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Verborgene Ängste und Ungewissheiten

„Close Link“ war Bestandteil des diesjährigen Kulturfestivals „steirischer herbst“. Es ging dabei unter anderem um die Nahebeziehung zu WachkomapatientInnen.

Von Franz Niegelhell

Angehörige von WachkomapatientInnen leiden daran, dass sie nicht wissen können, wie es mit den Ihren weitergeht. Ungewissheit und Angst sind daher ständige Begleiter. Man kann der Patientin/dem Patienten nicht helfen, und die Hoffnung auf gute Nachricht und Ängste vor schlechten wechseln einander ab. Es sind Extremsituationen, die kaum Platz im öffentlichen Bewusstsein haben. Primarius Gerald Pichler ist Fachmann für diese Zusammenhänge. Er ist Vorstand der Neurologie am Grazer Geriatrischen Gesundheitszentrum, der Albert-Schweitzer-Klinik. Heuer beteiligte er sich an einem Kulturprojekt, bei dem diese Aspekte untersucht wurden.

Das Projekt „Close Link“ von „hoelb / hoeb“ (Barbara Hölbling und Mario Höber) war Bestandteil des Kulturfestivals „steirischer herbst“ in Graz. Dabei standen Menschen im Mittelpunkt, die sich wegen einer Krankheit in einer Art Isolation befinden. Und es ging um Situationen für sie und ihre Angehörigen, die sich daraus ergeben.

„Close Link“ konfrontiert Besucherinnen und Besucher mit ihren eigenen, ganz persönlichen, unerforschten Beziehungswelten“ heißt es auf der Homepage des steirischen herbstes. In verschiedenen Installationen konnte man sich diesem Thema nähern. Dabei ging es um die Nahbeziehungen zu Wachkomapatienten ebenso wie zu Menschen, die mit geistiger oder körperlicher Beeinträchtigung leben, oder zu demenzkranken Personen. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf dem eigenen (dem der AusstellungsbesucherInnen, Verwandten, Angehörigen) Empfinden und dem Umgang damit.

Im Gespräch mit AERZTE Steiermark spricht Pichler über das Projekt. Dabei geht er auch auf die Frage ein, was wir denn heute verdrängen.
Pichler: Ich denke, das Projekt Close Link bietet den Menschen die Möglichkeit, sich mit einem Thema auseinanderzusetzten, indem es die Besucher mit dieser Thematik auf engsten Raum konfrontiert. Dabei werden sicherlich verborgene Ängste und Ungewissheit wachgerufen. Durch die Begleitung der professionellen Projektteilnehmer wurden die Besucher dabei bestmöglich begleitet und unterstützt.

Was hat Sie bewogen sich „Close Link“ anzuschließen?
Pichler: Das Projekt „Close Link“ wurde mir von den Projektleitern Mario Höber und Barbara Hölbling vorgestellt. Ich sah es als gute Möglichkeit, „Wachkoma“ „zum Thema“ zu machen und der breiten Öffentlichkeit näherzubringen. Die Teilnahme eines großen und ständig wechselnden interdisziplinären Teams schien hierbei besonders zielführend. So beteiligten sich daran Ärzte, diplomiertes Krankenpflegepersonal, Therapeuten der Albert-Schweitzer-Klinik Graz und auch ehrenamtliche Mitarbeiter der „Initiative für Menschen im Wachkoma“. Dieser auf Ehrenamt basierende Verein wurde 2002 gegründet und stellt die Steirische Landessektion der Österreichischen Wachkomagesellschaft dar.


Wie waren Ihre Erfahrungen?Pichler: Wir bemerkten bald, dass von Seiten der Besucher großes Interesse an dieser Thematik bestand. Der direkte Austausch mit Besuchern, aber auch mit den anderen Projektteilnehmern, brachte durchaus interessante Diskussionen und auch neue „externe“ Perspektiven in unser Team.

Welche Vorteile sehen Sie als Fachmann an solchen Schnittstellen zwischen Kunst und Wissenschaft? Hier wurden ja Allianzen zwischen Medizinern, Angehörigen von Patienten und Künstlern eingegangen.
Pichler: Mit der Vereinigung von Kunst, Wissenschaft und sozialer Praxis in einen Raum entstehen neue befruchtende Einflüsse für alle Teilnehmer und auch die Möglichkeit für zukünftige Netzwerke bzw. Kooperationen. Die dabei entstandene umfassende Sichtweise zu dieser Thematik bildet auch eine gute Basis für interessierte Besucher, sich diesem Thema zu nähern.

In Ihrer Abteilung für Neurologie haben Sie Betreuungssysteme, die sich den Bedürfnissen Demenzkranker Personen widmen, und Sie bemühen sich um die Reintegration von Menschen im Wachkoma. Was hat es damit auf sich?
Pichler: Wir sind am Aufbau eines Betreuungssystems, das entsprechend der unterschiedlichen Stadien der Demenzerkrankung ein optimiertes Angebot für Betroffenen und deren Angehörige darstellt. So bieten wir seit Oktober 2013 eine Gedächtnisambulanz für ambulante Diagnosestellung, Kontrolluntersuchungen und als Info-Stelle für Angehörige an. Im Frühjahr 2014 nehmen wir ein Demenz-Tageszentrum in Betrieb. Seit 2007 gibt es für vollstationäre Behandlung eine Memory-Klinik. Reintegration von Wachkoma bedeutet, dass wir selbst Patienten, welche die herkömmliche Rehabilitationsziele wie Rückkehr in das Arbeitsleben nicht schaffen, im Sinne der Lebensqualität und der Selbstbestimmung fördern. Es geht dabei auch um einfachen Kommunikationsaufbau, z.B. mittels Augencode und somit um die Möglichkeit, auf einfache aber wichtige Fragen, z.B. auf die Frage nach Schmerzen, zu antworten.

Mehr dazu unter:  www.wachkoma-graz.at

 

Fotocredit: Stephan Friesinger, GGZ/Furgler




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