Schweinen schon sehr gut, bis zur Anwendung am Menschen ist aber noch einiges an Forschungsarbeit zu leisten. „Der heilige Gral in der Transplantationschirurgie ist, dass man eine spenderspezifische Toleranz entwickelt.“ Robert Sucher Leiter Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie

WIGMU: Treffen in Bad Aussee Die 28. Klausurtagung der Betriebsrät:innen der wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen der Medizinischen Universitäten Österreichs („WIGMU“) fand heuer von 23. bis 24. April im steirischen Bad Aussee statt. Das Treffen der Betriebsrät:innen dient vor allem dem Informationsaustausch zwischen Wien, Innsbruck und Graz. Zum Thema „Gesundheitsfinanzierung aus einer Hand. Pro und Contra aus Sicht eines Ärztekammerpräsidenten“ referierte Ärztekammer-Steiermark-Präsident Michael Sacherer. Weitere Themenfelder aus der Steiermark: Gerhard Wirnsberger sprach über die Karriere mit Lehre und Jürgen Prattes Schwerpunkt war das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz und die Umsetzung der Betriebsvereinbarung in Graz. Darüber hinaus widmete man sich auch den langfristigen Perspektiven zur (klinischen) Forschung an Medizinischen Universitäten und der „Theorie und Wirklichkeit von Arbeitszeiten an wissenschaftlichen Universitäten“. WIGMU 18 ÆRZTE Steiermark || 06|2026 Foto: AEK_Wigmu AUGENHEILKUNDE MIT PERSPEKTIVE – in einer Region, in der andere Urlaub machen. Nur rund 45 Minuten von Graz und etwa 90 Minuten von Wien entfernt erwartet Sie ein Arbeitsplatz mit hoher fachlicher Qualität, persönlichem Gestaltungsspielraum und der Lebensqualität einer wunderbaren ländlichen Umgebung. ZUR VERSTÄRKUNG UNSERES TEAMS SUCHEN WIR: ▶ 1 Facharzt für Augenheilkunde (m/w/d | 30h/Woche) • Perspektivisch besteht die Möglichkeit, gemeinsam einen neuen Standort aufzubauen und die augenärztliche Versorgung in der Region aktiv mitzugestalten. • Jahresbruttogehalt: 150.000 EUR für 30 Wochenstunden ▶ 1 Facharzt für Augenheilkunde als Vertretungsarzt (m/w/d) • Ab Herbst 2026 freitags von 8:00 – 15:00 Uhr • Perspektivisch zusätzlich ab 2027 dienstags von 8:00 – 17:00 Uhr • Honorar: 200 EUR pro Stunde ▶ 1 Assistenzarzt für Augenheilkunde (m/w/d) • Wir sind eine anerkannte Lehrpraxis mit einer Ausbildungs- möglichkeit von bis zu 24 Monaten und suchen einen engagierten Assistenzarzt in Vollzeit. • Jahresbruttogehalt im 1. Ausbildungsjahr: 75.000 EUR auf Basis Vollzeit Über das Augenzentrum Güssing • Augenzentrum mit Alleinstellungsmerkmal in der Region • Breites konservatives und operatives Leistungsspektrum • Mehr als 18.000 behandelte Patienten pro Jahr • Die beiden Inhaber sind seit über 20 Jahren in der Praxis tätig und verfügen über eine Erfahrung aus mehr als 35.000 Operationen • Stabiles, eingespieltes und motiviertes Team, u. a. bestehend aus 4 OptikerInnen, 2 Orthoptistinnen, 5 äußerst erfahrenen Ordinationsassistentinnen und 1 langjährig tätigen OP-DGKP • Eigene OP-Räume • Modernes, volldigitalisiertes Arbeitsumfeld Wir bieten • Keine Nachtdienste • Keine Wochenenddienste • Arbeitszeiten unter der Woche maximal bis 17:00 Uhr • Strukturierte Arbeitsabläufe mit sehr hoher Patientenzufriedenheit • Wartezeiten meist unter 30 Minuten • Fokus auf Medizin – keine administrativen Belastungen • Unbefristetes Arbeitsverhältnis je nach Position KONTAKT ▶ Augenzentrum Güssing Dr. Simon und Dr. Hanselmayer Pater-Gratian-Leser-Straße 2 A-7540 Güssing E-Mail: simon@augenzentrum.cc www.augenzentrum.cc WIR FREUEN UNS AUF IHRE BEWERBUNG.

