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F-A-C: Fachbuchautor, Arzt, Chorsänger im Dreiklang

Elektrotechniker, Fachbuchautor, Jungvater, Tenor und Turnusarzt: Daniel Liebmann vielseitig zu nennen, wäre noch eine Untertreibung.

„Nun merk‘ ich erst, wie müd‘ ich bin, da ich zur Ruh‘ mich lege …“, singt Daniel Liebmann, wenn er die Noten von Schuberts Winterreise zur Hand nimmt – immerhin Hunderte von Seiten. Egal auf welchem Gebiet, er legt sich die Latte gerne hoch, arbeitet unermüdlich und kommt nur selten zum Schlafen: Neben seiner ärztlichen Tätigkeit auf der Internen Abteilung im Krankenhaus Wagna studiert Liebmann am Johann-Joseph-Fux-Konservatorium in Graz Klassischen Gesang. Und da rangiert Schubert sehr weit oben auf seiner Favoriten-Liste. Neben Händel. „Einmal Händel-Arien mit großem Orchester aufzuführen erscheint mir doch utopisch, wäre aber fantastisch“, schwärmt Liebmann. Einstweilen genießt er es, neben dem Singen im Chor zumindest einmal im Jahr – beim traditionellen Hirten- und Krippenliederkonzert in der Grazer Antoniuskirche – auch als Solist vom Orchester des Johann-Joseph-Fux-Konservatoriums begleitet zu werden.

Medizin selbst entdeckt

Als Tenor und als Arzt bekam er die Neigung zu seinem Tun zwar in die Wiege gelegt, musste seinen eigenen Weg aber erst finden. Liebmann – vor seiner Heirat noch Daniel Gungl – wuchs als Sohn zweier praktischer Ärzte in der Südoststeiermark auf. Da war es für die Dorfbewohner klar, dass er in die Fußstapfen seiner Eltern treten würde. Für ihn aber gar nicht. So richtig elektrisiert hat ihn als Jugendlicher die Technik. Also besuchte er in Weiz an der HTBLA die Abteilung für Elektrotechnik, wo er im Jahr 2005 maturierte. Danach absolvierte er seinen Zivildienst als Sanitäter beim Roten Kreuz, und dort flammte die Faszination für die Medizin auf.
Sein Jahrgang war der erste, der für das Medizinstudium einen Aufnahmetest zu bestehen hatte. Diesen absolvierte er, um das Ergebnis als Richtungsentscheidung zu akzeptieren: Arzt oder Techniker. Naturwissenschaften und Technik haben ihn von klein auf interessiert, auch eine Karriere in der Forschung war denkbar – und ist es heute noch. Dass er letztlich doch die Familientradition weiterführt und Arzt geworden ist, geschah durchaus zur Freude seiner Eltern.
Mit ihnen teilt er die Passion für die Musik; in dieser Hinsicht prägend war aber vor allem seine Tante, eine studierte Kirchenmusikerin, die nicht nur ihren eigenen vier Kindern von früh an eine musikalische Erziehung angedeihen ließ, sondern auch dem Neffen. Und weil ihre Kinder Geige spielten, wollte er das auch. Zehn Jahre hat er sich mit Bogenführung, Doppelgriffen und zweiter Lage befasst – aber so ganz das richtige Instrument war es nicht für ihn. Also doch Gesang? Singen gehörte schon immer zur Familientradition. Beim Singen im Chor hat er Antonia kennengelernt, die seither nicht nur die ideale Duett-Partnerin ist, sondern die Frau, mit der er in jeglicher Hinsicht harmoniert. Gemeinsam singen sie immer noch im Chor, wo sein fixer Platz anfangs bei den Bassisten war. „Erst auf einer Gesangswoche in Lassing hat man mir erklärt, dass ich von der Anlage her Tenor bin.“ Die Umstellung war groß, „aber jetzt ist das Singen deutlich angenehmer“. Der Umstieg war „eine reine Techniksache“.

