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25.11.2017, ab 09:30 Uhr

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„Wir hatten auch ein Riesenglück“

25 Jahre Grazer Fortbildungstage. Paul Pavek, der sie mit aus der Taufe gehoben hat, spricht über die Erfolgsrezepte eines der wichtigsten Fortbildungskongresse im deutschsprachigen Raum.

Von Martin Novak
Die Grazer Fortbildungstage sind 25. Erfinder waren der viel zu früh verstorbene, langjährige Fortbildungsreferent Michael Hasiba und sein Co-Referent Paul Pavek. Alles begann damit, dass Hasiba, niedergelassener Allgemeinmediziner im oststeirischen Strallegg, als gerade bestellter steirischer Fortbildungsreferent seinen Weizer Kollegen und Internisten, Pavek, für die Mitarbeit begeistern konnte. Pavek, der als Arzt am Klinikum und auch als niedergelassener Internist eine starke Affinität zur Fortbildung hatte, sagte zu. Beide waren sich einig: Es sollte sich einiges ändern.

Mutige Entscheidung

Am Anfang der Grazer Fortbildungstage stand, so Pavek, „eine mutige Entscheidung“: der Wechsel vom traditionsreichen Kongressort Bad Gleichenberg nach Graz. Damit waren die Grazer Fortbildungstage geboren. Im ersten Jahr übte man sich noch in Bescheidenheit. Über die Beziehungen Paveks wurde der Hörsaal der Medizinischen Universitätsklinik zur Verfügung gestellt. Und war schon nach dem ersten Jahr zu klein.

Denn mehr als 500 TeilnehmerInnen kamen – in Bad Gleichenberg war man zuletzt über 100 schon froh gewesen. Im darauffolgenden Jahr aber gleich in den Grazer Congress zu übersiedeln, war wegen der hohen Kosten dennoch ein Risiko. Der Coup gelang. 780 TeilnehmerInnen standen auf der Habenseite.

Qualität wird bewundert

Aber was machte den Erfolg, der bis heute anhält, aus? „Wir haben uns von vornherein um internationale Referenten aus dem deutschsprachigen Raum bemüht, da haben mir meine guten Kontakte zum Bund Deutscher Internisten geholfen“, sagt Pavek. Ein guter Teil der weitgehend hochrangigen Referentinnen und Referenten kommt aus Deutschland, dazu kommen Kontakte in die Schweiz und nach Südtirol.

Auch TeilnehmerInnen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum prägen den Charakter der Fortbildungstage. „Wir sind ein deutschsprachiger Kongress und wollen das auch bleiben“, betont Pavek. Das werde auch von den BesucherInnen goutiert. Die Grazer Fortbildungstage gefallen aber auch den ReferentInnen. „Die Qualität wird bewundert, wir bekommen jedes Jahr viele Anfragen von deutschen Professoren, die sich als Referenten zur Verfügung stellen wollen.“

Das Prinzip: nicht nur große Plenarveranstaltungen, sondern auch viele und immer mehr kleine Seminare, dazu Angebote auch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die ZuhörerInnen werden aktiv eingebunden, Interaktion wird bei den Fortbildungstagen großgeschrieben.

Außergewöhnlich war immer auch das Begleitprogramm. Hasiba und Pavek, beide Liebhaber der klassischen Musik (Pavek: „Ich spiele täglich selbst Klavier.“), luden immer attraktive Interpreten ein, oft Künstlerinnen und Künstler von Weltrang. Im wahrsten Sinne des Wortes klingende Namen sind darunter: Elisabeth Leonskaja, Oleg Maisenberg und Paul Gulda konnten unter anderem als Künstler-Innen gewonnen werden. Besonders stolz ist Pavek auf das Engagement des Mozarteum Jugendorchesters.

K(l)eine Barrieren

Einen weiteren Schub in Sachen Qualität bekamen die Grazer Fortbildungstage, als Hermann Toplak, der heutige Leiter des Fortbildungsreferats, zum Team stieß und seine Expertise einbrachte. Auch nicht unerheblich: eine schlanke Kongressorganisation, ermöglicht durch das kompetente Team der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Fortbildungsreferat, seit Jahren unter der Leitung von Mirko Franschitz. Dafür, dass die Fortbildungstage auch wirtschaftlich funktionieren, sorgt die gute Zusammenarbeit mit den Sponsoren aus der Pharmaindustrie. Sie erlaubt es auch, dass die Grazer Fortbildungstage trotz aller Qualität einer der günstigsten Kongresse überhaupt sind. 55 Euro kostet derzeit die Wochenkarte. „Normalerweise sind Kongresse, auch wenn sie nur wenige Tage dauern, unter 200 bis 300 Euro nicht zu bekommen“, sagt Pavek, der selbst jedes Jahr mehrere besucht. Damit seien „die Barrieren für junge Ärzte klein.“

Im letzten Jahr wurden bereits mehr als 1.600 Gäste gezählt, die 1000-er Marke war schon im Jahr 1996 gefallen. Aber, so Pavek, Quantität sei nicht alles, „das haben wir immer betont“.

