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Die Gesundheit-MacherInnen

Unter den Gesundheitsreferentinnen und -referenten der neun Bundesländer gibt es nur eine Ärztin, aber drei Juristen. Die Steirerin Juliane Bogner-Strauß hat aber eine hohe Affinität zur wissenschaftlichen Medizin.

Martin Novak

Juliane Bogner-Strauß hat das Rennen gemacht. Seit 17. Dezember 2019 ist sie steirische Landesrätin für Gesundheit (und Bildung). Nur wenige Wochen früher übernahm Martina Rüscher die Gesundheitsagenden in Vorarlberg. Ganz genau am 6. November 2019.

Eines haben die Landes-Gesundheitsreferentinnen und -referenten gemeinsam: Sie gehören jeweils der Partei an, die auch den Landeshauptmann stellt. Einzige Ausnahme ist Niederösterreich. Im flächenmäßig größten Bundesland Österreichs sind die Gesundheitsagenden geteilt. Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) ist Gesundheitslandesrätin, Stephan Pernkopf (ÖVP) ist für die Landeskliniken zuständig, Landesrat Martin Eichtinger ist Vorsitzender des niederösterreichischen Gesundheits- und Sozialfonds NÖGUS.

Eine Ärztin

Einen explizit ärztlichen Berufshintergrund hat nur eine Gesundheitsreferentin: Die Kärntnerin Beate Prettner ist Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, die Gynäkologin war bis zum Wechsel in die Landesregierung im Jahr 2010 auch einige Jahre als Oberärztin am Klinikum Klagenfurt beschäftigt.

Fast Ärztin wäre Juliane Bogner-Strauß geworden. Immerhin drei Semester hat sie Medizin studiert, um dann („weil ich kein Blut sehen kann“, wie sie im Kleine-Zeitung-Interview kurz vor Weihnachten einbekannte) zur Chemie zu wechseln. Hier machte sie eine bemerkenswerte akademische Karriere, habilitierte sich 2008 im Bereich Molekularbiologie und Genomik und war nach einigen Zwischenstationen bis 2017 stellvertretende Leiterin des Instituts für Biochemie der TU Graz.

Ebenfalls einen technisch-universitären Hintergrund hat der Tiroler Langzeit-Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg. Der studierte Elektrotechniker war vor seinem Eintritt in die Landesregierung vier Jahre Rektor der Tiroler Privatuniversität UMIT, die als Tochter der Tirol Kliniken 2001 mit dem Schwerpunkt Gesundheitswissenschaften gestartet hatte.

Drei der (auch) für die Gesundheit Zuständigen haben einen juristischen Hintergrund: Der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil schloss als gelernter Polizist ein Jus-Studium ab, um später Landespolizeidirektor im Burgenland zu werden. Auch die beiden niederösterreichischen Gesundheitspolitiker Pernkopf und Eichtinger sind Juristen. Die oberösterreichische Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander ist studierte Wirtschaftswissenschafterin. Ebenfalls einen wirtschaftlichen Hintergrund hat Rüscher – die gebürtige Tirolerin studierte zuerst an der Wirtschafts- und Fremdsprachenakademie der Universität Salzburg, arbeitete in der Privatwirtschaft und schloss dann noch zwei Ausbildungen an der Donau-Universität Krems ab.

Die Niederösterreicherin Ulrike Königsberger-Ludwig war Geschäftsführerin des gemeinnützigen Vereins „Frau und Arbeit“, der Beratungen für das Arbeitsmarktservice durchführt. Peter Hacker , Wiener Gesundheitslandesrat seit 2018, war zuvor Geschäftsführer im ebenfalls gemeinnützigen Fonds Soziales Wien (FSW), der mit rund 1.900 Beschäftigten für die Stadt Wien soziale Dienstleistungen plant, vermittelt und fördert.

Ihr Salzburger Pendant, Christian Stöckl , ist promovierter Mittelschullehrer mit den Fächern Mathematik und Geografie sowie der zusätzlichen Informatik-Lehrbefugnis. Damit hat er die größte berufliche Nähe zum neuen Sozial- und Gesundheitsminister Rudi Anschober, der ebenfalls ausgebildeter Lehrer ist, allerdings für Volksschulen.