Erstes Buch publiziert

Die Technik lässt ihn auch als Arzt nicht los: Schon seine Abschlussarbeit am Ende des Medizinstudiums war bildgebenden Verfahren zur Stammzellenvisualisierung gewidmet. „Ein Ausflug in die Forschung, der mir allerdings gezeigt hat, wie wenig familienfreundlich dieser Bereich ist.“ In der jetzigen Lebensphase als Jungvater bevorzugt er die zeitlich eher planbare ärztliche Tätigkeit im Spital. Technisches Verständnis ist ja auch für die Medizin am Bett des Patienten eine wertvolle Zusatzqualifikation. Diese konnte Liebmann bestmöglich einbringen, als er in der Endphase seines Medizinstudiums auf der Suche nach Wahlfachstunden war. „Da bin ich auf das Projekt ‚Lernen durch Lehren‘ gestoßen, bei dem es darum geht, Lernunterlagen für Online-Kurse der Grazer Meduni zusammenzustellen.“  Unter Supervision der beiden Kardiologen, Prof. Robert Gasser und Prof. Daniel Scherr, erstellte er zu didaktischen Zwecken Unterlagen zum Erlernen der EKG-Befundung.
Diese wurden nun aufgearbeitet und Mitte März als Buch mit Theorie- und Übungsteil publiziert. Der letzte Schliff mit finalen Änderungen und selbst gefertigten Abbildungen hatte Liebmann in den vergangenen Monaten auf Trab gehalten. Wie auch seine Kinder, der fünfjährige Maximilian und die zweijährige Magdalena. Was Liebmann besonders freut: Beide singen gerne. Wie seine Frau, eine Pharmazeutin, die ebenfalls am Johann-Joseph-Fux-Konservatorium studiert. Und sie begleitet Liebmanns Winterreise auf dem Klavier. „Sie hat mich erst dazu ermutigt, nicht nur nebenher Privatstunden zu nehmen, sondern ganz offiziell Gesang zu studieren.“ Liebmann ist nun in der Mittelstufe am Konservatorium – dort, wo die Stimmtechnik so weit internalisiert ist, dass er sich primär dem musikalischen Gestalten widmen kann.

Nachts musiziert

Bevor jedoch die Zeit für die persönlichen Aktivitäten – wie Musik – gekommen ist, gehört der Nachmittag den Kindern. Wenn es sich vom Dienstplan her ausgeht, holt Liebmann Magdalena aus der Kinderkrippe und Maximilian aus dem Kindergarten. Auch wenn sie sich abwechseln, ohne Hilfe könnte das Ehepaar Liebmann den Nachwuchs nicht betreuen – immerhin kollidieren bei ihren beiden Berufen schon auch einmal die Nachtdienste. Da springen die Schwiegereltern ein, die in Graz leben und die auch die abendlichen Gesangsstunden, Chor- und Konzertbesuche des Paares ermöglichen. Und so bauen Liebmanns nun ein Haus, ganz in der Nähe von jenem der Schwiegereltern. Die Elektroinstallationen übernimmt Daniel Liebmann  zum Teil selbst.
Was noch zum eigenen Haus gehört: Natürlich ein Musikzimmer. „Wir kommen meist erst spät abends zum Musizieren, wenn die Kinder schlafen – und das nicht immer zur Freude unserer Nachbarn.“
Egal welchen beruflichen Weg Liebmann letztlich einschlagen wird – an dieser zeitlichen Disposition wird sich noch länger nichts ändern: Der erste Teil des Tages gehört der Medizin, der zweite der Familie und der dritte der Musik. Wobei sich die beiden letztgenannten durch die Hausmusik ohnehin die Hand geben. Vater und Sohn versuchen sich auch beide am Cello.

„Schätze den Diskurs“

Der Turnus in Wagna bedeutet für Liebmann sehr frühes Aufstehen und somit wenig Schlaf. Dass diese Lebensweise auf Dauer nicht gesund ist, ist ihm durchaus bewusst, aber er hat ja noch so viel vor: „Eine Facharztausbildung zum Internisten würde mich sehr interessieren, wobei die Kardiologie und die Gastroenterologie für mich die spannendsten Bereiche sind.“ So könnte auch das EKG-Buch noch eine Fortsetzung finden.
Verlockend erscheint ihm eine Anstellung am Grazer Klinikum auch wegen der Möglichkeiten zu Forschung und Lehre. „Ich setze mich gerne ganz intensiv mit einem Thema auseinander – egal mit welchem.“
Trotz alarmierend niedriger Zufriedenheitswerte bei SpitalsärztInnen kann Liebmann dem angestellten Bereich viel abgewinnen: „Ich schätze den unmittelbaren fachlichen Diskurs mit den Kolleginnen und Kollegen, die diagnostischen Möglichkeiten sind vielfältiger, man kann Patienten umfassender beobachten – und nicht zu vergessen: Gegenüber einer eigenen Praxis bietet das Angestelltendasein doch mehr wirtschaftliche Sicherheit.“ Die Extremvariante spitalsärztlichen Einsatzes, nach dem Nachtdienst noch bis 15 Uhr weiterarbeiten zu müssen, hat er aufgrund seiner Jugend nicht mehr kennengelernt. Zu Beginn seiner Anstellung im Krankenhaus musste nach dem Dienst nur mehr bis 11 Uhr gearbeitet werden, die nunmehr erfolgte neuerliche Einschränkung durch das KA-AZG weiß er durchaus zu schätzen.
„Auf der anderen Seite haben Niedergelassene die Möglichkeit, ihre Arbeitsprozesse eigenständiger zu organisieren, auch das hat Vorteile.“ Insofern ist es für ihn auch nicht ausgeschlossen, doch noch in die Fußstapfen seiner Eltern zu treten.

Daniel Liebmann als ambitionierter Sänger: Der Umstieg vom Bass zum Tenor  „war reine Techniksache“.
Als Buchautor verbindet Liebmann den ärztlichen Beruf mit seiner Passion für die Elektrotechnik

Fotos: Liebmann




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