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Vernissage „Große und Kleine Ausschnitte unserer Welt“ Alfred Resch-Díaz
24.10.2019, 18:30 Uhr

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Auf meinen Doktor schwöre ich

Einem vertrauen – oder auf viele hören? Gesundheits-Informationen aus dem Internet, über soziale Medien, Zeitungen, Fernsehen oder Radio machen Ärztinnen und Ärzten die Kompetenz streitig. Doch Empathie für Patientinnen und Patienten ist der Solitär der ärztlichen Behandlung.

Walter Hoch

Das Vertrauen des Patienten in seine Ärztin/seinen Arzt ist ein unbestrittener Schlüssel zum Behandlungserfolg. Vertrauen fußt auf mehreren Fundamenten und muss vor allem erst aufgebaut werden. Dazu kann man schon die ersten sieben Sekunden zählen, in denen Menschen reflexartig entscheiden, ob ihnen jemand sympathisch oder unsympathisch ist.

Danach aber kann Ärztin oder Arzt mit einem freundlich vorgetragenen „Bitte sehr, Frau Müller, was führt Sie zu mir? Was fehlt Ihnen?“ eine Intervention setzen, die bewusst bestimmt wird. Während die Patientin nun ihre Symptome schildert, laufen im Kopf der Ärztin/des Arztes mehrere Fragen mit: Welche Krankheit liegt vor? Und: Welche Patientin sitzt mir da gegenüber: Will sie sehr detaillierte medizinische Informationen über ihre Krankheit und entsprechende Behandlungspfade? Oder will sie gar keine so genauen komplizierten Informationen hören, weil sie sich nicht auch noch mit den Fakten belasten will?

Patientenkenntnis

Langjährige Berufserfahrung schärft die Patientenkenntnis und macht die Entscheidung über den Kommunikationsstil leichter. „Erreiche ich als Arzt den Patienten am besten mit medizinischen Fachbegriffen oder sind eher umgangssprachliche, mitunter gefühlsbetonte Worte zielführend?“, lautet die Frage.

Die erste Methode ist empfehlenswert, wenn ein Patient eine ausgeprägte eigene Krankheitstheorie, gespeist von Dr. Google und Co. und eigenen Ideen, mitbringt. Er wird eine aktivere Rolle einnehmen und auf spezifische, kompetente Antworten drängen.

Dieser intellektuelle Stil würde aber von der zweiten Gruppe leicht als abgehobenes Fachchinesisch empfunden werden. Mit der Erklärung ihrer Krankheit in landläufigen und auch gefühlsmäßigen Begriffen kommt der Arzt bei ihnen viel besser auf die gemeinsame Wellenlänge. Eine Erkundigung darüber, wie die Familie daheim mit ihm umgeht, ist ihm viel wichtiger als Analysen à la Pschyrembel.

Soft skills Ehrlichkeit und Hoffnung

Eine weitere Frage betrifft die Heilmethode. „Sitzt mir ein Mensch gegenüber, der felsenfest von der Schulmedizin überzeugt ist, oder schwört er auf die Segnungen der Komplementärmedizin bzw. der Homöopathie?“ Auch ohne dass der Patient selbst es präzisiert hätte, sollte sich der Arzt im Klaren sein: Das will der Patient vor allem anderen von mir wissen und diese oder jene vorgeschlagene Behandlung wird bei ihm auf große Compliance stoßen.

Eines gilt für alle Patientinnen und Patienten: Sie wollen, dass der Behandelnde ihre Gesundheitsprobleme ernst und sich dafür Zeit nimmt.

Nachdem Patientinnen und Patienten eher Laien sind, leiten sie das Ernst-genommen-Werden primär davon ab, wie Ärztin oder Arzt auf sie eingeht. „Ist sie oder er ehrlich und gibt er auch Heilungschancen?“, fragen sie sich. In puncto Eingehen auf die Kranken im Arzt-Patienten-Gespräch wird immer wieder auf den Mangel an Zeit, der eine Rahmenbedingung der modernen Kassenmedizin sei, hingewiesen. Knappe sieben Minuten durchschnittliche Gesprächsdauer gelten vielen als Indiz für die so genannte Fließbandmedizin.

Der Praxis- bzw. Spitalsalltag zeigt aber, dass Zeit alleine nicht ausschlaggebend für die Zufriedenheit ist. Entscheidend ist eben auch: „Konzentriert sich Ärztin oder Arzt in diesen Minuten voll auf mich oder macht er dabei irgendetwas, wie SMS abrufen, nebenbei? Geht er auf meine Lebensumstände ein?“ Natürlich hängen die Zufriedenheit und das Vertrauen auch davon ab, wie erfolgreich dieser Arzt bereits vergangene Erkrankungen behandelt hat.

Gleichstand für Vertrauen und Kompetenz

So gut der Einfluss von Vertrauen auf die Zufriedenheit, das Gesundheitsverhalten und die subjektiven Beschwerden der Behandelten auch ist, so wenig eindeutig tritt er objektiv zutage. Dazu wurden in der Meta-Analyse „ Trust in the health care professional and health outcome “ 47 Studien aus Europa, Asien, Nordamerika und Australien untersucht, die sich mit dem Zusammenhang von Vertrauen und Gesundheitsindikatoren bei behandelten Personen beschäftigen.

Das 2017 veröffentlichte Ergebnis: In Bezug auf die Wirkung des Vertrauens von Patientinnen und Patienten in ihre behandelnden Personen konnten bei objektiven klinischen Parametern sowie bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes durch ÄrztInnen keine Effekte nachgewiesen werden: „Correlations between trust and objective (…) as well as observer-rated outcomes (…) were non-significant.“

Junge Ärztinnen und Ärzte können also durchaus mit ihrer up-to-date-Kompetenz punkten, ältere punkten mit Erfahrung und ihrem berühmten Händchen für die PatientInnen. Stimmen also Vertrauen, Kompetenz und Behandlungserfolge zusammen, so hat der Patient eine feste Burg in seinem Arzt. Umgekehrt ist es für ihn der schönste Lohn, wenn er spürt, dass er für den Patienten etwas sehr Positives bewegen konnte.


Quelle:

Birkhäuer, Gaab, Kossowsky, Hasler, Krummenacher, Werner, Gerger: Trust in the health care professional and health outcome: A meta-analysis. PLoS One. 2017 Feb 7;12(2):e0170988. doi: 10.1371/journal.pone.0170988. eCollection 2017.

Foto: Shutterstock
 

AERZTE Steiermark 03/2019

Symbolbild 1
 



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