29. Juli 2026
 

Bestehendes System modernisieren statt Parallelstrukturen schaffen

Die Pläne der Österreichischen Gesundheitskasse, eigene Facharztzentren aufzubauen, gehen aus Sicht der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in die falsche Richtung. Bevor neue Strukturen geschaffen werden, muss das bestehende Versorgungssystem erst auf den Stand der Zeit gebracht werden. Das wäre wirkungsvoller, effizienter und rascher umsetzbar.

Bewährte Struktur

„Mit den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten verfügt Österreich bereits über ein starkes, wohnortnahes und bewährtes Instrument der Patientenversorgung“, erklärt Prof. Dr. Dietmar Bayer, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte in der Ärztekammer für Steiermark. „Der Wille und die Kompetenz, die Patientinnen und Patienten bestmöglich zu versorgen, sind vorhanden. Die ÖGK muss die Voraussetzungen schaffen, damit dieses Potenzial auch tatsächlich genutzt werden kann.“

Kontraproduktive Beschränkungen

Leistungsdeckel, Fallzahlbegrenzungen, Honorarlimits und überbordende Bürokratie schwächen die Ordinationen und erschweren die medizinische Versorgung. Aufgabe der ÖGK ist es, ärztliche Leistungen zu ermöglichen, statt sie durch künstliche Vorgaben einzuschränken. Auch jetzt schon wären Zusammenschlüsse von Fachärztinnen und Fachärzten im Sinne von Facharztzentren als multicolore Gruppenpraxen möglich, es fehlt aber an Umsetzungswillen der Kassen.

Neue Struktur ist altes Denken

„Nun aber neue Parallelstrukturen - wie aktuell in Form von durch die ÖGK finanzierten Spitalsambulanzen - aufzubauen, ist altes Denken“, betont Bayer. „Wer die Versorgung verbessern will, sollte zuerst das bestehende System modernisieren, Hindernisse beseitigen und jene unterstützen, die bereits heute flächendeckend für die Bevölkerung da sind.“

Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte fordern daher attraktive Kassenverträge, leistungsgerechte Honorare, weniger Bürokratie und ein Ende künstlicher Leistungsbegrenzungen. Dazu gehört auch die Ermöglichung von multicoloren Gruppenpraxen. „Die nötigen Strukturen und die fachliche Kompetenz sind vorhanden. Jetzt liegt es an der ÖGK, zeitgemäße und vor allem attraktive Bedingungen und Honorierungen zu schaffen, damit sie ihre volle Wirkung für die Patientinnen und Patienten entfalten können“, so Bayer abschließend.