PRÜFUNG ÆRZTE Steiermark || 06|2026 19 Foto: envato/ LightFieldStudios Fachärztliche Prüfung für Allgemein- und Familienmedizin Fachärzt:innen für Allgemeinmedizin und Familienmedizin übernehmen eine Schlüsselrolle in der Versorgung. Sie sind die erste Anlaufstelle in der Primärversorgung, ordnen Beschwerden ein, begleiten Krankheitsverläufe und koordinieren außerdem als zentrale Ansprechpersonen weitere Behandlungsschritte. Für dieses neue Sonderfach wurde nun der erste Prüfungstermin festgelegt: Er findet am 6. November 2026 statt. Anmeldeschluss dafür ist am 6. September 2026. Der Prüfungsort wird in Abhängigkeit von der Anzahl der Kandidat:innen festgelegt. Voraussetzungen Zulassungsvoraussetzung sind mindestens 42 anrechenbare Ausbildungsmonate im Sonderfach Allgemeinmedizin und Familienmedizin, spätestens bis zum Anmeldeschluss, oder der Nachweis des Erfordernisses zur Ablegung der fachärztlichen Prüfung, wenn in einem Verfahren zum Erwerb der Facharztbezeichnung Allgemeinmedizin und Familienmedizin gemäß der Übergangsbestimmung § 262 ÄrzteG 1998 die Absolvierung der fachärztlichen Prüfung im Sonderfach Allgemeinmedizin und Familienmedizin vorgeschrieben wurde. In diesem Fall ist der diesbezügliche Bescheid vorzulegen. Prüfungsmethode Die Prüfung erfolgt schriftlich, oder, in Abhängigkeit der Anzahl der Kandidat:innen, im Zeitraum vom 1. Juni 2026 bis 31. Mai 2027 mündlich. Die Anmeldung zur fachärztlichen Prüfung ist ebenfalls seit 1. Juni 2026 möglich. Die entsprechenden Anmeldeformulare sind auf der Website der Akademie der Ärzte verfügbar: arztakademie.at/facharzt Mit der Einführung des Sonderfachs Allgemein- und Familienmedizin per 1. Juni 2026 folgen nun die entsprechenden fachärztlichen Prüfungen. Erster Termin ist im November. follow us FORTBILDUNG AKTUELL UNTERSTÜTZT VON Raiffeisen-Landesbank Steiermark Turnusärzt:innen-Weiterbildung: Fachärztliche Prüfung für Allgemein- und Familienmedizin Prüfungstermin: 6. November 2026 Anmeldeschluss: 6. September 2026 Details können der neuen Prüfungsordnung entnommen werden:

Knallbunt, lustig und voller gesunder Gewohnheiten „Uns allen geht es supergut“ heißt ein neues Kinderbüchlein. Im Zentrum stehen die „WohlfühlWunder“ für ein gesundes Leben. Verteilt wird es nun an die steirischen Kinderärzt:innen sowie in den Kinderkrippen und -gärten der Stadt Graz. Im Rahmen des Projekts „Gesund groß werden“ entwickelte die Ärztekammer für Steiermark gemeinsam mit der Stadt Graz ein Kinderbuch, das Gesundheitsbildung bereits im Kindesalter verankern soll. Denn: „Gesundheitsbildung muss dort beginnen, wo Gewohnheiten entstehen – bei den Kindern“, betont Neshat Quitt, die das Projekt von Seiten der Ärztekammer initiiert hat. Die Stadt Graz wird das Buch heuer in den städtischen Kindergärten und Kinderkrippen verteilen, freuen sich Ines Pamperl (Leiterin Ärztlicher Dienst im Amt für Jugend und Familie) und Andrea Csaszar (Pädagogische Leiterin der Abteilung für Bildung und Integration), dass das Känguru aus der Geschichte schon bald überall bekannt sein wird. Fotos: Conny Leitgeb KINDERBUCH 20 ÆRZTE Steiermark || 06|2026 Stadtrat Kurt Hohensinner, Prof. Sandra Holasek, Neshat Quitt , Ines Pamperl, Andrea Csaszar und Michael Sacherer (v. l.)

Wohlfühl-Wunder Die inhaltlichen Schwerpunkte und medizinischen Informationen wurden von den steirischen Ärzt:innen Neshat Quitt, Karin Amrein, Katrin Braun, Hans Jürgen Dornbusch, Beatrice Gruber, Daisy Kopera, Ines Pamperl und Gudrun Zweiker ausgearbeitet und dann kindgerecht in einer Geschichte aufbereitet. In deren Mittelpunkt stehen die „Wohlfühl-Wunder“, mit denen Kindern auf spielerische Weise gezeigt wird, was Körper, Seele und Entwicklung stärkt: gute Gefühle, gesunde Ernährung, viel Bewegung und kreativer Zeitvertreib. Energie und Muskeln Dabei geht es nicht um den erhobenen Zeigefinger, sondern viel mehr um alltagsnahe Impulse: lachen, sich selbst mögen, Obst und Gemüse essen, Wasser trinken, laufen, klettern, tanzen, malen, Geschichten hören und auch einmal Pausen machen. Und es wird vermittelt, warum diese Gewohnheiten wichtig sind – für mehr Energie, starke Muskeln und Nerven, gesunde Zähne, gute Freundschaften, ruhigen Schlaf und ein gutes Gefühl im eigenen Körper. Ziel ist es, Kindern frühzeitig auf verständliche, positive und lebensnahe Weise einfach Freude an gesunden Gewohnheiten zu vermitteln. Sandra Holasek, Professorin an der Med Uni Graz, wird das Projekt übrigens auch wissenschaftlich begleiten. „Insgesamt besteht dieses Projekt aus drei wesentlichen Bausteinen“, so Neshat Quitt, „dem Kinderbuch, einem Workshop-Programm für die Pädagog:innen, das gemeinsam mit den Kindern im Kindergarten durchgeführt wird, und einer begleitenden Elterninformation.“ Buch bestellen Das Kinderbuch „Uns allen geht es supergut“ wird in den nächsten Wochen von der Ärztekammer für Steiermark an die steirischen Kinderärzt:innen ausgeschickt. Weitere Exemplare können bei der Ärztekammer bestellt werden – bitte per E-Mail an presse@aekstmk.or.at. Fotos: Conny Leitgeb KINDERBUCH ÆRZTE Steiermark || 06|2026 21 Stadtrat Kurt Hohensinner, Neshat Quitt und Michael Sacherer (Ärztekammer), v. l.

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