3. Juli 2026

Gesundheitsreform: Versorgung vor Ort stärken

Die steirische Ärzteschaft fordert die verbindliche Einbindung der ärztlichen Expertise, eine Stärkung der wohnortnahen Versorgung und wirksame Entlastung für Spitäler und Ambulanzen.

Die steirische Ärzteschaft hält eine Weiterentwicklung des Gesundheitssystems für notwendig, warnt aber davor, die Reform an der medizinischen Praxis vorbei zu planen. Wer Versorgung verbessern will, muss jene einbinden, die sie täglich leisten: Ärztinnen und Ärzte in Ordinationen, Ambulanzen und Spitälern. Die Ärztekammern bündeln diese Expertise und müssen daher in die weiteren Reformschritte verbindlich eingebunden werden. Entscheidend ist kein Entweder-oder zwischen Einzelordination, Gruppenpraxis, neuen Kooperationsformen und Primärversorgungseinheiten. „Die Steiermark braucht einen starken, regional passenden Mix. Bestehende Strukturen dürfen nicht gegen neue Versorgungsformen ausgespielt werden. Maßgeblich ist, was vor Ort funktioniert und die Versorgung der Patientinnen und Patienten verbessert.“ erklärt Prof. Dr. Dietmar, Vizepräsident und Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte.

„Die Einzelordination ist kein Auslaufmodell, sondern der Grundbaustein der wohnortnahen Versorgung. Wer die freiberuflich niedergelassene Medizin schwächt, verlängert Wege, überlastet Ambulanzen und gefährdet die Arzt-Patienten-Beziehung“, betont Bayer. „Wir brauchen mehr Versorgung, nicht mehr Schlagworte. Die geplante Flexibilisierung der Kassenverträge ist ein wichtiger Schritt, sie muss aber so umgesetzt werden, dass sie Ärztinnen und Ärzten tatsächlich mehr Gestaltungsspielraum gibt.“

Auch im Spitalsbereich brauche es rasch spürbare Verbesserungen. „Unsere Ambulanzen sind am Anschlag. Wenn Reformen wirksam sein sollen, müssen sie auch zu einer echten Entlastung in den Spitälern führen“, sagt Dr. Gerhard Posch, Vizepräsident und Kurienobmann der angestellten Ärzte. „Dafür braucht es Maßnahmen, die im Spitalsalltag tatsächlich spürbar werden: eine stärkere Versorgung außerhalb des Spitals, bessere Steuerung der Patientinnen und Patienten und weniger vermeidbare Belastung in den Ambulanzen. Sonst bleibt der Druck weiter beim Personal hängen.“ 

Die Ärztekammer Steiermark fordert daher die verbindliche Einbindung der Ärztinnen und Ärzte in alle weiteren Reformschritte, die Stärkung des niedergelassenen Bereichs, flexible Kassenmodelle, und Entlastung für die Spitäler.

„Die Ärzteschaft ist bereit, Reformen konstruktiv mitzutragen. Aber sie muss Teil der Lösung sein und nicht erst dann gefragt werden, wenn die Umsetzung bereits feststeht“, so die beiden Ärztevertreter.