AERZTE Steiermark 10/2026

 

Fürstenfeld: Breites Spektrum abseits der Zentren

Am LKH Oststeiermark, Standort Fürstenfeld verbindet die Abteilung für Innere Medizin eine vielseitige Basisausbildung mit onkologischer Schwerpunktmedizin und einer Kultur des praktischen Tuns – in einem sehr kollegialen Umfeld.

Es sei ein häufiges Vorurteil, dass eine anspruchsvolle und umfassende Facharztausbildung in der Inneren Medizin nur an einem großen Zentrum oder einer Universitätsklinik möglich sei, sagt Peter Krippl, Ärztlicher Direktor des LKH Oststeiermark: „Unsere Erfahrung zeigt, dass dies nicht der Fall ist. Am Standort in Fürstenfeld absolvieren angehende Ärzt:innen ihre Ausbildung in einem persönlichen Rahmen, der vom ersten Tag an auf unmittelbare Einbindung und praktische Verantwortung setzt.“

Breites Spektrum

Das klinische Aufgabenfeld der Abteilung für Innere Medizin, die Krippl leitet, zeichnet sich durch eine bemerkenswerte fachliche Bandbreite aus. Ein Team von rund 40 Ärzt:innen, darunter 10 in fachärztlicher Ausbildung, deckt die internistische Akut- und Regelversorgung für die Region ab. Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei die Hämatologie und internistische Onkologie, auf die rund die Hälfte des gesamten stationären Aufkommens entfällt. Während die internistische Notaufnahme die rasche Erstversorgung des regionalen Einzugsgebiets sichert, fungiert die hämatologisch-onkologische Spezialambulanz als überregionales Versorgungszentrum für etwa ein Drittel der gesamten Steiermark. Hier werden täglich rund 70 Patient:innen ambulant betreut. Ergänzt wird dieses Spektrum durch spezialisierte Bereiche wie die Geriatrie mit Akutgeriatrie und Remobilisation, die internistische Intensivmedizin sowie eine eigene Palliativstation mit Einzelzimmern, die eine ganzheitliche und sehr persönliche Betreuung ermöglicht.

Unmittelbar erlernen

Der didaktische Vorteil dieses KAGes-Standortes liegt im direkten Zugang. Durch die Größe und Struktur der Abteilung besteht die Möglichkeit, viele diagnostische und therapeutische Tätigkeiten selbst durchzuführen, die an größeren Kliniken aufgrund der stärkeren Spezialisierung teilweise auf mehrere Abteilungen verteilt sind.

„Unsere Assistenzärzt:innen erhalten die Möglichkeit, ein breites Spektrum diagnostischer und interventioneller Fertigkeiten direkt im klinischen Alltag zu erlernen und selbstständig anzuwenden“, betont Krippl. Dazu zählen unter anderem die Endoskopie mit Gastroskopie, Koloskopie und Kapselendoskopie, das gesamte Spektrum der internistischen Ultraschalldiagnostik sowie Organpunktionen.

Aber auch kardiologische Untersuchungen, wie Schrittmacherkontrollen, 24h-Blutdruckmessungen und Langzeit-EKG zählen dazu, wie auch Lungenfunktionstests und Ergometrien zur täglichen Praxis gehören. Auf der Intensivstation werden Fertigkeiten von der Beatmung über Intubationen und die Anlage von ZVKs bis hin zur Hämofiltration und therapeutischen Bronchoskopie vermittelt, während im hämatologischen Labor die mikroskopische Befundung von Blut- und Knochenmarkspräparaten erlernt wird. „Gerade die Möglichkeit, diese Tätigkeiten nicht nur zu beobachten, sondern sie unter entsprechender Anleitung selbst durchzuführen, ist ein wichtiger Bestandteil unserer Ausbildung“, hebt Peter Krippl hervor.

Flache Hierarchien

Eine etwas längere Anreise aus dem Grazer Zentralraum gleicht der Standort durch spürbare Vorteile im Arbeitsalltag aus, so Krippl, denn die Hierarchien sind flach, die Kommunikationswege kurz und das Maß an Kollegialität hoch.

„Die Ausbildung junger Ärzt:innen ist mir als Abteilungsleiter ein ganz besonderes Anliegen“, bekräftigt er. „Wir möchten ihnen nicht nur fundiertes medizinisches Wissen vermitteln, sondern ihnen auch die Sicherheit und das Vertrauen geben, dieses Wissen im klinischen Alltag selbstständig anzuwenden. Mir ist wichtig, dass unsere jungen Kolleg:innen bei uns früh Verantwortung übernehmen können, dabei aber immer auf ein erfahrenes und unterstützendes Team zählen können.“ Diese enge Verbindung aus solider Basisausbildung, hoher Eigenständigkeit und kollegialer Begleitung schaffe die Grundlage für eine kompetente und menschliche Medizin.

 

Aus der Praxis

Für Assistenzarzt Michael Rumpf war der Einstieg am LKH Oststeiermark, Standort Fürstenfeld ein wohlüberlegter Schritt. Bereits während einer Famulatur lernte er das Haus kennen. „Besonders überzeugt hat mich die breite Ausbildungsmöglichkeit: Einerseits kann man ein umfassendes Spektrum der allgemein internistischen Medizin kennenlernen, andererseits besteht die Möglichkeit, sich vertieft mit hämato-onkologischen Fragestellungen auseinanderzusetzen“, resümiert er. Junge Kolleg:innen sollten sich bei der Wahl des Ausbildungsortes nicht allein von der Größe einer Klinik leiten lassen: „Auch in einem kleineren Haus wird Medizin auf hohem Niveau betrieben.“

Voll integriert

Die Realität vor Ort habe seine Erwartungen bestätigt, insbesondere durch das kollegiale Miteinander. Als Assistenzarzt sei man voll in die Abläufe integriert und könne rasch aktiv Verantwortung übernehmen. Dass an einem peripheren Haus nicht jede hochspezialisierte Diagnostik unmittelbar verfügbar ist, sieht Rumpf nicht als Hürde, sondern als didaktischen Mehrwert: Man lerne dadurch sehr gezielt mit vorhandenen Mitteln umzugehen und externe Strukturen bei Bedarf überlegt einzubinden. Allen, die ein besonderes Interesse an der Hämato-Onkologie mit einer fundierten Basisausbildung verbinden wollen, legt er die Abteilung im LKH Oststeiermark, Standort Fürstenfeld wärmstens ans Herz.

 

Foto: KAGes, Karl Schrotter