50 ÆRZTE Steiermark || 06|2026 NIEDERGELASSENE ÄRZTINNEN UND ÄRZTE Foto: lumoxx fotografie, Schiffer Der Wert einer Wahlarztordination ist ein zentraler Faktor bei der Übernahme. „Der Kaufmann kauft nicht die Vergangenheit, sondern stets die Zukunft“. Das ist bei der Unternehmensbewertung von zentraler Bedeutung, wobei sich bei Arztpraxen Besonderheiten ergeben. FRIEDRICH HIRSCHMANN UND CHRISTIAN LICKL Bei der Bewertung von Wahlarztpraxen ist vor allem zu berücksichtigen, dass der wirtschaftliche Erfolg stark an die Person der Ärztin bzw. des Arztes und die persönliche Patienten-Arzt-Beziehung gebunden ist. Im Vergleich zu Unternehmen sind berufsrechtliche Regulative, etwa Werbebeschränkungen und das Verbot marktschreierischen Auftretens, zu beachten. Wahlarztpraxen sind häufig kleiner strukturiert und regional tätig, wodurch Standort, Reputation und Patientenbindung eine besondere Rolle spielen. Auch zukünftige Entwicklungen im öffentlichen Gesundheitswesen können die Nachfrage und damit den Praxiswert wesentlich beeinflussen. Aus der Sicht des Übernehmers stellt sich primär die Frage seiner Handlungsalternativen: Soll er eine bestehende Praxis übernehmen und fortführen, oder kann er besser auf „der grünen Wiese“ eine komplett neue Ordination nach „seinen Wunschvorstellungen“ (neu) gründen? Werttreiber Wesentliche Werttreiber bei einer Wahlarztpraxis sind der Inventar- oder Substanzwert der zu übertragende Wirtschaftsgüter (z. B. Ultraschallgeräte), der Wert des Patientenstockes oder Firmenwert (ideeller Wert) und das Funktionieren des Betriebs. Üblicherweise wird der Substanzwert einer Ordination relativ einfach durch eine fachkundige Person (Sachverständiger oder Praxisausstatter) festgestellt, indem die übertragungsfähigen Wirtschaftsgüter zum Stichtag mit dem am Markt erzielbaren Wert bewertet werden. Der Wert des Patientenstocks ist hingegen nicht so einfach ermittelbar und hängt maßgeblich vom übertragungsfähigen Umsatzpotential ab. Nur wenn mit den vorhandenen Patient:innen auch in Zukunft ähnliche Umsatzerlöse generiert werden können, wird der Käufer/die Käuferin einer Ordination bereit sein, hierfür einen gewissen Wertbeitrag zu bezahlen. Ein funktionierender Betrieb mit funktionierender Infrastruktur hat auch einen gewissen Wert. Denn die bestehenden Mitarbeiter:innen kennen die Prozessabläufe auswendig, betreuen die vorhandenen Patienten genau so wie in der Vergangenheit gewünscht und können selbst die Ärzt:innen als Newcomer umfangreich unterstützen. In der Neugründungsvariante müsste man hingegen das Team erst aufbauen und Prozessabläufe erst reibungslos integrieren, dies kann kosten- und zeitintensiv sein. Bewertungssystematik Zur allgemeinen Herangehensweise zur Ermittlung des Firmenwerts: Der Wert einer Wahlarztpraxis hängt maßgeblich von den Handlungsalternativen eines Neugründers ab. Denn nur wenn man die zukünftigen Gewinnchancen sowie notwendigen Investitionserfordernisse einer Neugründung mit jenen einer Ordinationsübernahme vergleicht, kann man in einer Delta-Betrachtung den Wert einer Ordinationsübernahme fair berechnen. Vereinfacht gesagt schaut man sich den Grenznutzen aus der Ordinationsübernahme an. Man fragt also: • Welche Investitionskosten erspare ich mir bei Ordinationsübernahme? • Welche „Übergewinne“ erziele ich durch die Ordinationsübernahme im Vergleich zur Neugründung? Diese Betrachtungsweise betrifft üblicherweise einen Zeithorizont von bis zu 5 Jahren, da man unterstellt, dass ein Neugründer spätestens nach 5 Jahren den Status Quo eines Ordinationsübergebers erreicht hat und sich der Nutzen aus der Ordinationsübernahme – auch insbesondere durch das Zutun des übernehmenden Arztes – verflüchtigt. Welcher Kaufpreis für die Ordinationsübernahme bezahlt wird, ist Angebot und Nachfrage sowie dem Verhandlungsgeschick geschuldet. „Bei der Bewertung berücksichtigen: Der wirtschaftliche Erfolg ist stark an die Person der Ärztin/des Arztes und die Patienten-Arzt-Beziehung gebunden.“ Christian Lickl Stv. Kurienobmann „Welcher Kaufpreis für die Ordinationsübernahme bezahlt wird, ist Angebot und Nachfrage sowie dem Verhandlungsgeschick geschuldet.“ Friedrich Hirschmann
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