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FSME-Alarm bei Kindern

In den vergangenen Jahren haben sich österreichweit die FSME-Fälle bei Kindern unter 14 Jahren vervielfacht. Gleichzeitig sinkt die Impfmoral.

Zwei Altersgipfel zeigt das FSME-Virus üblicherweise: einen bei Kindern und einen bei älteren Menschen. Dank der hohen Durchimpfungsrate konnte die Spitze bei Kindern lange Zeit erfolgreich abgeschwächt werden, in den Jahren 2011 bis 2015 sind die FSME-Fälle bei Kindern und Jugendlichen unter 14 Jahren im Vergleich zum Jahrfünft davor jedoch deutlich angestiegen.
Große Schwankungen sind bei FSME nicht ungewöhnlich, doch die Zunahme bei den kindlichen Fällen korreliert nicht einfach mit der allgemeinen Virusaktivität dieser Jahre. Insgesamt nahm die Zahl der FSME-Erkrankungen österreichweit lediglich um 14 Prozent zu (358 bzw. 408 Fälle), während sie sich bei den 0–6-Jährigen fast vervierfacht hat (9 bzw. 34 Fälle) und in der Altersgruppe unter 14 Jahren verdreifacht (19 bzw. 60 Fälle).
Bei einer Pressekonferenz in Wien sprach ÖÄK-Impfreferent Rudolf Schmitzberger von einem „dramatischen Anstieg“. „Damit ist die Zahl der FSME-Fälle wieder ähnlich hoch wie in Tschechien und der Slowakei, wo es keine vergleichbaren Impfprogramme gibt.“

Impfrate sinkt

Auch der Anteil korrekt Geimpfter ist rückläufig: Waren es im Jahr 2011 sieben von zehn ÖsterreicherInnen, sank der Prozentsatz im Jahr 2015 auf 53. Vor allem bei den 0–3-Jährigen ist die Impfmoral eingebrochen: Von 61 Prozent (mindestens eine FSME-Impfung) im Jahr 2011 auf 44 Prozent im Jahr 2015.
Dieselbe Tendenz zeigt sich in der Steiermark, wenn man die verfügbaren Verkaufszahlen des FSME-Juniorimpfstoffs betrachtet: Zwar beziehen sie sich nur auf einen Großhandel und einen Impfstofferzeuger, aber bei diesem sind die Verkaufszahlen innerhalb weniger Jahre auf die Hälfte gesunken. „Das ist ein Indiz dafür, dass möglicherweise deutlich weniger FSME-Kinderimpfstoff gekauft wird“, kommentiert der Präsident der steirischen Apothekerkammer, Gerhard Kobinger.
Die beste FSME-Durchimpfungsrate verzeichneten im vergangenen Jahr übrigens die 20–29-Jährigen, gefolgt von den 60–69-Jährigen. Die jungen Erwachsenen sind vermutlich die Nutznießer der Impfkampagnen der 1980er-Jahre.

Schwierige Datenlage

In der Steiermark werden die kindlichen FSME-Erkrankungen seit 2009 elektronisch erfasst. „2009 und 2010 gab es keine FSME-Erkrankung bei Kindern, im Jahrfünft danach infizierten sich 7 Kinder, davon zwölf im Alter von 0–6 Jahren“, berichtet Marianne Wassermann-Neuhold von der Landessanitätsdirektion. Die Gesamtzahl steirischer FSME-Erkrankungen ist in den Vergleichszeiträumen 2006–10 beziehungsweise 2011–15 gleich geblieben (jeweils 82 Fälle), der Anteil der Kinder dürfte also zugenommen haben. „An der Grazer Klinik verzeichnen wir keinen auffallenden Anstieg“, sagt Werner Zenz, Leiter der Forschungseinheit für Infektiologie und Vakzinologie an der Meduni Graz. Selbstverständlich sei trotzdem weiterhin auf eine hohe Durchimpfungsrate zu achten.
Der Leiter des Impfreferates der ÖÄK, Jörg Pruckner, vermutet, dass die Zunahme gerade bei kindlichen FSME-Erkrankungen ein Abbild der sinkenden Impfmoral sei. „Erwachsene haben selbst ohne korrekte Auffrischungsimpfung häufig einen Rest an Antikörpern. Kinder, die nie geimpft wurden, verfügen über keinerlei Schutz.“
Die 17 steirischen FSME-Fälle bei Kindern im vergangenen Jahrfünft machen gut 28 Prozent der österreichischen FSME-Fälle von 0 bis 14 Jahren aus – bei nur rund 14 Prozent Bevölkerungsanteil. Die Steiermark bleibt daher besonders gefährdet. Wobei die absoluten Erkrankungszahlen meist nur um die 20 pro Jahr liegen. Seit 2013 ist auch eine Verlagerung des Virus in Richtung Westen (Tirol, OÖ) zu beobachten. Was fast in Vergessenheit geraten ist: Auch der Genuss roher Ziegenmilch kann zur Infektion führen (2 Fälle 2015).

Schutz für Neugeborene

Empfohlen wird die FSME-Impfung explizit auch für Frauen, die eine Schwangerschaft planen, denn bei Neugeborenen geimpfter Mütter konnten Antikörper nachgewiesen werden. Als Schutz für die ersten Lebensmonate vor der – hoffentlich vorgenommenen – ersten eigenen Impfung.

Zecken: Kontrolle ist gut, aber Impfvorsorge ist besser. Bei Kindern sinkt aber die Quote besorgniserregend.

Erwachsene haben selbst ohne korrekte Auffrischungsimpfung häufig einen Rest an Antikörpern. Kinder, die nie geimpft wurden, verfügen über keinerlei Schutz.
Jörg Pruckner

 

Foto: Fotolia, ÖÄK, Shutterstock




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