3. März 2026
 

SPÖ-Vorschlag zu Wahlarzthonoraren:

„Populismus heilt keine Patienten“

Die Diskussion über eine staatliche Deckelung von Wahlarzthonoraren stößt in der steirischen Ärzteschaft auf klare Ablehnung. Für Ärztekammer-Präsident Dr. Michael Sacherer, Prof. Dr. Dietmar Bayer, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Steiermark, sowie Dr. Christian Lickl, 2. Stellvertreter der Kurie niedergelassene Ärzte, ist der Vorstoß eine Idee aus der wirtschaftspolitischen Mottenkiste.

Hochqualifizierte Medizin ist keine Notlösung

Wahlärzte sind keineswegs eine „Notlösung“, wie es derzeit von manchen Proponenten fälschlich dargestellt wird. Vielmehr bieten sie hochqualitative Medizin mit Zeit und modernen Leistungen. „Die Menschen gehen nicht aus Verzweiflung in Wahlarztpraxen, sondern weil dort hervorragende Arbeit geleistet wird“, betont Ärztekammer-Präsident Michael Sacherer. „Wahlärztinnen und Wahlärzte übernehmen täglich eine erhebliche Zahl an Patientenkontakten, die im Kassensystem derzeit nicht zeitnah abzudecken wären und entlasten so das System. Eine Deckelung würde das Angebot reduzieren und Wartezeiten weiter verlängern“, zeigt Sacherer auf. Zudem tragen Wahlärztinnen und Wahlärzte das volle unternehmerische Risiko – von Personal- und Mietkosten bis zu Investitionen in moderne Diagnostik.

Mottenkiste statt Reform

„Wer in funktionierende freiberufliche Strukturen mit staatlichen Preislimits eingreift, hat aus den Erfahrungen vergangener Staatssysteme offenbar nichts gelernt“, betont Bayer. „Die Politik soll sich ganz rasch wieder von der Idee verabschieden, planwirtschaftlich in gut funktionierende ärztliche Versorgungsstrukturen wie das Wahlarztsystem einzugreifen.“

Die Diskussion solle einmal mehr von verschleppten Strukturreformen ablenken, stellen die Experten klar.
„Die Wahlarztpraxen sind Ergebnis von zu wenigen Kassenstellen, unattraktiven Rahmenbedingungen und wachsender Bürokratie. Das ist seit langen bekannt. Wer jetzt Honorare deckeln will, bekämpft nicht die Ursache, sondern gefährdet jene, die Versorgung aufrechterhalten.“ so Bayer.

Versorgung sichern statt Strukturen schwächen

Die steigende Nachfrage sei ein klares Signal struktureller Defizite, sagt Lickl: „Wenn man wirklich Kosten senken will, muss man das Kassensystem stärken – nicht funktionierende Versorgungsbereiche schwächen. Auch der Auslöser der Diskussion ist zu hinterfragen – derzeit liegen uns keine Beschwerden über die Höhe von Wahlarzthonoraren vor“, relativiert Lickl. „Eine staatliche Preisbremse bedeutet nichts anderes als einen massiven Eingriff in die ärztliche Freiberuflichkeit und eine schleichende Entwertung medizinischer Leistungen“, so Lickl.
 

Alle drei fordern statt Symbolpolitik:

  • eine rasche Attraktivierung von Kassenstellen,
  • kostendeckende Kassentarife,
  • spürbaren Bürokratieabbau,
  • moderne und flexible Versorgungsmodelle.
     

Gesundheitspolitik braucht Substanz statt Schlagzeilen. Wer ernsthaft Versorgung sichern will, muss Rahmenbedingungen verbessern – nicht Preise diktieren. Populismus heilt keine Patienten“, so die Vertreter der Ärzteschaft abschließend.