AERZTE Steiermark 06 2026

ÆRZTE Steiermark || 06|2026 17 Foto: Fecter Med Uni Graz TAG DER ORGANSPENDE vier Jahren, in Deutschland oft von zehn Jahren und mehr. Entsprechend höher sei dort auch die Wartelisten-Mortalität. 322 zu 166 2024 wurden in Österreich 311 verstorbene Personen als potenzielle Organspender:innen gemeldet, bei 166 wurde zumindest ein Organ transplantiert. Die Differenz wirkt auf den ersten Blick irritierend, ist aus Sicht des Viszeral- chirurgen aber medizinisch gut erklärbar: Nicht jede Spenderanamnese erlaubt eine Transplantation, nicht jedes Organ ist funktionell ausreichend, nicht jede Konstellation transportabel oder sicher. Mal stehen Tumorerkrankungen oder Virusinfektionen entgegen, mal sind die Werte eines Organs zu schlecht. Potenzial bedeutet also nicht automatisch Verwendbarkeit. Mehr Spielraum Gleichzeitig hat sich die Transplantationsmedizin deutlich weiterentwickelt. Heute werden auch Organe älterer Spender:innen transplantiert – sehr gut eignet sich hier die Leber, die eine enorme Regenerationsfähigkeit aufweist, wohingegen Nieren älterer Spender:innen gezielt älteren Empfänger:innen zugutekommen. Sucher sagt über die heutige Transplantationschirurgie, sie sei „zu einem standardisierten, sicheren Verfahren aufgestiegen, das mit geringer Mortalität durchgeführt werden kann“. Was früher als chirurgische Ausnahmeleistung galt, sei in großen Zentren heute hochspezialisierter Standard. Eines dieser drei großen Zentren in Österreich ist in Graz (neben Wien und Innsbruck), an dessen Spitze steht Sucher. Forschung mit Perspektive Besonders viel Bewegung sieht der Experte bei der Maschinenperfusion. Organe werden dabei nicht mehr wie bisher nur mit einer Perfusionslösung gespült und gekühlt gelagert, sondern in einer Maschine perfundiert, überwacht und getestet. Das verbessert nicht nur die Konservierung, sondern erweitert auch den Spenderpool. Gerade bei der Leber sei das ein enormer Fortschritt, zumal sie neben ihrer reinigenden Funktion auch viel für den Körper produziert, etwa Proteine und Gerinnungsfaktoren – ihre komplexen Aufgaben machen auch die Testung komplex. Doch „nach erfolgreicher Testung können auch Organe, die im ersten Moment nicht akzeptabel erscheinen, eingesetzt werden“, betont Sucher. Und das zeigt sich auch in den Zahlen, die sich in den letzten Jahren in Graz sehr dynamisch entwickelt haben. „In meinem ersten Jahr waren es 12, im Jahr 2024 dann 24 und 2025 bereits 36 Lebertransplantationen“, so Sucher. Das sei aber auch Ausdruck der Qualität der Abteilung, zumal Patient:innen frei wählen können, wo sie sich listen lassen. Nächste Schritte Die Forschung denkt jedoch bereits weiter: Der nächste Schritt wäre, Organe an der Maschine gezielt mit Medikamenten zu behandeln oder sogar mittels Stammzelltherapie zu regenerieren. Auch die robotisch assistierte Lebendspende zeigt, wie stark sich das Feld verändert. Was früher offen operiert wurde, erfolgt heute vielfach minimalinvasiv – schonender für Spender:innen und zunehmend auch für Empfänger:innen. Der „heilige Gral“ Bei aller chirurgischen Präzision bleibt das Kernproblem immunologisch. Wer mit einem Spenderorgan lebt, benötigt lebenslang Immunsuppression. „Der heilige Gral in der Transplantationschirurgie ist, dass man eine spenderspezifische Toleranz entwickelt“, sagt Sucher, „in der der Körper das transplantierte Organ akzeptiert, ohne dass das restliche Immunsystem dauerhaft unterdrückt werden muss.“ Im Labor gebe es dazu bereits vielversprechende Ansätze. So wird beispielsweise derzeit in Hannover daran geforscht, das zu transplantierende Organ immunologisch „unsichtbar“ zu machen. Das geht bei Schweinen schon sehr gut, bis zur Anwendung am Menschen ist aber noch einiges an Forschungsarbeit zu leisten. „Der heilige Gral in der Transplantationschirurgie ist, dass man eine spenderspezifische Toleranz entwickelt.“ Robert Sucher Leiter Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie

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