AERZTE Steiermark 06 2026

COVER 10 ÆRZTE Steiermark || 06|2026 Akut-Slots und Oma-Wissen Die hausärztliche Perspektive brachte Beatrice Gruber, Kassenfachärztin für Allgemein- und Familienmedizin in Kirchberg an der Raab, ein: „Bei denen, die zu uns Allgemeinmediziner:innen kommen, haben wir kein Problem mit der Lenkung, sondern bei denen, die nicht zu uns kommen.“ Was sie sich konkret wünscht: Akut-Slots bei Fachärzt:innen für Überweisungen aus der Hausarztpraxis und mehr Gesundheitswissen in der Bevölkerung. Und sie wies auf einen Punkt hin, den auch Erich Schaflinger schon betont hatte: das fehlende Patientenwissen sei ein Thema. „Die Oma hat bei Fieber noch Essigpatscherl gemacht.“ Dieses „Oma-Wissen“ müsse weitergegeben werden, Erwachsene müssten in Gesundheitsfragen Vorbild sein. Wlattnig stimmte zu: „Wir haben es jetzt mit einer anderen Eltern-Generation zu tun. Als sechsfache Mutter liegt bei mir heute noch alles für Topfenwickel bei Sportverletzungen bereit. Aber bei der Elternkompetenz muss man auf jeden Fall auch ansetzen.“ Hausarztzentriert funktioniert Als 1. Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (ÖGAM) lieferte Stephanie Poggenburg den wissenschaftlichen Befund: „Wenn es richtig gemacht wird, funktioniert die hausarztzentrierte Versorgung perfekt. Die Patient:innen leben länger und sind gesünder, das sieht man an der Untersuchung in Baden-Württemberg. Und die Fachärzt:innen bekommen nicht weniger, aber besser sortierte Patient:innen. Es sollte der Output unseres Jobs sein – der Output und nicht das Ziel –, dass weniger Menschen ins Spital gehen. Schließlich ist es ja auch nicht der Wunsch der Patient:innen, in die Klinik zu gehen. Sie wollen nur eine Versorgung.“ Wo ansetzen – und wann? Am Ende des Symposiums stand eine konkrete Frage: An welcher Schraube würden die Diskutant:innen zuerst drehen, um in drei Jahren einen Effekt zu sehen? Eva Fichtinger nannte die hausärztliche Versorgung an Randzeiten, Erich Schaflinger ebenfalls die Stärkung des niedergelassenen Bereichs und betonte den großen Kostenunterschied zwischen der Versorgung im niedergelassenen Bereich und im Spital. Beatrice Gruber sieht einen wichtigen Punkt in der Verringerung der Verwaltungs- und Organisationsarbeit für Allgemeinmediziner:innen – „die Patient:innen könnten beispielsweise schon mit einem Termin aus dem Krankenhaus zurückkommen“. Und Michaela Wlattnig betonte, man müsse das System als Gesamtes flexibler denken und mehrere Bereiche wie Sozialarbeit in PVEs berücksichtigen, weil Ärzt:innen auch viele soziale Probleme sehen würden, die keine medizinischen Probleme seien. Foto: Schiffer „Ein Drittel der Patient:innen, die zu uns in die Notfallambulanz kommen, wären woanders besser aufgehoben.“ Eva Fichtinger Oberärztin am ZAM „Wir brauchen klare Versorgungspfade für notwendige medizinische Leistungen im Kassensystem und daneben das ,Nice to Have‘, das ,Wunschkonzert‘ als private Leistung.“ Michaela Wlattnig Patientenanwältin „Wege aus Sicht der Patient:innen“ Beim Symposium „Wege aus Sicht der Patient:innen“ der Ärztekammer für Steiermark diskutierte Präsident Michael Sacherer mit Michaela Wlattnig (PatientInnen- und Pflegeombudsschaft), Eva Fichtinger (OÄ ZAM), Beatrice Gruber (niedergelassene Allgemeinmedizinerin) und Erich Schaflinger (Vorsitzender des Landessanitätsrat).

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