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„Ich will etwas Besseres“

Innovation in der Primärversorgung braucht Vielfalt. Andrea Siebenhofer-Kroitzsch, die seit einem Jahr das Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung an der Meduni Graz leitet, will dafür alle Player an einen Tisch bekommen.

Seit einem Jahr gibt es das Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung an der Meduni Graz. Und seit einem Jahr leitet und baut Andrea Siebenhofer-Kroitzsch es auf. Ein „Zufall“ war es, der sie zur wissenschaftlichen Befassung mit der Allgemeinmedizin gebracht hat. 2005 übernahm die habilitierte Fachärztin für Innere Medizin gemeinsam mit Karl Horvath die wissenschaftliche Leitung der Research Unit „EBM Review Center“ an der Meduni Graz.
2009 wechselte sie an die Goethe-Universität Frankfurt als stellvertretende Direktorin und Leiterin des Arbeitsbereichs „Chronische Krankheit und Versorgungsforschung“ am 1979 gegründeten Institut für Allgemeinmedizin. „Es ist eines der besten und größten Institute Deutschlands“, sagt Siebenhofer-Kroitzsch. Auch nach ihrer Rückkehr an die Meduni Graz behielt sie eine Teilzeitprofessur in Hessen, wo sie in den fünf Jahren rund 1,8 Millionen Euro an Forschungsmitteln lukrieren konnte – „industrieunabhängige Forschungsmittel“, wie sie betont. Viel von dem, was sie in Hessen gelernt hat, kommt ihr jetzt beim Aufbau des Grazer Instituts zugute. Ein Dutzend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat es, die alle sehr unterschiedliche wissenschaftlich-medizinische Karrieren vorweisen können.


Hausärztinnen und Hausärzte fragen

Sehr früh startete sie einen Aufruf an alle niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte der Steiermark. Über 140 Rückmeldungen bekam sie, mit teils sehr konkreten Vorschlägen für Forschungsfragen. Weil sie selbst keine Allgemeinmedizinerin ist, und schon gar keine niedergelassene, gehört es zu ihrem Selbstverständnis, auf die in diesem Bereich erfahrenen Kolleginnen und Kollegen zu hören. „Dieser Austausch mit den Hausärzten ob der Relevanz von neuen Forschungsideen ist absolut wichtig. Schon in meiner Zeit am Institut für Allgemeinmedizin in Frankfurt habe ich das dort seit Jahren bestehende Forschungsnetzwerk Allgemeinmedizin Frankfurt (ForN) mit über 100 akkreditierten forschungsinteressierten Hausarztpraxen als wichtigen Partner meiner Projekte schätzen gelernt. Und es waren viele Projekte, die wir gemeinsam erfolgreich abwickeln konnten.“
Gleichzeitig aber bringt sie ihr Know-how als Klinikerin und Forscherin ein – und bricht eine Lanze für den zweiten Teil der Institutsbezeichnung, die evidenzbasierte Medizin.


EBM als Trias

Den Begriff „Evidenzbasierte Medizin“ versteht sie dabei als Trias aus wissenschaftlicher Validität, praktischer Erfahrung („Meist hat der Arzt ja recht“), verbunden mit der Patienten-Compliance. EBM soll als Stütze praktisch tätiger Ärzte bei diagnostischen und therapeutischen Entscheidungen dienen und Grundlage für Versorgungsentscheidungen im Gesundheitsbereich sein. „Vergleichbar mit den Aufgaben des Konsumentenschutzvereins mit Stiftung Warentest – nur halt im Gesundheitsbereich“, sagt Siebenhofer-Kroitzsch.
Unterschiedliche Lösungen
Der politischen Debatte um die Primärversorgung in Österreich nähert sie sich pragmatisch und in Äquidistanz zu den unterschiedlichen Interessen. „Ich will etwas Besseres“, sagt sie, es müsse praktisch funktionieren und sei nur „Schritt für Schritt“ zu erreichen. Das könne auch zu unterschiedlichen Lösungen in verschiedenen Regionen führen.
Für den Auftraggeber Hauptverband hat sie mit ihrem Institut die „Erstellung eines Master-Evaluationskatalogs für österreichische PHC-Einrichtungen“, basierend auf internationaler Literatur, übernommen. Eine am Grünen Tisch fern der Realität entworfene Primärversorgungs-Vision ist aber nicht ihre Sache. Eine Untersuchung bestehender, innovativer Primärversorgungsmodelle in der Steiermark mit dem verheißungsvollen Titel „In Primo“ ist vor der Fertigstellung. Simple Forschungsfrage: Was gibt es schon – wer macht annähernd so etwas wie ein Primärversorgungszentrum, schon längst, bevor es das dafür umstrittene PHC-Gesetz gibt?


Zukunftskonferenz

Diesem dialogorientierten Zugang bleibt sie treu. Nächstes Projekt ist die zweitägige Zukunftskonferenz „Innovative Modelle in der Primärversorgung“ im April. Dort sollen steirische, österreichische und internationale Modelle vorgestellt werden.
Eine der Referentinnen wird Antje Erler sein, die mit Siebenhofer-Kroitzsch am Frankfurter Institut für Allgemeinmedizin tätig ist und dort den Arbeitsbereich „Innovative Versorgungsformen und Gesundheitssystemforschung“ leitet. Über die Online-Plattform www.innovative-gesundheitsmodelle.de  präsentiert die Forscherin rund 50 unterschiedliche deutsche Modelle in verschiedensten Konstruktionen mit verschiedenen inhaltlichen Schwerpunkten. Ziel ist es, erfolgreiche Modelle, Ansätze und Ideen auch für andere Regionen nutzbar zu machen sowie „modellbietende“ und „modellsuchende“ Gesundheitsakteure besser zu vernetzen.
Aber es geht nicht nur um Input: Geplant sind ein offener Workshop zur Primärversorgung in 20 Jahren und die Gründung eines „Österreichischen Forums Primärversorgung“. Mit dieser Konferenz, so die Hoffnung von Siebenhofer-Kroitzsch, soll es gelingen, „alle Player an Bord“ zu holen, die Hausärztinnen und Hausärzte an den Tisch zu bekommen und so mehr Einblick in die Primärversorgung zu schaffen. So könne „wirklich etwas Praktisches“ entstehen, ist die Leiterin des Grazer Allgemeinmedizin-Instituts überzeugt.


Zitate:
Sehr früh startete sie einen Aufruf an alle niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte der Steiermark. Über 140 Rückmeldungen bekam sie, mit teils sehr konkreten Vorschlägen für Forschungsfragen.
„EBM ist so etwas wie Konsumentenschutz, der Beweis, dass wir das Richtige tun.“
Andrea Siebenhofer-Kroitzsch
Was gibt es schon – wer macht annähernd so  etwas wie ein Primärversorgungszentrum, bevor es das umstrittene PHC-Gesetz gibt?

Foto: IAMEV
Das Team am Institut für Allgemeinmedizin und Evidenzbasierte Versorgungsforschung (v. l. n. r.): Nicole Posch, Klaus Jeitler , Andreas Domke, Elisabeth Schallmajer, Karl Horvath, Thomas Semlitsch, Andrea Siebenhofer-Kroitzsch, Stefan Korsatko (assoziiert), Reinhild Höfler, Muna Abuzahra, Florian Stigler, Ulrike Spary-Kainz, Stephanie Poggenburg.

Foto Siebenhofer-Kroitzsch: Conclusio




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