Fotos: istock/Blue Planet Studio, Opern Foto KÜNSTLICHE INTELLIGENZ ÆRZTE Steiermark || 06|2026 11 Ersetzt die KI das ärztliche Gutachten? „Soweit ich informiert bin, machen einige Kollegen bereits Gutachten mit der KI“, sagt der Arzt Engelbert Wallenböck offen. Besonders bei standardisierten Fragestellungen – etwa in der privaten Unfallversicherung oder bei einfachen zivilgerichtlichen Verfahren – erscheine der Einsatz von KI auf den ersten Blick praktikabel. Schwieriger werde es jedoch dort, wo medizinische Komplexität, individuelle Krankheitsverläufe oder Behandlungsfehler beurteilt werden müssen. Nicht nur faktenbasierend Denn genau hier stößt Künstliche Intelligenz an ihre Grenzen. „Die Gefahr liegt auf der Hand: Die KI arbeitet nicht ausschließlich mit Fakten“, warnt Wallenböck. Ergebnisse seien abhängig davon, mit welchen Daten und Quellen die Systeme trainiert wurden. Zudem fehle jeder KI „jegliche soziale Kompetenz“ – ein Aspekt, der gerade bei sensiblen medizinischen und juristischen Fragestellungen wesentlich sei. Ein weiteres zentrales Problem sieht Wallenböck im Datenschutz. Wenn Befunde, Krankengeschichten oder personenbezogene Daten ungeprüft in KI-Systeme eingegeben werden, stellen sich erhebliche Fragen hinsichtlich Schweigepflicht und Datensicherheit. Gerade Sachverständige bewegen sich hier in einem besonders sensiblen Bereich. Werkzeug ja – Ersatz nein Trotz aller Risiken spricht sich Wallenböck nicht gegen den Einsatz von KI aus – im Gegenteil. „Was wir vermeiden wollen, ist, dass der oder die Sachverständige den Befund eingibt und das Gutachten von der KI ausspucken lässt.“ Verantwortungsbewusst eingesetzt könne KI aber ein „sinnvolles und dringend benötigtes Instrument zur Unterstützung“ sein. Der Hintergrund: Der Nachwuchs im Bereich der medizinischen Sachverständigentätigkeit fehlt massiv. Stockende Honorarverhandlungen und eine sinkende Bereitschaft junger Ärzt:innen Gutachtertätigkeiten zu übernehmen, verschärfen die Situation seit Jahren. Wallenböck nennt dazu eine alarmierende Zahl: „Das Durchschnittsalter der Sachverständigen in der Steiermark liegt bereits über 60 Jahren.“ Was gibt es zu beachten? Die Sorge, dass Gutachten künftig zunehmend automatisiert erstellt werden könnten, ist daher nicht unbegründet. Umso wichtiger ist die Auseinandersetzung mit den rechtlichen, ethischen und praktischen Grenzen der Technologie. Wie man Künstliche Intelligenz sinnvoll und verantwortungsvoll in medizinischen Gutachten nutzt, was bei Datenschutz und Schweigepflicht zu beachten ist, wie weit die Verantwortung des/der Sachverständigen reicht und wie man KI-generierte Gutachten erkennt, sind daher Themen, die im Seminar „Ersetzt die KI das ärztliche Gutachten?“ von Stefan Gradler, Alfred Tanczos und Engelbert Wallenböck eingehend behandelt und anhand von Fallbeispielen erläutert werden. Seminar „Ersetzt die KI das ärztliche Gutachten?“ 17. Juni, Konferenzraum des Sachverständigenverbands Steiermark und Kärnten Infos und Anmeldung: sv.co.at/veranstaltungen Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in die Gutachtenpraxis – mit Chancen, aber auch erheblichen Risiken. Sachverständiger Engelbert Wallenböck über den schmalen Grat zwischen sinnvollem Einsatz und gefährlicher Sorglosigkeit. „Was wir vermeiden wollen, ist, dass der Sachverständige den Befund eingibt und das Gutachten von der KI ausspucken lässt.“ Engelbert Wallenböck Sachverständiger und Facharzt für Unfallchirurgie
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