Politische Kraft

Mit Doskozil und Bogner-Strauß gibt es zwei in der Landesgesundheitspolitik, die zuvor ein Bundesministerium leiteten: Doskozil als Verteidigungs- und Sportminister in der vorletzten, Bogner-Strauß als Frauen-, Familien- und Jugendministerin in der letzten Bundesregierung. Doskozil ist Landeshauptmann. Pernkopf, Prettner, Haberlander und Stöckl sind Landeshauptfrau- bzw. Landeshauptmann-StellvertreterInnen.

Andere haben eine Vergangenheit als hochrangige Mitarbeiter in Ministerien. Dazu gehören etwa Stephan Pernkopf als ehemaliger Büroleiter von Landwirtschafts- und Finanzminister Josef Pröll sowie Martin Eichtinger als Sekretär von Vizekanzler und Außenminister Alois Mock sowie als Kabinettschef von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein. Und dann gibt es noch die kommunale Verwurzelung: Der Salzburger Christian Stöckl war Bürgermeister in Hallein, die Niederösterreicherin Ulrike Königsberger-Ludwig Vizebürgermeisterin in Amstetten.

Viel Steiermark

Dass die steirische Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß Steirerin ist, löst kaum Erstaunen aus. Sie entstammt einer Gamlitzer Weinbauern-Familie. Die beiden Brüder der Politikerin führen das Weingut, das seit mehr als 200 Jahren im Familienbesitz ist. Aber die „extrem verwurzelte Steirerin“ (Selbstbeschreibung im Interview mit der Kronenzeitung) ist nicht die einzige mit steirischen Wurzeln: Der burgenländische Landeshauptmann und Gesundheitsreferent Hans Peter Doskozil lebte zwar in seiner Kindheit und Jugend im burgenländischen Grafenschachen, wurde aber im steirischen Vorau geboren. Und Martin Eichtinger, als Landesrat in Niederösterreich auch NÖGUS-Vorsitzender, ist gebürtiger Grazer, ist hier zur Schule gegangen und hat das Jus-Studium in Graz absolviert. Als Diplomat verschlug es ihn in die weite Welt: Er war Botschafter in Rumänien und Moldau, Großbritannien und Nordirland. Als persönlicher Sekretär von Vizekanzler und Außenminister Alois Mock sowie später Wirtschaftsminister Martin Bartenstein blieb ihm sein Österreich-Bezug aber immer erhalten.

Knapp mehr Männer

Der Doyen unter den Gesundheitsreferentinnen und -referenten ist der Salzburger Christian Stöckl. Er ist 1957 geboren. Fünf der Referentinnen und Referenten (Prettner/Kärnten, Eichtinger und Königsberger-Ludwig/Niederösterreich, Tilg/Tirol, Hacker/Wien) sind Kinder der 60er-Jahre. Dann gibt es noch eine Vierergruppe aus den 70er-Jahren (Doskozil/Burgenland, Pernkopf/Niederösterreich, Rüscher/Vorarlberg, Bogner-Strauß/Steiermark). Die mit Abstand Jüngste ist die Oberösterreicherin Christine Haberlander mit dem Geburtsjahr 1981. Fünf Frauen und sechs Männer verantworten die Gesundheitsagenden. Darunter ist allerdings das Trio aus Niederösterreich mit zwei Männern und einer Frau. Ohne Niederösterreich wäre das Verhältnis genau ausgewogen.

Nichts Schöneres

Die Zuständigkeit für die Gesundheitspolitik wird oft als Parforce-Ritt oder Himmelfahrtskommando beschrieben, bei dem es keine politischen Sympathiepunkte zu erzielen gibt. Die Verantwortlichen sehen es (naturgemäß) positiver, die steirische Neo-Gesundheitslandesrätin Bogner-Strauß sogar enthusiastisch, zumindest im Interview (mit der Kleinen Zeitung): „Was Schöneres als das Gesundheitsressort konnte mir gar nicht passieren.“

AERZTE Steiermark 01/2020


Fotos: Simonis, Berger, Gleiss, Mathis, Land Salzburg, Land Oberösterreich/Lisa Schaffner, Weinfranz (2), Mahmoud-Ashraf




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