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Kommunikationsversagen

Offene Worte in den Offenen Räumen der Ärztekammer für Steiermark. Der ELGA-Diskussionsabend zeigte eindeutig: Die Informationspolitik der Betreiber hat bis jetzt versagt.

„Achtung ELGA!“, unter diesem Motto stand Ende Februar ein Abend in der Ärztekammer für Steiermark. Als Diskutanten konnte Präsident Herwig Lindner Dr. Hans Zeger, Präsident der ARGE Daten, Univ.-Prof. Dr. Karl Peter Pfeiffer, eHealth-Beauftragter des Landes Steiermark, Dr. Ernest Pichlbauer, Experte für Gesundheitspolitik und strategische Planung und OA Dr. Dietmar Bayer, Facharzt für Psychiatrie und Psychosomatische Medizin, Allgemeinmediziner und Präsidialreferent der Ärztekammer Steiermark am Podium begrüßen. Moderiert wurde die Veranstaltung von AERZTE Steiermark-Chefredakteur Martin Novak. 

Dass ELGA „polarisiert“ merkte Lindner, der sich „nicht gegen ELGA“, sondern für ein „sinnvolles Datensystem ausspricht“, schon in seinen Eingangsworten an, den Beweis erbrachten die folgenden rund zwei Stunden. Einig waren sich die anwesenden Diskutanten in dem Punkt, dass es von Seiten der ELGA-Betreiber wenig bis gar keine Informationspolitik zum Projekt gibt. „Es werden heute die gleichen Argumente vorgebracht wie vor zehn Jahren. Das ist ein ganz klares Kommunikationsversagen der Politik“, führte Pichlbauer an. Sorgen äußerten die anwesende Ärzteschaft, und auch ein Teil der Diskutanten, hinsichtlich der Verwendung des Systems: Ein großer Teil befürchtet, dass ELGA ein Instrument zur „Systemkontrolle“ werde. So wie es im Moment aufgebaut ist, „wäre es das ideale System für ein Controlling“, bestärkt Zeger diese Befürchtungen. Bayer merkte an, dass „ELGA eine riesige Schuhschachtel voller PDF-Dateien ist, welches den gläsernen Arzt für das System erschafft“.
Kritikpunkte
Dass der Unmut unter den Ärztinnen und Ärzten im Moment groß ist, zeigten weitere Wortmeldungen: „Man ist aus den Erfahrungen der letzten Jahre angefressen, die Betreiber hätten vorher die Usability festlegen und nicht das Pferd von hinten aufzäumen sollen.“ Weiters: „Keiner der Betreiber hat eine Ahnung, was im Sprechzimmer passiert. Die sollen uns einmal einen Tag lang über die Schulter schauen.“ Weitere Kritikpunkte zum jetzigen Stand des Projektes waren auch das „situative Widerspruchsrecht“ und dass anstelle eines „Opt-out“- ein „Opt-in-System“ hätte installiert werden müssen, also eine Anmeldung der Patientin/des Patienten zum System und keine Abmeldung. Ärztinnen und Ärzte berichteten, dass viele der PatientInnen im Moment verunsichert sind und teilweise „70 bis 90 Prozent“ der PatientInnen nach dem Gespräch aus ELGA austreten wollen.

Ein drastisches Bild zeichnete am Ende der Veranstaltung Dietmar Bayer: „ELGA droht ein Zusammenbuch wie der ehemaligen Sowjetunion. Es ist für mich kein Systemnutzen für die Ärzteschaft sichtbar.“

Kommentar von Ärztekammer Steiermark-Präsident Herwig Lindner
Versagen der ELGA-Information

ELGA ist ein Informations-(Technologie)-Projekt. Also darf man erwarten, dass die Information funktioniert. Aber im Gegenteil: ELGA-Gesellschaft und Minister bejubeln das Ergebnis einer selbst beauftragten Umfrage, obwohl diese alarmierend ist: Weniger als ein Jahr vor der ELGA-Realität kann nur eine von neun befragten Personen erklären, was ELGA bedeutet und was die Vorteile und Nachteile sein können. Angesichts dieses Resultats kehrt sich ein weiteres Ergebnis, nämlich dass 40 Prozent ELGA eindeutig als Fortschritt betrachten, gegen sich selbst: Der Wert einer Zustimmung zu etwas, das man nicht kennt, ist nichtig.

Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, dass die ELGA-Verantwortlichen das Projekt als Propaganda-Schlacht angelegt haben. Kein Statement kommt ohne unqualifizierte Angriffe gegen die Ärzteschaft aus. Menschen, die aus Besorgnis über die Qualität des Datenschutzes ausgestiegen sind, wird suggeriert, sie handelten verantwortungslos, obwohl sie nur ihre gesetzlich verbrieften Rechte ausüben.

Statt Propaganda erwarten wir sachliche Information. Dass die E-Medikation von ELGA keine Wechselwirkungsprüfung enthält – die eines der stärksten Pro-Argumente war – aus den rechtlichen Bestimmungen herauslesen zu müssen oder aus einem Buch, das es nur zu kaufen gibt, ist ein kommunikativer Kunstfehler.

Dass die weggefallene E-Wechselwirkungsprüfung mit einer Kostenersparnis von jährlich 6,7 Millionen Euro aufgeführt wird, dass es keine Gesamtkostenrechnung gibt, die Investitionen bei niedergelassenen ÄrztInnen und in Krankenhäusern berücksichtigt, dass völlig unklar ist, wie das situative Widerspruchsrecht und die zugehörige Aufklärung zu handhaben sind, dass so manche ELGA-„Vorteile“ längst Realität sind, weil Ärztinnen und Ärzte nicht in der Computer-Steinzeit arbeiten, nährt die Skepsis.

Herr Minister, liebe ELGA-Verantwortliche: Beschimpfen Sie die Ärztinnen und Ärzte nicht, überzeugen Sie uns. Wenn Sie das nicht können, liegt es vielleicht doch an ELGA in der derzeitigen Form – und nicht an den Ärztinnen und Ärzten.

 

Fotocredit: Ärztekammer Steiermark / Schiffer




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