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Wenn der Primar sich eine Eiszeit nimmt

Geza Gemes, Anästhesist und Primar im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Graz, powert sich beim Eishockey so richtig aus, um danach tiefe Entspannung zu finden.

U. Jungmeier-Scholz

Am Eis ist Geza Gemes ein Spätberufener: Erst mit 25 Jahren hat er den Eishockey-Sport für sich entdeckt. Als frisch bestellter Primar zählt er mit 37 hingegen zu den Jüngeren dieser Karrierestufe. Sein Weg zum Arztberuf war für ihn ab der Oberstufe klar: Nach dem Bubentraum, Feuerwehrmann zu werden und den „Nachwehen“ eines Schuljahres in den USA, in dem er sich als künftiger Börsenmakler gesehen hat, visierte er mit 14 Jahren ein Medizinstudium an. „Ein Bekannter meiner Eltern, ein Unfallchirurg, hat mich einmal zur Arbeit mitgenommen.“ Unfallchirurgie als erste Begegnung mit dem Arztberuf – kein Einstieg für zart Besaitete. Aber Gemes betont: „Ich habe mich immer besonders für die Notfallmedizin interessiert, da ist man so unmittelbar an den Lebensfunktionen dran.“ Also inskribierte er 1998 in seiner Heimatstadt Graz Medizin, zunächst noch in Kombination mit Biochemie, die er dann aber bald wieder aufgab. Die nächsten Stationen – bei der Rettung im Medizinercorps, Notarztprüfung, Facharztausbildung zum Anästhesisten – haben einander dann fast logisch bedingt. Familiäre Vorbilder für den Arztberuf gab es keine: Beide Eltern waren Lehrer. „Unsere Familie deckt Latein, Turnen, Französisch und Philosophie ab.“ Keine Naturwissenschaften also; die Begeisterung für den Sport hat Geza Gemes allerdings geerbt.

Vom Berg aufs Eis

Zu Puck, Stock und Bande gebracht haben ihn seine Freunde. Geza Gemes war immer schon sportlich und in seiner jungen Erwachsenenzeit ein passionierter Alpinist. Als er jedoch bei einer Klettertour im Gesäuse in einen schweren Unfall verwickelt war, den er mit viel Glück – physisch – unverletzt überlebt hat, war die Freude am Bergsteigen vorerst zu Ende. „Damals hat mich jener Hubschrauber vom Berg geholt, auf dem ich heute selbst fliege.“
Es war die Endphase seines Studiums und auch beruflich eine Zeit des Umbruchs. Über einen Schulfreund fand er Anschluss an die Hobbyliga NHL Graz, in der rund 60 Mannschaften vertreten sind. Seither gehört der Sonntagabend von September bis April fix dem Eishockey, selbst wenn es gerade im Winter schwierig ist, sich für ein Training um halb zehn Uhr abends zu motivieren und dafür aus Gleisdorf nach Graz zu fahren. Aber: „Eiszeiten sind eben schwer zu bekommen …“ Auszeiten auch, im Leben des vielbeschäftigten Arztes, der zum sommerlichen Ausgleichssport gern aufs Rennrad oder Mountainbike steigt. Solange er am Grazer Universitätsklinikum beschäftigt war – bis Jahresende zeichnete er dort als Oberarzt für die Anästhesie im Bereich Gynäkologie und Geburtshilfe verantwortlich –, ist er mit Ausnahme strenger Wintermonate stets zur Arbeit geradelt. Nun sucht er noch nach einer idealen Strecke, um die Stadt bis zu den Barmherzigen Brüdern in der Marschallgasse mit dem Rennrad durchqueren zu können.

