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„leadership.medizin.zukunft“
25.11.2017, ab 09:30 Uhr

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„In der Zusammenarbeit entstehen unvorstellbare Lösungen!“

Als harmonisches Team schufen Ärztin Ulrike Meixner und Architektin Astrid Wildner-Kerschbaumer in Leoben-Donawitz eine barrierefreie allgemeinmedizinische Praxis. Der knappe Raum wurde zum Kreißsaal innovativer Lösungen.

U. Jungmeier-Scholz

Eine steile Stiege vom Innenhof in die Praxis, ein recht enges Gangsystem und eine schmale Toilette. Als Ulrike Meixner ihre zukünftigen Praxisräume in Leoben-Donawitz erstmals sah, war ihr sofort klar, dass sie einen größeren Umbau vornehmen wollte.

„Ich habe mir vorgenommen, das Optimum aus den vorhandenen 104 Quadratmetern herauszuholen, die Praxis patientenfreundlich und barrierefrei zu gestalten und durch ein neues Raumsystem möglichst kurze Arbeitswege zu errichten“, sagt die Allgemeinmedizinerin und Lungenfachärztin. Wenn schon Umbau, beschloss sie, dann richtig. Barrierefreiheit war für sie dabei eine Selbstverständlichkeit – obwohl auch ihr zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz klar war, was außer Schwellenlosigkeit noch alles damit verbunden sein kann.

Mit ihrem Anliegen wandte sie sich an Astrid Wildner-Kerschbaumer, die als Architektin auf eineinhalb Jahrzehnte Erfahrung mit barrierefreier Gestaltung von Bauten zurückblickt.

Totalumbau in 6 Wochen

Für die Praxis von Ulrike Meixner benötigte die Architektin gut zwei Monate Planung, dann war der Umbau in sechs Wochen geschafft.

„Ich hatte mit einer längeren Vorlaufzeit gerechnet“, gesteht Meixner. Denn es musste nicht nur der Zugang vom Innenhof in den Halbstock komplett neu errichtet werden – aus der alten Stiege wurde ein Podest, das sowohl über Stufen als auch über eine Rampe erreichbar ist –, sondern auch die komplette Praxis entkernt. „Sämtliche Zwischenwände bis auf zwei tragende sind gefallen“, erklärt die Architektin.

Damit waren nicht nur die Voraussetzungen für das schwellenlose Raumsystem der kurzen Wege geschaffen, sondern auch für einige andere Maßnahmen der Barrierefreiheit: Das neue Patienten-WC bietet nun genügend Platz für Rollstuhlfahrer, die vorgeschriebenen Türbreiten wurden von Beginn an überall berücksichtigt und auch der Empfangsbereich wurde in Hinblick auf Kinder, kleine Menschen und Rollstuhlfahrende mit einem speziell dafür konzipierten schwenkbaren Tisch ausgestattet.

Für Empfangstresen gebe es eigentlich noch bessere Lösungen, erwähnt die Architektin, aber die hätten im Wartezimmer zu viel Platz gekostet. Ohne Kompromisse geht es eben nicht.

„Auch aus diesem Grund ist es so wichtig, bei der Planung einer barrierefreien Ordination mit Spezialisten zusammen zu arbeiten“, betont Meixner. „Im Zuge unserer Zusammenarbeit sind Lösungen entstanden, von denen ich vorher keine Vorstellung gehabt hätte.“

Kleine Änderung, große Wirkung
Nicht selten bringen auch kleine Änderungen den Patienten große Erleichterungen: Schiebetüren, große, dunkle Beschriftungen auf hellem Grund und ausreichend Kontrast zwischen Boden und Wandfarbe für Sehbehinderte sowie rutschfeste Böden für Rollstuhlfahrer.

Um herauszufinden, wie die in Frage kommenden Bodenbeläge auf starke Beanspruchung reagieren, unterzog Ulrike Meixner die Musterplatten kurzerhand einem Stresstest am Garteneingang ihrer Privatwohnung.
Menschen mit jeder Form von besonderen Bedürfnissen sollen die Ordination nicht nur erreichen können, sondern sich darin willkommen fühlen, darauf legt sie großen Wert. Im Warteraum der Praxis gibt es daher zwei Stellplätze, die wahlweise von Rollstühlen oder Kinderwagen besetzt werden können. Die Sitzhöhe der Bestuhlung ist auf die Wünsche älterer PatientInnen abgestimmt, Armlehnen erleichtern das Aufstehen.

Kinder hingegen bevorzugen meist die Sitzbank. An der Garderobe gibt es niedrige Haken für Kinder und Menschen im Rollstuhl.

Die größte Hürde barrierefreier Umbauten – auch finanzieller Natur – bleibt meist der stufenlose Zugang. Hier hatte Ulrike Meixner das Glück, eine alternative Lösung zur vorhandenen Stiege errichten zu können, ohne teure Liftanlagen. Architektin Wildner-Kerschbaumer schätzt, dass die zusätzlichen finanziellen Aufwendungen, die durch die Barrierefreiheit entstanden sind, sich auf rund zwanzig Prozent der gesamten Umbaukosten belaufen.

„Aus meiner Sicht hat sich der Totalumbau jedenfalls gelohnt“, resümiert Ulrike Meixner. „Gutes Arbeiten ist nur unter optimalen Bedingungen möglich, und die haben wir geschaffen.“

Durchwegs positiv war auch das Echo der Patientinnen und Patienten auf die Veränderungen. Viele kannten die Ordination schon von Meixners Vorgänger und waren erstaunt, wie sich die Räume verändert haben. Unbeabsichtigt, aber durchaus zur Freude der Ärztin, hat der barrierefreie Umbau auch den Kindern in der Umgebung neue Möglichkeiten eröffnet: Ist die Praxis geschlossen, nutzen sie die Rampe zum Skateboarden.
 




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