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Spitalsärzteversammlung Marienkrankenhaus Vorau
16.01.2020, 14:00 Uhr

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The Sound of Handcraft

Im Job konzentriert sich Thomas Fink auf die Geräusche der Anästhesie-Maschine – in der Freizeit entwickelt er High End High Fidelity-Lautsprecher und moduliert feinste Klangnuancen.

Ursula Jungmeier-Scholz

Thomas Finks Talent, HiFi-Lautsprecher zu bauen, liefert den Beweis für die schöpferische Kraft der Langeweile: „Während des Medizinstudiums war mir in den Ferien einmal fad und ich habe beiläufig einen Elektronik-Katalog für Heimwerker durchgeblättert. Dabei bin ich auf Bausätze für Lautsprecher gestoßen und wollte sofort selbst einen bauen.“ Fink, immer schon passionierter Bastler, kaufte sich die nötigen Komponenten und legte los. „Anfangs war es eher Zufall, dass der Lautsprecher gut geklungen hat – später habe ich mir dann das nötige Know-how angelesen.“ Finks erste Selbstbau-Lautsprecher sind noch immer in Verwendung und beschallen das Wohnzimmer seiner Schwägerin. Er selbst nutzt eine jüngere Version. Beim ersten Lautsprecherbau war er auch noch kein Spezialist für Klangnuancen. „Ich habe nie ein Instrument gespielt, aber das Gehör lässt sich trainieren.“ Dafür verfügte er von Anfang an über eine solide technische Grundausbildung.

Technik vor Medizin

Zu Gymnasialzeiten schwankten die Interessen des heute 45-Jährigen nämlich zwischen Technik und Medizin. „Aber ich wollte rasch Geld verdienen und habe mich daher für ein Maschinenbau-Kolleg entschieden.“ Vom Medizinstudium wurde aufgrund geringer Jobchancen damals ohnehin abgeraten. Aber auch die beruflichen Aussichten für den frisch gebackenen Ingenieur waren nicht so rosig, wie er sich das ursprünglich vorgestellt hatte. Er heuerte bei einer Nutzfahrzeug-Firma an.

Doch Mitte zwanzig bekam sein Leben eine unerwartete Dynamik: Auf einer Party lernte er seine heutige Partnerin kennen, eine Krankenschwester. „Sie hat von ihrem Beruf erzählt und das hat die alte Sehnsucht nach der Medizin in mir wieder geweckt. Außerdem machte die Firma, in der ich gearbeitet habe, damals gerade eine Krise durch. So ist der Entschluss gereift, es doch mit Medizin zu versuchen.“ Ein Jahr Bundesheer und drei Jahre Berufstätigkeit reichten, um dafür ein Selbsterhalter-Stipendium beziehen zu können.

Anästhesie durch Zufall

Jetzt läge es nahe anzunehmen, dass Finks spätere Fachrichtung Anästhesie aus seinem technischen Interesse resultierte, aber so war es nicht. Um nicht jahrelang in der Steiermark auf einen Turnusplatz warten zu müssen, nahm er nach vier Monaten als unbezahlter Gastarzt in Deutschlandsberg – Fink ist selbst Weststeirer – einen Ausbildungsplatz am damaligen Gemeindekrankenhaus von Scheibbs an. Danach wollte er Radiologe werden und fast hätte es auch geklappt. Aber dann hat doch ein anderer den versprochenen Ausbildungsplatz erhalten. Ein Umstand, der Fink aus heutiger Sicht nur recht ist.

Bis zum Turnusende hatte sich Fink nicht wirklich für die Anästhesie und das Notarztwesen interessiert. Doch in Scheibbs mussten alle Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung, die auch als Notarzt tätig waren, die letzten drei Turnusmonate auf der Anästhesie verbringen. „Wider Erwarten hat mir diese Arbeit sehr gut gefallen.“ Und der Ärztliche Direktor hat sich bemüht, gute Ärzte an sein Haus zu binden und Fink die nächste freie Ausbildungsstelle – eben auf der Anästhesie – angeboten.