Nur für Bewusstlose

Am Eis fühlt sich Gemes primär als Spieler, nicht als Mediziner. „Wir brauchen nicht oft einen Arzt. In einer Hobbyliga läuft Eishockey deutlich sanfter ab als bei den Profis – schließlich wollen alle am nächsten Tag wieder arbeiten gehen.“ Stress, Schiedsrichter und Zweiminuten-Strafe gibt es allerdings auch bei den Grazer „Phantoms“, für die Gemes als Stürmer im Einsatz ist. Um die kleineren Blessuren der Teammitglieder, die Zerrungen und Verstauchungen, kümmert sich ein Spieler, der im Alltag als Physiotherapeut arbeitet. „Ich fühle mich erst dann zuständig, wenn der Kollege oder die Kollegin – denn auch die gibt es bei uns in der Mannschaft – bewusstlos ist oder eine wirklich gefährliche Situation eintritt“, sagt Gemes. Nur einmal ist er „als Zuschauer aufs Eis gegangen“, als sich ein Spieler eine Gehirnerschütterung zugezogen hat.
Die erste Hälfte der Wintersaison 2016/17 ist für die Phantoms scheinbar katastrophal gelaufen: Null Siege und eine Tordifferenz von minus 44. „Wir sind in den vergangenen Jahren jede Saison um eine Gruppe aufgestiegen und derzeit einfach zu hoch eingestuft“, kommentiert Gemes die Ergebnisse gelassen. Niederlagen im Sport steckt er locker weg.

„Relativ erfolgsverwöhnt“

Und im Beruf? „Da bin ich relativ erfolgsverwöhnt …“, erzählt er fast ein bisschen verschämt. Studium in zwölf Semestern, danach Assistenzarzt an der Uniklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, zwei Jahre Forschungsaufenthalt am Medical College of Wisconsin in Milwaukee, ein Jahr später die Venia docendi, dann die Facharztprüfung und im selben Jahr die Europäische Facharztprüfung (DESA). Mit 37 wurde er zum Primar der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin bei den Barmherzigen Brüdern ernannt, wo er seit Jahresbeginn 2017 die Abteilung führt.
Von der Geburtshilfe und Intensivmedizin im großen Endversorgungszentrum kommend, wo nichts planbar ist, muss er sich an die vorwiegend elektive Chirurgie in einem kleineren Haus noch etwas gewöhnen. Neu und herausfordernd ist für ihn auch die Rolle als organisatorisch und fachlich verantwortlicher Vorgesetzter, als Primararzt.

Daneben engagiert er sich in der Sonderausbildung der Anästhesiepflege, der steirischen Notarztausbildung – „da prüfe ich heute Nachmittag“, hat seine Forschungstätigkeit noch nicht ganz aufgegeben, fliegt auf Hubschrauber C 12 und nimmt die Europäische Facharztprüfung ab, wodurch er selbst sein Wissen laufend aktualisiert. Was er noch an dieser ehrenamtlichen und länderübergreifenden Tätigkeit schätzt? „Den Erfahrungsaustausch mit leitenden Ärzten aus ganz Europa. Im Vergleich sieht man dann, dass die Arbeitsbedingungen in Österreich gar nicht so schlecht sind …“

Teamplayer und Vater

Im Eishockeysport nennt er keine Tabellenposition als Ziel. Wichtig ist ihm, so lange wie möglich auf dem erreichten Level mitzuspielen und das in jener bewährten Mannschaft, deren Zusammenhalt für ihn am meisten zählt. Ebenso setzt er als Primar auf wertschätzende Kooperation und das Arbeiten in einer Gruppe mit flacher Hierarchie.
Teamorientiert übt er auch seine Tätigkeit als Flugrettungsarzt aus: „Auf dem Hubschrauber ist wechselseitiges Vertrauen unerlässlich. Wir arbeiten schließlich an höchst exponierten Stellen.“ Mit „seinem“ Piloten bildet er auch auf dem Boden ein Team – die beiden radeln gemeinsam.
Privat ist es ihm wichtig, seine Kinder „gut aufzuziehen und sie zu stabil beziehungsfähigen Menschen zu machen“. Die Töchter Johanna und Magdalena, sechs und drei Jahre alt, zählen zu seinen unerschöpflichen Kraftquellen. Eine zentrale Rolle spielt für Gemes auch die Zufriedenheit mit seiner Arbeit: „Ich finde nach wie vor, Arzt ist ein unheimlich toller Beruf.“

Fotos: Barmherzige Brüder Graz, Privat




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