AERZTE Steiermark 09/2026

 

Mein Rezept für Bewegung: überzeugen statt predigen

Sebastian Sorger ist Orthopäde, Traumatologe und betreibt ein Fitness- und Gesundheits-studio. Was ungewöhnlich klingt, erweist sich bei näherem Hinsehen als schlüssiges Modell, das medizinische Versorgung und aktive Gesundheitsarbeit konsequent zusammendenkt.

„Sport war für mich nie Freizeitbeschäftigung – sondern eine Lebensweise“, sagt Sebastian Sorger. Schon im Jugendalter entdeckte er seine Leidenschaft für das Krafttraining. Sein Weg in die Medizin sei anfangs noch nicht klar gewesen. „Aber je tiefer ich in die Welt des Trainings eintauchte, desto mehr wollte ich verstehen, was hinter den Prozessen im menschlichen Körper steckt.“ Im Rückblick sei es „kein gerader Weg, aber ein sehr konsequenter“ gewesen.

Erfolg durch Leidenschaft

Gemeinsam mit seinem Vater führt Sorger in Weiz ein Fitness- und Gesundheitsstudio, das gegründet wurde, als Krafttraining gesellschaftlich noch weit weniger akzeptiert war als heute. Von seinem Vater habe er gelernt, „welches Potenzial gezieltes Training für die Gesundheit entfalten kann“ und wie wichtig es sei, Menschen „einfühlsam, motivierend und auf Augenhöhe“ zu begleiten.

Auch unternehmerisch habe ihn das geprägt. „Wer ehrlich am Erfolg seiner Kund:innen interessiert ist und diesen mit Leidenschaft verfolgt, für den stellt sich der eigene Erfolg von selbst ein.“ Dass es zwischen zwei Generationen auch Diskussionen gibt, versteht sich von selbst. „Altbewährte Methoden treffen auf neue Ansätze. Und genau daraus entstehen die besten Lösungen.“

Fließender Übergang

Dementsprechend ist die Grenze zwischen klassischer Medizin und aktiver Gesundheitsarbeit für den Orthopäden bewusst nicht scharf gezogen. „Dieser Übergang ist fließend – und das ist gut so.“ Aufgabe des Arztes sei es, fundierte Diagnostik und Therapie zu betreiben und Patient:innen zugleich aufzuzeigen, wie sie langfristig selbst etwas für ihre Gesundheit tun können.

Dabei betont Sorger auch die Eigenverantwortung. Mindestens genauso wichtig sei es, Patient:innen „in die Pflicht zu nehmen, Eigenverantwortung zu übernehmen und Empfehlungen konsequent umzusetzen“. Die besten Ergebnisse entstünden dann, wenn Medizin und aktive Gesundheitsarbeit von Anfang an Hand in Hand laufen.

Fahrplan zur Prävention

Viele Patient:innen kommen in die Ordination, wenn Schmerzen oder Verletzungen bereits bestehen. Sorger sieht darin jedoch auch eine Chance: „Wenn der Schmerz da ist, ist auch die Bereitschaft zur Veränderung da.“ Entscheidend sei, es beim Thema Prävention nicht bei allgemeinen Floskeln zu belassen. Statt „Bewegen Sie sich mehr“ brauche es „einen klaren, individuellen Fahrplan“.

Nur Patient:innen, die wirklich verstehen, worum es geht, würden Empfehlungen auch tatsächlich umsetzen. Für die nachhaltige Umsetzung sei ein interdisziplinäres Team „unersetzlich“, weil es Menschen längerfristig begleiten und neue Gewohnheiten im Alltag verankern könne.

Versäumnisse im Alltag

Ein Schwerpunkt des Facharztes liegt unter anderem auf dem Kniegelenk. In der Praxis sieht er dabei alle klassischen Probleme: zu wenig Bewegung, falsche Bewegung und zu spätes Reagieren auf Warnsignale. „Häufig treten alle drei gemeinsam auf“, so Sorger.

Aus orthopädischer Sicht sei ein ausgewogenes Gleichgewicht aus Kraft, Koordination, Mobilität und Ausdauer empfohlen. Und, dass Gelenke frei beweglich bleiben und von kräftiger Muskulatur getragen werden – andernfalls „beginnen früher oder später die Probleme.“

Für sehr aktive Patient:innnen empfiehlt Sorger eine jährliche Überprüfung der Bewegungsmuster durch einen erfahrenen Sporttherapeuten. Und er formuliert eine klare Faustregel für den Alltag: Beschwerden, die länger als ein bis zwei Wochen ohne Besserung anhalten, sollten abgeklärt werden. „Früh hinschauen ist immer besser als spät reagieren.“

Interdisziplinarität

In seiner Ordination arbeitet Sebastian Sorger eng mit einem interdisziplinären Gesundheits- und Therapiezentrum zusammen. Kurze Kommunikationswege und die gemeinsame Dokumentationsbasis ermöglichen eine eng abgestimmte Zusammenarbeit zwischen Facharzt, Physiotherapie, Massage, Sportwissenschaft und Training. „Die Patient:innen erleben das nicht als Aneinanderreihung von Einzelmaßnahmen, sondern als durchgängigen Prozess“, so Sorger.

Konsistenz statt Perfektion

Auch sein eigenes Bewegungsprogramm setzt er realistisch an: zwei- bis dreimal Krafttraining pro Woche und – wenn möglich – ein kurzer täglicher Spaziergang. „Es gelingt nicht immer“, sagt er. Genau das gebe er aber auch seinen Patient:innen mit: „Perfektion ist nicht das Ziel. Konsistenz ist es.“

Wie man Bewegung stärker in Patientengespräche integrieren kann? „Wenn wir aus echter Überzeugung erklären können, warum Bewegung für einen konkreten Patienten in seiner konkreten Situation wirksam ist, klingt das nicht nach Predigt – sondern nach Medizin. “Sprintdistanz bei diesem Bewerb habe ihm im letzten Jahr schon großen Spaß und Lust auf mehr gemacht.

Foto: Markus Kramp, Tanja Wünscher