30. April 2026
 

Ärztekammer Steiermark setzt Zeichen im öffentlichen Raum Relevanz der Patientenlenkung sichtbar machen

Die Ärztekammer für Steiermark macht das Thema Patientenlenkung dort sichtbar, wo täglich tausende Menschen unterwegs sind: im öffentlichen Raum. Mit einer gebrandeten Straßenbahn sowie einem Wartehäuschen am Südtiroler Platz setzt die Ärztekammer einen weiteren Impuls, um auf den dringenden Handlungsbedarf im Gesundheitssystem hinzuweisen.

„Wir brauchen einen klaren Fahrplan für die Zukunft der Gesundheitsversorgung und mehr Orientierung für die Patient:innen“, betont Dr. Michael Sacherer, Präsident der Ärztekammer für Steiermark, anlässlich der ersten Fahrt mit der neuen Straßenbahn zur Patientenlenkung. „Wir werden bei diesem Thema nicht Passagier sein. Die Patientenlenkung ist zu zentral für die Stabilität unseres Gesundheitssystems“, so Sacherer weiter.

Mit der Initiative trägt die Ärztekammer das Thema bewusst in die Öffentlichkeit. Sie versteht sich dabei als Impulsgeberin und als Plattform für eine offene Diskussion. Zugleich richtet sie einen klaren Appell an die Politik, endlich tragfähige Lösungen auf Schiene zu bringen.

Gesundheitssystem überfordert

Auch die Kurienobmänner der Ärztekammer unterstreichen die Bedeutung des Themas. Prof. Dr. Dietmar Bayer, Kurienobmann der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, betont: „Eine Straßenbahn löst noch kein Strukturproblem. Aber sie bringt ein zentrales Thema dorthin, wo es hingehört: mitten in die Öffentlichkeit. Patientenlenkung bedeutet Orientierung, Verlässlichkeit und klare Wege durch das Gesundheitssystem. Genau das fehlt derzeit.“

Volle Aufmerksamkeit für Notfälle

Dr. Gerhard Posch, Kurienobmann der angestellten Ärztinnen und Ärzte, verweist auf die konkrete Belastung in den Spitalsambulanzen: „Die Ambulanz darf nicht zur universellen Eingangstür des Gesundheitssystems werden. Wir Ärztinnen und Ärzte schicken niemanden weg – aber wir brauchen eine verbindliche Patientenlenkung, die Menschen rechtzeitig den richtigen Weg zeigt. Denn echte Notfälle brauchen unsere volle Aufmerksamkeit. Die Notaufnahme darf kein Navigationsfehler im Gesundheitssystem sein.“

1. Station Hausarzt, 2. Station Fachärztin

Die Botschaften der Kampagne bringen diese Anliegen bewusst niederschwellig auf den Punkt: „1. Station Hausarzt, 2. Station Fachärztin“ verweist darauf, dass dem niedergelassenen Bereich in der Patientenlenkung eine zentrale Rolle zukommt. Erste Anlaufstelle sollten in der Regel die Hausärzt:innen sein. Die Frage „Bin ich ein Notfall?“ wiederum macht deutlich, dass verbindliche Patientenlenkung auch die Ärzt:innen in den Ambulanzen entlasten und unnötige Wartezeiten verhindern kann.

Gesundheitskompetenz der Bevölkerung steigern

Klar ist aber auch: Eine einzelne Maßnahme wird nicht ausreichen, um rasch eine grundlegende Veränderung zu erzielen. Vielmehr braucht es ein Bündel an Maßnahmen, um wirksame Hebel in Bewegung zu setzen. Ein wesentlicher Knackpunkt ist dabei die mangelnde Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung. Deshalb müsse unter anderem bei der Gesundheitsbildung von klein auf angesetzt werden, appelliert die Ärztekammer an die Politik.

Weiter diskutiert wird das Thema am 11. Mai beim „Symposium zur Patientenlenkung“ in der Ärztekammer für Steiermark. Dabei bringen unter anderem Michaela Wlattnig, Leiterin der PatientInnen- und Pflegeombudschaft, Eva Fichtinger, Oberärztin am ZAM des LKH Klinikum Graz, und Erich Schaflinger, Vorsitzender des Landessanitätsrats, ihre Perspektiven in die Diskussion ein.

 

Foto: Schiffer / Ärztekammer Steiermark