AERZTE Steiermark 06 2026

Volles Haus herrschte beim Symposium in der Ärztekammer Steiermark, zu dem Politik, Vetreter:innen von Gesundheitsinstitutionen, ÖGK und Ärzt:innen aus dem angestellten und niedergelassenen Bereich vor kurzem zusammengekommen sind. Der Befund: Die Tatsachen liegen auf dem Tisch und es ist allen bewusst, wo die Probleme liegen. Ebenso klar ist, dass für eine Verbesserung alle Beteiligten im Gesundheitssystem aktiv werden müssen. Patientenanwältin Michaela Wlattnig brachte die Perspektive der Patient:innen ein – „Patient:innen wollen an der Hand genommen werden.“ Sie machte deutlich, worum es im Kern geht: Die Patient:innen brauchen Orientierung, verlässliche Wege und ein funktionierendes Gesamtsystem. Die steirische Ärzteschaft versteht sich dabei nicht als Zuschauerin, sondern als aktive Plattform und Impulsgeberin. Wir bringen die relevanten Stimmen zusammen und arbeiten daran, dass die Pfade im System neu definiert werden, denn es reicht nicht, einzelne Maßnahmen zu setzen. Es braucht ein verschränktes Vorgehen, einen konsequenten Prozess und den gemeinsamen Willen, die Versorgung nachhaltig zu verbessern. Beim Symposium war diese Entschlossenheit spürbar: Es gibt keine einfachen Lösungen, aber es gibt eine gemeinsame Verantwortung. Als Ärzteschaft werden wir weiter vorangehen, den Finger in die Wunde legen und den Druck auf die Player erhöhen – für eine Stärkung des niedergelassenen Bereichs, für bessere Arbeitsbedingungen aller Ärzt:innen und vor allem für ein Gesundheitssystem, das Patient:innen Orientierung gibt. Denn nur wenn alle Ebenen des Systems zusammenspielen, kann echte Verbesserung gelingen. Die Herausforderungen sind bekannt – jetzt braucht es Konsequenz, Mut und Verbindlichkeit in der Umsetzung. Die steirische Ärzteschaft wird diesen Prozess weiterhin aktiv einfordern, begleiten und gestalten. Unser Anspruch ist klar: Wir wollen nicht nur darauf hinweisen, was nicht funktioniert, sondern gemeinsam jene Lösungen vorantreiben, die Ärzt:innen entlasten, Strukturen stärken und Patient:innen rasch, verständlich und verlässlich durch das Gesundheitssystem führen. Dr. Michael Sacherer Präsident der Ärztekammer Steiermark ÆRZTE Steiermark || 06|2026 7 Mit einer gebrandeten Straßenbahn und einem Wartehäuschen hat die Ärztekammer für Steiermark das Thema Patientenlenkung dorthin gebracht, wo es hingehört: mitten in den öffentlichen Raum. Wir wollen bewusst machen: Eine funktionierende Gesundheitsversorgung braucht nicht nur gute Strukturen, sondern auch Orientierung. Patient:innen müssen wissen, wohin sie sich mit welchen Beschwerden wenden können – rasch, verständlich und verlässlich. Dabei ist mir eines besonders wichtig: Es geht nicht um neue Hürden und schon gar nicht um Zugangsbeschränkungen zu Fachärzt:innen. Es geht um echte Patientenlenkung. Wir wollen mündige, gut informierte und „empowerte“ Patient:innen, die im Gesundheitssystem die richtige Anlaufstelle finden. Wer akut schwer erkrankt ist, gehört selbstverständlich in die Notaufnahme. Viele Beschwerden sind jedoch im niedergelassenen Bereich – sowohl bei unseren Hausärzt:innen als auch den Fachärzt:innen – besser, schneller und nachhaltiger versorgt. Dafür braucht es Vertrauensärzt:innen, die begleiten, einordnen und weiterhelfen. Und es braucht ein gemeinsames Verständnis: Die Ambulanzen sind für Notfälle da. Alles andere braucht klare Wege in den niedergelassenen Bereich. Genau darum geht es bei Patientenlenkung – nicht um Einschränkung, sondern um bessere Versorgung für alle. Eine effektive Patientenlenkung funktioniert nur im guten Zusammenspiel zwischen Hausärzt:innen und Fachärzt:innen. Hausärzt:innen sind oft die erste Anlaufstelle, ordnen Beschwerden ein und begleiten Patient:innen kontinuierlich. Fachärzt:innen sichern mit ihrer spezialisierten Expertise die gezielte Abklärung und Behandlung. Beides gehört zusammen: starke hausärztliche Versorgung und gut erreichbare fachärztliche Versorgung. So entsteht jene abgestimmte Versorgung, die Patient:innen und System brauchen. Vizepräsident Prof. Dr. Dietmar Bayer Obmann der Kurie Niedergelassene Ärzte EXTRA Dietmar Bayer Wir brauchen mündige Patient:innen STANDORTBESTIMMUNG Michael Sacherer Orientierung geben – Lösungen vorantreiben DEBATTE Fotos: Schiffer (2)

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjg3NzQ1MQ==