ÆRZTE Steiermark || 06|2026 9 COVER der medizinischen und pflegerischen Notwendigkeit. Patientenorientierung Statt von Patientenlenkung – „Wer lenkt wen wohin?“ – spricht Wlattnig von einer Patientenorientierung, die konsequent und transparent erfolgen müsse. Die Allgemeinmediziner:innen sieht sie dabei als Casemanager:innen. „Dafür brauchen sie natürlich ein Drittel mehr Zeit, wenn sie managen sollen, statt auf Anfrage Überweisungen auszustellen.“ Die oft langjährige Arzt-Patient-Beziehung ist ein Grund, warum es in der Allgemeinmedizin, bei den Hausärzt:innen wenige Beschwerden gebe: „Unsicherheiten entstehen bei medizinischen Laien bei der Einordnung von Symptomen und auch bei langen Wartezeiten auf Operationen. Da braucht es eine medizinische Auskunftsperson, die ihnen die Sorgen nimmt. Auch wenn Menschen unterschiedliche Auskünfte bekommen, ist das problematisch.“ Gebraucht würden außerdem gemeindenahe Vor- und Versorgungsstrukturen, betonte die Patientenanwältin. Niedergelassenen Bereich stärken Erich Schaflinger, Vorsitzender des Landessanitätsrats, wies bei der Veranstaltung vor allem auf einen Punkt hin: „Es hapert vor allem in der Primärversorgung, im niedergelassenen Bereich, zum Beispiel bei den Öffnungszeiten. Auch bei den Augenärzt:innen gib es sehr lange Wartezeiten und die Gynäkolog:innen sind überhaupt eine aussterbende Rasse … Es ist daher wichtig den niedergelassenen Bereich zu stärken.“ So passiere es immer öfter, dass die Ambulanzen überlaufen würden – mit Themen, die im niedergelassenen Bereich abgeklärt werden sollten. „Haben keinen Hausarzt“ Eva Fichtinger, Oberärztin am ZAM des LKH Klinikum Graz, kennt das Phänomen aus ihrem Alltag: „Ein Drittel der Patient:innen, die zu uns in die Notfallambulanz kommen, wären woanders besser aufgehoben, weil sie eigentlich nur reden wollen oder eher Hilfe bei der Pflege brauchen.“ Aber sie ortet auch ein anderes Problem: „Viele jüngere Menschen haben überhaupt keinen Hausarzt.“ Auch lange Wartezeiten beispielsweise auf orthopädische Untersuchungen oder Endoskopien sorgen für eine Druck auf die Ambulanzen: „Viele wollen früher drankommen, weil ihr Leidensdruck hoch ist.“ Fotos: Schiffer „Die Tatsachen liegen auf dem Tisch, es herrscht Einigkeit – nun müssen alle Player im System aktiv werden. Wir werden den Druck erhöhen, damit sich etwas bewegt.“ Michael Sacherer Präsident Ärztekammer für Steiermark „Bei denen, die zu uns Allgemeinmediziner:innen kommen, haben wir kein Problem mit der Lenkung, sondern bei denen, die nicht zu uns kommen.“ Beatrice Gruber Niedergelassene Allgemeinmedizinerin
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