Fortbildungsverpflichtung

Und so ist die Erfolgsstory der Grazer Fortbildungstage sicher noch nicht zu Ende geschrieben. Das Grundgerüst wird beibehalten, aber „ständige Erneuerungen“ (Pavek), sorgen dafür, dass der Kongress frisch und attraktiv bleibt. Trotz steigender Konkurrenz hätten sich die TeilnehmerInnen – anders als befürchtet – immer nach oben entwickelt.

Hilfreich könnte es durchaus sein, dass die Bedeutung der Fortbildung in den letzten Jahren weiter gestiegen sei: „Michael Hasiba und ich haben immer für eine verpflichtende Fortbildung gekämpft“, sagt Paul Pavek. Mit der neuen Fortbildungsverordnung sei diese nun Wirklichkeit.

Eines gibt Pavek auch zu: „Wir hatten auch ein Riesenglück.“


Mit nichts zu vergleichen

Die „Grazer Fortbildungstage“ vom 6. bis 11. Oktober sind ein besonderes Jubiläum: Zum 25. Mal werden an sechs Tagen rund 1.600 Ärztinnen und Ärzte aus ganz Österreich rund 14.000 Fortbildungspunkte erwerben.

Von Hermann Toplak
Dass diese Fortbildungsveranstaltung über die Grenzen von Graz und der Steiermark hinaus für MedizinerInnen aus dem gesamten Bundesgebiet Jahr für Jahr so beliebt geworden ist, ist vor allem einer Person zu danken: Michael Hasiba hat vor 25 Jahren, gemeinsam mit den Kollegen Paul Pavek und Franz Rainer, diese Tagung aus Bad Gleichenberg nach Graz geholt. Michael Hasiba, 2005 leider viel zu früh verstorben, ist damit als Erfinder der „Grazer Fortbildungstage“ besonders hervorzuheben. Als Fortbildungsreferent hat er von 1989 bis 2003 dieser Tagung gemeinsam mit den jeweiligen Co-Referenten auch seinen persönlichen Stempel aufgedrückt. Sein Credo war es, Fortbildung für Ärztinnen und Ärzte aller Fachbereiche anzubieten, um einerseits Wissen, Kenntnisse und Fertigkeiten auf- und auszubauen, aber auch andererseits unentdeckte Bedürfnisse zu wecken. „Wissen, was man nicht weiß“, lautete sein Zugang. Diese Fortbildungswoche ist heute genauso beliebt wie vor 25 Jahren. Sie ist sicherlich die am besten besuchte dieser Art in Österreich und mit keiner anderen zu vergleichen.

Ein Schwerpunkt, der in diesem Jahr im Plenar-Vortragsprogramm gesetzt wurde, sind die „Unterschiede in der Therapie im Lebensverlauf“. „Das ist ein enorm wichtiges Thema, bei dem es – je nach Lebensalter – oft komplett unterschiedliche Ansätze zu berücksichtigen gibt“, sagt Kongressleiter Paul Pavek. Auch 2014 ist es wieder das Ziel, dass im Plenarprogramm in knapper und prägnanter Form aktuelles Wissen vermittelt wird und die Themen in den zahlreichen Workshops vertieft werden. Viele der Kurse und Seminare sind Klassiker, die ein regelmäßiges Update erfordern.

Da Medizin auch Heil-„Kunst“ ist, werden die Fortbildungstage mit einem musikalischen Auftritt des „Girardi Ensembles“ abgerundet: Am 9. Oktober sind im Kammermusiksaal im Grazer Congress Werke von Mozart, Haydn und Schubert zu hören. In der Pause gibt es den Empfang des Grazer Bürgermeisters Siegfried Nagl. Karten für alle Programmpunkte gibt es unter www.grazerfortbildungstage.at.

Univ.-Prof. Hermann ist Fortbildungsreferent der Ärztekammer Steiermark.

Plenarthemen bei den Grazer Fortbildungstagen 2014

8. Oktober (Abend): „Chirurgisch-internistische Schnittstellen in der Praxis“  (Hörsaalzentrum MUG)
9. Oktober (Vormittag): „Screening auf maligne Erkrankungen – Pros & Cons“  (ab Donnerstag im Congress Graz)
9. Oktober (Nachmittag): „Wieviel und welche Diagnostik bei...“
10. Oktober (Vormittag): „Unterschiede in der Therapie im Lebensverlauf“
10. Oktober (Nachmittag): „Suchtprobleme im Lebensverlauf – mit Praxistipps“
11. Oktober (Vormittag): „Pharmakotherapie 2014: Was ist gesichert, was ist obsolet?“




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