HiFi kindersicher

Beruflich war Scheibbs für Fink durchaus attraktiv, doch er wollte nicht weiter eine Fernbeziehung führen. So wechselte er zunächst zu den Anästhesisten am LKH Voitsberg ; heute ist er in Wagna tätig. In Scheibbs ließ er nicht nur nette Kolleginnen und Kollegen zurück, sondern auch in manchem Wohnzimmer eine handgebaute Lautsprecheranlage. Klassische Auftragsarbeiten übernimmt Fink nicht, sondern bastelt lieber herum, wann immer er Zeit findet, und gibt den Lautsprecher erst dann aus der Hand, wenn er selbst mit ihm zufrieden ist – und wieder Platz (oder Geld) für neue Komponenten braucht. „Ich kann ja nicht vorab versprechen, bis wann ich fertig werde und wie der Lautsprecher dann klingt. Nur einmal habe ich eine Ausnahme gemacht, als ein Freund, ein vierfacher Vater, eine kindersichere robuste Variante haben wollte, bei der man keine Kleinteile im Bassreflexrohr verschwinden lassen kann und die Lautsprechermembranen nicht eingedrückt werden können.“ Bei den eigenen Lautsprechern setzt Fink mittlerweile auf offene Schallwände, die nach hinten hin kein Gehäuse haben. „Ich will etwas schaffen, das nicht jeder hat.“ Seine „Kunden“ sind meist Kollegen, denen er bei der Arbeit von seinem Hobby erzählt hat und deren Interesse er dadurch wecken konnte. Finks Ziel ist stets, „aus der Musikkonserve das Maximum an Klang herauszuholen“. Dabei enttäuscht ihn nicht so selten die Aufnahmequalität der CDs – und von MP3 hält er logischerweise nur wenig.

Eigener Hörraum

Beim Hausbau hat sich Fink zwar keinen speziellen Platz zum Lautsprecher-Bauen reserviert („das mache ich lieber auf der Terrasse, weil es bei der Holzbearbeitung so staubt“), dafür aber einen eigenen Raum zum Hören installiert. „Oft geben die Leute Unsummen für eine Anlage aus und stellen sie dann in einen schlecht gestalteten Raum und ruinieren so den Klang.“

Dass manche Menschen in eine Musikanlage so viel investieren wie andere für ein Einfamilienhaus, hält er für übertrieben. „Da sehe ich eine Parallele zur Medizin: Sowohl im Bereich High End HiFi als auch in der Medizin werden für esoterischen Schwachsinn Unsummen an Geld ausgegeben.“

Für die Anwender hat Fink viel simplere Tipps parat, wie sie selbst das Klangerlebnis ihrer Anlage veredeln können: „Zimmerpflanzen und Bücherregale wirken beispielsweise gut als Diffusor und ein dicker Teppich ist auch zu empfehlen. Ansonsten können auch spezielle Dämmelemente hilfreich sein.“

Baut er selbst einen Lautsprecher, gilt sein Hauptaugenmerk der Frequenzweiche , durch die verschiedene Tonhöhen jeweils dem Hoch-, Tief- oder Mitteltöner zugewiesen werden. Je nach Ausgestaltung dieser Weiche kann er mit denselben Membranen ganz unterschiedliche Klänge gestalten: „Die Frequenzweiche ist einfach eine Platine, auf die Kondensatoren, Widerstände und Spulen draufgelötet werden.“ Die Dimensionierung und Verschaltung dieser Bauelemente ist entscheidend für den späteren Klang des fertigen Lautsprechers. Stellt ihn das anschließende Hörerlebnis nicht zufrieden, tauscht er einzelne Bauteile wieder aus – und das immer wieder. Dabei ist er stets auf sein eigenes Gehör angewiesen; über Messinstrumente, wie sie die Industrie nutzt, verfügt er nicht.

Beste Entscheidung

Zurzeit tönt aber nicht nur Musik aus selbst getunten Lautsprechern durchs Haus, vielmehr liefern Finks Töchter, vier und sechs Jahre alt, eine dynamische Geräuschkulisse. Da bleibt auch nicht mehr so viel Zeit für den Lautsprecherbau, schon gar nicht, wenn er daneben noch sporteln möchte: Fink radelt auf – natürlich selbst zusammengebauten – Fahrrädern und übt sich im Berglauf. Den Lautsprecherbau zu seinem Beruf zu machen kam für ihn zu keiner Zeit in Frage. Der steirische Markt ist mit einzelgefertigten Nischenprodukten gut versorgt und außerdem bereitet es ihm immer noch große Freude, Arzt zu sein. Eben erst hat er in Wagna die Bereichsleitung für die Intensivstation übernommen. „Doch noch Medizin zu studieren war die beste Entscheidung meines Lebens!“

Fotos: Fink, Wewe

AERZTE Steiermark 01/2019




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