AERZTE Steiermark 06 2026

INTRA KONT A 6 ÆRZTE Steiermark || 06|2026 DEBATTE Horst Bischof Medizin und Technik: Gemeinsam Zukunft gestalten Die moderne Medizin ist ohne Technik nicht denkbar. Das wird besonders deutlich in der medizinischen Bildgebung: Artificial Intelligence (der bessere Begriff für künstliche Intelligenz) unterstützt schon heute entscheidend dabei, bessere MRT- und CT-Aufnahmen zu machen oder Auffälligkeiten in MRT- oder CT-Aufnahmen schneller und präziser zu erkennen und zu lokalisieren. Forscherinnen und Forscher an der TU Graz, wie etwa Thomas Pock oder Theresa Rienmüller, arbeiten gemeinsam mit Medizinerinnen und Medizinern an Verfahren, die Grundlagen für neue Therapieansätze legen, Diagnosen verbessern und Ärztinnen und Ärzte im klinischen Alltag entlasten. Ein weiteres Beispiel ist die HerPlacenta-Arbeitsgruppe am „Institute of Health Care Engineering“ der TU Graz, die gemeinsam mit klinischen Partnern neue Wege für ein besseres Verständnis der Plazenta erforscht und damit die Gesundheit von Mutter und Kind fördert. Solche Kooperationen zeigen, wie stark technische und medizinische Forschungen inzwischen miteinander verflochten sind. Innovation entsteht oft genau an diesen disziplinären Schnittstellen. Gemeinsame Initiativen wie BioTechMedGraz oder das neue CORI Institut für Stoffwechselforschung stehen exemplarisch für diese Entwicklung. Universitäten, Kliniken und Forschungseinrichtungen bündeln dort ihre Kompetenzen, um medizinische Innovationen schneller in die Anwendung zu bringen. Gerade Graz zeigt eindrucksvoll, wie ein eng vernetzter Wissenschaftsstandort internationale Strahlkraft entwickeln kann. Damit diese Kooperationen weiterhin erfolgreich bestehen können, sind stabile Rahmenbedingungen notwendig. Budgetkürzungen bei Universitäten und Forschungseinrichtungen würden genau jene Innovationskraft schwächen, die wir angesichts medizinischer Herausforderungen dringend benötigen. Eines ist klar, die Zukunft der Medizin ist interdisziplinär. Fortschritte in der Medizin entstehen nicht isoliert – sie entstehen dort, wo Menschen aus verschiedenen Fachrichtungen gemeinsam an Lösungen arbeiten und sich ihre Expertise gegenseitig beflügeln kann. Univ.-Prof. Horst Bischof Rektor der Technischen Universität Graz Gerhard Posch Sparen bei den Unis = Kürzung der Versorgung Die Kürzungen bei der Med Uni Graz, die derzeit im Raum stehen, werden direkt die Patient:innen treffen. Das muss klar ausgesprochen werden. Denn die Med Uni Graz ist kein akademischer Überbau, sie ist ein strukturell unverzichtbarer Teil des Systems. Kürzungen bei der Universität treffen deshalb die Patientenversorgung auf allen Ebenen: im Spital, in der Ordination und in der Versorgung im gesamten Bundesland. Dabei muss man sich Folgendes vor Augen halten: Der Dienstbetrieb an Universitätskliniken ist bereits jetzt angespannt, weitere Kürzungen gefährden schlichtweg seine Aufrechterhaltung und unsere Kolleg:innen am LKH arbeiten bereits an der Belastungsgrenze. Wer jetzt Stellen kürzt, kürzt nicht abstrakt, er kürzt die Versorgung am Bett, in der Nacht, im Notfall. Politische Hüftschüsse dieser Art sind absolut entbehrlich. Schauen wir lieber in die Spitäler und auf die Arbeitsbedingungen unserer Ärzt:innen, die dort Tag für Tag das System am Laufen halten. Ein großes Thema dort ist – wie in allen anderen Bereichen der Gesellschaft – die Teilzeitarbeit. In einer kürzlich durchgeführten Umfrage der Kurie Angestellte Ärzte zeigt sich ganz eindeutig: Bei dieser Form der Beschäftigung geht es um die dringend notwendige Vereinbarkeit. 52 Prozent nennen Kinderbetreuung und familiäre Verpflichtungen als Hauptgründe. Das ist verständlich, denn Kinderbetreuung und Spitalsdienstpläne sind häufig sonst nicht unter einen Hut zu bekommen. Betreuungseinrichtungen bzw. -plätze fehlen oder deren Öffnungszeiten sind nicht mit der Arbeit im Spital vereinbar. Doch Teilzeitarbeit ist längst gesellschaftliche Realität – es wird dringend Zeit, dass die Dienstgeber sich endlich an die Gegebenheiten anpassen. Dr. Gerhard Posch Obmann der Kurie Angestellte Ärzte Fotos: TU Graz - Lunghammer, Furgler

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