6. März 2026
Steirische Ärzteschaft: Patientenlenkung ja – aber ärztliche Leistungen gehören in ärztliche Versorgung
Das Pilotprojekt „Apo-Doc“ der Österreichischen Apothekerkammer sehen die Vertreter der steirischen Ärzteschaft, Präsident Michael Sacherer und Prof. Dietmar Bayer, Vizepräsident der Ärztekammer für Steiermark und Obmann der Kurie Niedergelassene Ärzte, kritisch. „Telemedizin ist wichtig – sofern sie ärztlich verantwortet ist, qualitativ abgesichert und in bestehende Versorgungsstrukturen integriert wird“, so Sacherer. „Versorgung braucht Verantwortung, nicht Show-Effekte. Medizin ist kein Zusatzservice im Verkaufsraum.“
„Patientenlenkung und Entlastung der Spitalsambulanzen sind dringend notwendig. Aber wer glaubt, ärztliche Versorgung in Apotheken verlagern zu können, verkauft eine Scheinlösung“, sagt Bayer. „Verkaufsräume sind kein Behandlungszimmer. Punkt.“
Gerade die von der Apothekerkammer genannten „Randzeiten“ seien in der Steiermark bereits durch ärztliche Strukturen abgedeckt: Am Freitag-Nachmittag haben 131 Kassenärztinnen und -ärzte für Allgemeinmedizin und Familienmedizin sowie viele Dutzende Wahlärztinnen und -ärzte für Allgemeinmedizin und Familienmedizin geöffnet, am Samstag-Vormittag 32 Kassenstellen und zig Wahlärztinnen und -ärzte, sowie viele Bereitschaftsdienstordinationen und Visitendienste weit über die Apotheken-Öffnungszeiten hinaus bis 23 Uhr. „Es gibt Versorgung – was wir brauchen, ist Qualität, Kontinuität und klare Zuständigkeit. Stärken wir unsere Hausärztinnen und Hausärzte“, so Sacherer. Telemedizin hat ihren Platz – in der ärztlichen Versorgung, mit Dokumentation, Nachvollziehbarkeit und Verantwortung.
„Diagnostik, Therapieentscheidung und ärztliche Beratung sind Kernaufgaben der Medizin. Das gehört in die Ordination – nicht in ein Apotheken-Setting mit fremden Abläufen“, betont Bayer. „Was ist die nächste Idee: das Arztgespräch an der Wurst- und Käse-Theke im Supermarkt?“
Zudem werfe das Modell ungeklärte Rechtsfragen auf: „Hier wird in den Behandlungsvertrag eingegriffen – Haftung, Dokumentation und Verantwortlichkeiten sind offen.“ Unklar bleibe außerdem, nach welchen Kriterien Kassenrezepte in diesem Rahmen ausgestellt werden – und wie das eine nachfolgende, kontinuierliche Behandlung in Ordinationen unterstützen soll.
Die Ärztekammer Steiermark appelliert, Patientenlenkung gemeinsam, strukturiert und mit klaren Rollen weiterzuentwickeln: „Mehr Steuerung in die richtige Versorgungsebene – ja. Aber mit Qualitätssicherung und ohne Insellösungen, die am Ende Ressourcen binden statt entlasten. Wir wollen die Struktur verbessern, nicht mit Insellösungen kaputtorganisieren“, so die Vertreter.