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Krank am Leib und Seele Pressegespräch zur 1. Grazer
psychiatrisch-psychosomatischen Tagung

19. Jänner 2005

„Erste Grazer psychiatrisch-psychosomatische Tagung: Psychosomatik in bestehende Strukturen einbinden
Rund 300 Ärztinnen und Ärzte aus dem niedergelassenen und Spitalsbereich aber zu einem guten Teil auch Angehörige anderer medizinischer Berufe nehmen vom 20. bis 22. Jänner an der 1. Grazer psychiatrisch-psychosomatischen Tagung teil.

„Psychsomatik ist ein wesentlicher Schwerpunkt der psychiatrischen Gesamtversorgung“, sagte der steirische Ärztekammerpräsident Dietmar Bayer am Mittwoch bei einem Pressegespräch. Rund 20 Prozent der Patientinnen und Patienten, die einen Hausarzt aufsuchen, seien von psychosomatischen Störungen betroffen, bei Spitalspatientinnen und -patienten schwanken die Schätzungen zwischen 10 und 40 Prozent. Bayer: „Angesicht dieser Zahlen ist es wesentlich, dass Psychosomatik einen angemessenen Platz im Rahmen des psychiatrischen Gesamtangebots hat.“ Kritisch beurteilt Bayer Tendenzen, „eigene Reservate für die Psychosomatik zu schaffen, statt sie in die bestehenden Strukturen einzubinden.“

Der steirische Ärztekammerpräsident wies darauf hin, dass die Kooperation von vier Kliniken und Abteilungen ebenso ein Beweis dafür sei, welch großen Stellenwert die steirischen Ärzte dem Thema Psychosomatik geben, wie die Teilnahme von Spitalsärzten unterschiedlicher Fachrichtungen und niedergelassenen Ärzten zeigt: „Psychosomatik ist ein wichtiges gemeinsames Thema“. Und der bereits seit 60 Jahren geprägte Satz „Die Psychosomatik schenkt nicht dem Körper weniger, sondern der Seele mehr Beachtung“ sei auch heute noch aktuell.

Alle körperlichen Erkrankungen können durch
psychosoziale Faktoren beeinflusst werden
Auf die Bedeutung der Psychosomatik für die gesamte Medizin wies der Ärztliche Leiter der Landesnervenklinik, Rainer Danzinger hin: „Moderne Forschungsergebnisse belegen, dass alle körperlichen Erkrankungen in ihrer Entstehung, Auslösung und Aufrechterhaltung maßgeblich durch psychosoziale Faktoren beeinflusst werden können“. Zwei Patientengruppen stehen im Mittelpunkt: Jene, die zusätzlich zu einem klaren organischen zusätzlich ein psychiatrisches Krankheitsbild entwickeln und jene, die über körperliche Beschwerden klagen, ohne dass dafür eine begründete medizinische Ursache diagnostiziert werden kann.

Bei der ersten Patientengruppe sei bedingt durch die psychiatrische Störung auch die Schwere der organischen Erkrankung in der Regel höher als bei jenen, die nur ein organisches Leiden haben.

Bei der zweiten Patientengruppe sei dagegen vor allem ein schwierigeres Arzt-Patienten-Verhältnis feststellbar. „Die Folge sind oft wiederholte Kontaktabbrüche und frustrane Behandlungsversuche, chronische Verläufe und enorme sozioökonomische Kosten“, so Danzinger.

Wechselwirkungen zwischen körperlichen und seelischen Leiden
Auf das komplexe Zusammenwirken körperlicher und seelischer Leiden, wies der Vorstand der Universitätsklinik für Psychiatrie Hans-Peter Kapfhammer hin. Dabei seien fünf mögliche Wechselwirkungen zu unterscheiden.

Psychische Störungen bzw. Belastungen erweisen sich als Komplikationen vorliegender körperlicher Krankheiten (z.B. postoperative Verwirrtheit, depressiv-ängstliche Reaktionen bei somatischen Erkrankungen).

Körperliche Erkrankungen erweisen sich als Komplikationen psychischer Störungen (z.B. Polytraumata nach Suizidversuchen, selbst schädigende Verhaltensweisen bei Persönlichkeitsstörungen)

Psychische Störungen und körperliche Erkrankungen sind als zufällig koinzident einzustufen, können aber zu wechselseitigen Komplikationen führen (z.B. schizophrener Patient, der an Diabetes mellitus leidet).

Wiederkehrende körperliche Beschwerden ohne relevante organpathologische Begründung, sog. „Somatisierungssyndrome“ (z.B. somatoforme Störungen, somatisierte Angst- und somatisierte depressive Störungen).

Bedeutsame psychologische Faktoren (z.B. Persönlichkeitsstruktur) beeinflussen körperliche Erkrankungen oder bestimmen ein besonderes Krankheitsverhalten (z.B. ausgeprägte Leugnungshaltung gegenüber einer malignen Erkrankung).

Vernetzte Versorgung
Die Bedeutung einer „vernetzten Versorgung“ betonte Peter Stix, Leiter der gemeinsamen Einrichtung für Klinische Psychomatik am LKH-Universätsklinikum Graz. Die Spitzenversorgung an den Kliniken und die Versorgung durch niedergelassene Fachärzte für Psychiatrie sowie die Hausärzte müsse in Form einer engen Kooperation stattfinden. Wesentlich sei auch, dass die Psychosomatik in der neuen Ausbildung der Medizinischen Universität Graz einen höheren Stellenwert bekommen habe. Dass rund 175 Ärzte in der Steiermark die ÖÄK-Diplome „Psychosomatische Medizin“ oder „Psychotherapeutische Medizin“ besitzen sei ebenfalls ein Hinweis, „dass die Ärzteschaft sich im Bereich Psychosomatik stark engagiert“. Letztlich sei dies auch ein Beweis dafür, dass die Psychosomatik nicht losgelöst von einem Fach, sondern als wesentliches, integratives Element zu betrachten sei.

Ihre Gesprächspartner
Dr. Dietmar Bayer, Präsident der Ärztekammer Steiermark
Prim. Univ.-Prof. Dr. Rainer Danzinger, Landesnervenklinik Sigmund Freud
Univ.-Prof. DDr. Hans-Peter Kapfhammer, Universitätsklinik für Psychiatrie
Univ.-Prof. Dr. Peter Stix, Univ.Klinik für Medizinische Psychologie und Psychotherapie


Nähere Informationen:
Pressekoordination Martin Novak,
Telefon (0316) 8044-45 oder
0664 40 48 123
8011 Graz, Kaiserfeldgasse 29, Tel. 0316/8044-0,
Fax 0316/81 56 71, Postfach 162
E-mail: presse@aekstmk.or.at
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