AERZTE Steiermark 09/2026

 

Richtiger Einsatz von KI-Tools in Ordinationen: Do‘s and Don’ts

Künstliche Intelligenz verändert die Kommunikation im medizinischen Alltag, doch längst nicht jede:r kennt die rechtlichen Spielregeln dazu.

Künstliche Intelligenz (KI) verändert längst auch den Alltag in der Ordination – oft leiser und schneller, als viele bemerken. Künstliche Intelligenz ist längst in vielen österreichischen Ordinationen angekommen, doch der verantwortungsvolle Umgang damit ist noch nicht überall selbstverständlich. Eine Umfrage der Ärztekammer Steiermark (Juni 2025; n = 135, veröffentlicht in AERZTE Steiermark 07/2025, S. 5) zeigt: 56,3 %

der befragten Ärzt:innen setzen bereits KI-Anwendungen ein. Gleichzeitig haben laut Statistik Austria (2025) 73 % der Österreicher:innen kaum Wissen über Künstliche Intelligenz. Umso wichtiger ist es, sich mit den Möglichkeiten, aber auch mit den Grenzen dieser Technologie auseinanderzusetzen.

Fragen Sie sich daher selbst: „Was würde ich tun, wenn ein KI-generierter Arztbrief Fehler enthält oder wenn Daten von Patient:innen in falsche Hände geraten?“

Do‘s: Die wichtigsten Grundregeln

Prüfen Sie jedes KI-Ergebnis persönlich! Texte wie Arztbriefe oder Diagnosehinweise, die von KI erstellt werden, können eine hilfreiche Unterstützung sein, ersetzen aber nicht Ihre fachliche Einschätzung. Sie tragen die Verantwortung für den Inhalt! Deswegen müssen Sie die Texte immer kritisch lesen, bei Bedarf Anpassungen vornehmen und sie erst danach freigeben.

Wählen Sie ausschließlich KI-Anbieter, die Datenschutz und Sicherheit garantieren. Achten Sie darauf, dass der KI-Anbieter geeignete technische und organisatorische Maßnahmen nachweisen kann, um die Verarbeitung sensibler Daten nach DVSGO abzusichern. Eine hilfreiche Orientierung bietet die KI-Servicestelle der RTR, die kostenlose Informationen und Orientierungshilfen zum EU AI Act und DVSGO bereitstellt.

Bilden Sie sich und Ihr Team fort. Sorgen Sie dafür, dass Sie und Ihre Mitarbeiter:innen über grundlegende Kenntnisse im Umgang mit KI verfügen. Regelmäßige Schulungen zu Themen wie Datenschutz, sichere Nutzung und typische Fehlerquellen können dabei helfen, KI sicher und sinnvoll einzusetzen.

Don‘ts: Typische Fehler und wie sie sich vermeiden lassen

Geben Sie niemals Daten von Patient:innen in öffentliche Chatbots ein! Vermeiden Sie es unbedingt, Namen, Geburtsdaten, Adressen oder detaillierte Falldarstellungen, durch die eine Person erkennbar wird, in Tools wie ChatGPT, Claude oder ähnliche Anwendungen einzugeben. Dies ist datenschutzrechtlich unzulässig und sehr problematisch.

Allgemeine medizinische Fragen, etwa zur Formulierung eines Arztbriefes zu einem bestimmten Krankheitsbild, sind davon zu unterscheiden und durchaus möglich.

Übernehmen Sie niemals ungeprüfte KI-Texte. KI kann sprachlich überzeugende, aber inhaltlich falsche Aussagen liefern. Übernehmen Sie daher keine Texte in Ihre Dokumentation, ohne sie zuvor selbst geprüft und freigegeben zu haben.

Vernachlässigen Sie nicht die zwischenmenschliche Ebene. KI kann administrative Aufgaben unterstützen, etwa bei der Terminplanung oder Dokumentation. Ihre klinische Einschätzung und das persönliche Gespräch mit den Patient:innen bleiben jedoch zentrale Bestandteile Ihrer Arbeit. Behandeln Sie zudem Gesundheitsdaten mit höchster Sorgfalt. Fragen Sie sich bei jedem Einsatz: „Würde ich diese Daten auch ohne den Einsatz von KI so weitergeben?“

Ihre Checkliste für den Einstieg

Damit Sie KI wirksam und regelkonform in Ihrer Ordination nutzen können, sollten Sie folgende Schritte beachten:

Informieren Sie sich über die Grundlagen von KI in der Medizin. Die Kurzinfos der Österreichischen Ärztekammer bieten Ihnen hierzu wertvolle Hinweise. Nutzen Sie auch die Checklisten der RTR – der KI-Servicestelle der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH, die kostenlose Informationen und Orientierungshilfen zum EU AI Act bereitstellt, um sich über geeignete Anbieter und die Anforderungen zu informieren.

Benutzen Sie dafür folgenden Links:

https://www.rtr.at/rtr/startseite.de.html

https://www.aerztekammer.at/ehealth

 

Wählen Sie das passende Tool für Ihre Bedürfnisse aus. Für medizinische Texte sollten Sie ausschließlich zertifizierte Systeme verwenden. Für administrative Aufgaben wie die Terminplanung eignen sich hingegen etablierte Lösungen von Arztsoftwareherstellern oder anderen neuen Anbietern zu KI-Anwendungen.

Bilden Sie Ihr Team regelmäßig weiter beispielsweise zu den Themen Datenschutz, sichere Nutzung von KI, typische
Fehlerquellen etc.

Führen Sie vor dem Einsatz einen Testlauf durch. Erproben Sie die ausgewählte KI-Lösung zunächst mit fiktiven Daten. Prüfen Sie anschließend, ob die Ergebnisse Ihren Qualitätsstandards entsprechen.

Dokumentieren Sie Ihre Entscheidungen. Halten Sie fest, welche Lösung Sie nutzen und aus welchen Gründen. Dies kann im Falle einer rechtlichen Überprüfung hilfreich sein.

Fazit: So nutzen Sie KI verantwortungsvoll

KI kann helfen, Zeit zu sparen und Arbeitsabläufe zu erleichtern. Voraussetzung dafür ist, dass Sie sich mit dem Thema beschäftigen und die KI bewusst und verantwortungsvoll einsetzen. Denken Sie daran: Prüfen Sie jedes von KI generierte Ergebnis selbst. Schützen Sie die Daten Ihrer Patient:innen konsequent. Bleiben Sie die hauptverantwortliche Person für Diagnosen und Therapieentscheidungen.


Foto: envato_Yuri Arcurs Peopleimgages