16.10.2026

 

OP-Wartelisten in der Steiermark: Dringlichkeit statt Brieftasche

Eine IHS-Studie im Auftrag der Arbeiterkammer Oberösterreich hat eine Debatte über Vorreihungen bei geplanten Operationen ausgelöst. Die Steiermark ist bei der Organisation der Reihungen Vorreiter: Die Wartelisten der KAGes sind nach medizinischer Dringlichkeit gegliedert, die Sonderklasse ist gesondert ausgewiesen. Die Studie selbst bescheinigt der Steiermark die präziseste Darstellung im Bundesvergleich. Handlungsbedarf sieht die Steirische Ärzteschaft bei den Kapazitäten.

„Wann operiert wird, entscheidet die medizinische Dringlichkeit. Nicht die Versicherung, nicht die Brieftasche“, stellt Ärztekammer-Präsident Michael Sacherer klar. Die Steiermark habe dafür ein nachvollziehbares System. Patientinnen und Patienten werden Dringlichkeitsstufen zugeordnet, jede Stufe hat ihre eigene Warteliste. Veröffentlicht wird auch, wie viele Menschen warten und wie viele davon in der Sonderklasse sind. „Wer offenlegt, ist überprüfbar. Das schafft Vertrauen“, so Sacherer.

Die Arbeiterkammer-Studie beruht auf einer Online-Befragung, für die die Arbeiterkammer Oberösterreich über ihre eigenen Kanäle beworben hat. Mehr als 90 Prozent der Befragten leben in Oberösterreich, weniger als ein Prozent in der Steiermark. „Die Ergebnisse sorgen für Aufmerksamkeit. Auf die Steiermark übertragen lassen sie sich nicht. Und gegen Generalverdächtigung sprechen wir uns klar aus“, sagt Sacherer.

Herausforderungen gibt es auch in der Steiermark, aber aus anderen Gründen. „Die Steiermark hat in den vergangenen Jahren die Rahmenbedingungen für Ärztinnen und Ärzten in den Spitälern unter aktiver Einbindung der Ärztekammer deutlich verbessert. Heute ist der Großteil der ärztlichen Dienstposten besetzt“, betont Gerhard Posch, Obmann der Kurie Angestellte Ärzte. Trotzdem warten Patientinnen und Patienten beispielsweise auf ein neues Kniegelenk derzeit im Schnitt zwischen 30 und 47 Wochen. „Für Menschen mit Schmerzen ist das zu lang. Wartezeiten entstehen dort, wo OP-Kapazitäten fehlen, nicht durch die Sonderklasse“, stellt Posch fest.

Sacherer: „Der steirische Zugang ist klar: Wer zahlt, kommt nicht früher dran. Wessen Beschwerden dringlicher sind, der schon.“