04.11.2026
Wer Medikamente verkauft, ist noch kein Arzt
Die Debatte über das Impfen in Apotheken wird zum Einfallstor für mehr. Gefordert werden inzwischen Notfallkompetenzen, Prävention, Impfberatung und die Betreuung chronisch Kranker durch Apotheken. Der Vizepräsident der Ärztekammer für Steiermark, Kurienobmann Prof. Dr. Dietmar Bayer warnt eindringlich: Hier soll ärztliche Verantwortung an Berufsgruppen verschoben werden, die dafür nicht ausgebildet sind.
„Wer keine ärztliche Ausbildung hat, muss die Hände von ärztlicher Tätigkeit lassen“, stellt Prof. Dietmar Bayer, Vizepräsident der Ärztekammer für Steiermark und Obmann der Kurie Niedergelassene Ärzte, klar. „Aus gutem Grund darf niemand seine Elektroinstallation vom Verkäufer im Baumarkt machen lassen, nur weil dieser Kabel und Draht verkauft.“
Eine Impfung ist mehr als ein Stich in den Oberarm. Dazu gehören Anamnese, Abklärung von Vorerkrankungen und Wechselwirkungen, Aufklärung über Risiken und die Fähigkeit, im Ernstfall eine allergische Reaktion sofort zu beherrschen. „Das ist ärztliche Kernkompetenz, erworben in Studium und jahrelanger Ausbildung. Ein Wochenendkurs ersetzt das nicht“, so Bayer.
Noch deutlicher wird die Grenzüberschreitung bei den weiteren Forderungen. Notfallmedizin, Prävention und die Betreuung chronisch Kranker setzen Diagnose, Verlaufskontrolle und Therapieentscheidungen voraus. „Gerade chronisch kranke Menschen brauchen eine Ärztin oder einen Arzt, die oder der ihre gesamte Krankengeschichte kennt. Eine Versorgung in Einzelteilen, verteilt über Ladentische, ist für sie ein Risiko“, warnt Bayer.
Die steirische Ärzteschaft schätzt die Apotheken als wichtige Partner bei Arzneimittelsicherheit und Beratung zu Medikamenten. Genau dort liegt ihre Expertise. Den Mangel an Hausärztinnen und Hausärzten löst man nicht, indem man ärztliche Aufgaben an andere Berufe abgibt. „Wer die Versorgung sichern will, muss die Allgemeinmedizin stärken und Kassenstellen attraktiv machen. Alles andere ist Medizin zum Diskontpreis und führt nicht zu besserer Patientenversorgung“, so Bayer.