AERZTE Steiermark 06/2026
Teilzeit im Spital: Es geht um Betreuungspflichten
Teilzeitarbeit ist im ärztlichen Beruf kein Randthema. Besonders im Spital ist die Teilzeitquote hoch. Die Kurie Angestellte Ärzte hat im April 2026 eine Umfrage durchgeführt, um ein aktuelles Stimmungsbild einzufangen.
Teilzeitarbeit ist – quer durch alle Bevölkerungsschichten – heute eine gesellschaftliche Tatsache – und ausschlaggebend dafür sind vor allem Kinderbetreuungspflichten. Diese Realität spiegelt sich auch im Ergebnis der Umfrage, die die Kurie Angestellte Ärzte im April durchgeführt hat, deutlich wider: Teilzeitarbeit ist für viele Ärzt:innen eine notwendige Antwort auf Betreuungspflichten.
Als Hauptgründe für Teilzeitarbeit nennen 52 Prozent der Befragten Kinderbetreuung und familiäre Verpflichtungen.
Besonders häufig wird in diesem Zusammenhang das Problem der schwierigen Vereinbarkeit von Betreuungszeiten und Spitalsdienstplänen genannt. Wer Kinder betreut oder Angehörige unterstützt, stößt im Krankenhausalltag rasch an organisatorische Grenzen.
Teilzeit als Teil der Lösung
„Teilzeitarbeit ist längst gesellschaftliche Realität. Es wird Zeit, dass sich auch die Dienstgeber an die Gegebenheiten anpassen“, betont Gerhard Posch, Obmann der Kurie Angestellte Ärzte.
Auffällig ist nämlich vor allem eines: Teilzeit bedeutet im Spital häufig nicht, dass das Arbeitsausmaß halbiert wird. Die Mehrheit der Befragten arbeitet vielmehr in einem hohen Beschäftigungsausmaß. Mehr als die Hälfte – nämlich 53 Prozent – arbeitet in Teilzeit mit mehr als 30 Wochenstunden. Weitere 37 Prozent üben eine Teilzeitbeschäftigung mit einem Beschäftigungsausmaß zwischen 20 und 30 Wochenstunden aus.
„Für viele Ärztinnen und Ärzte ist Teilzeit die einzige Möglichkeit, Beruf und Familie vereinbaren zu können“, unterstreicht Michael Sacherer, Präsident der Ärztekammer für Steiermark.
Weitere 12 Prozent der Befragten geben in der Umfrage an, wegen der hohen Arbeitsbelastung im Spital in Teilzeit zu arbeiten. Teilzeit wird hier zur Schutzmaßnahme – gegen dauerhafte Überlastung, gegen Erschöpfung und gegen das Risiko, dem Beruf irgendwann gar nicht mehr nachgehen zu können.
„Dichtere“ Arbeitstage
Alarmierend ist es, dass die Reduktion der Arbeitszeit nicht automatisch auch zu einer Reduktion der Arbeitsbelastung führt. Viele Antworten in der Umfrage zeichnen hier ein deutliches Bild: Der Arbeitsalltag wird von vielen hingegen schlichtweg als wesentlich „dichter“ beschrieben, denn viele Aufgaben bleiben bestehen und was früher auf eine größere Anzahl an Stunden verteilt war, muss von Teilzeitkräften in kürzerer Zeit bewältigt werden – oder es müssen ohnehin wieder Überstunden geleistet werden, was die Idee der Teilzeit ad absurdum führt. Viele Teilzeitarbeitende berichten, dass sie trotz reduziertem Beschäftigungsausmaß regelmäßig länger bleiben, um den Arbeitsanfall zu bewältigen. Teilzeit bedeutet in der Praxis und vor dem Hintergrund des allgemeinen Personalmangels also oft: weniger vertragliche Stunden, aber nicht weniger Verantwortung.
Problematisch ist auch die Wahrnehmung von Teilzeit im beruflichen Umfeld. Viele Befragte empfinden Teilzeitarbeit als stigmatisiert. Wer reduziert arbeitet, wird mitunter als „nicht vollwertig“ oder „faul“ bzw. als nicht karriere-orientiert angesehen. Diese Haltung hat konkrete Folgen: Bei Dienstplänen, Fortbildungen, Ausbildungen und Aufstiegsmöglichkeiten fühlen sich Teilzeitkräfte benachteiligt.
Faire Rahmenbedingungen
Doch Teilzeit darf nicht zur beruflichen Sackgasse werden, warnt Kurienobmann Gerhard Posch. Schließlich werden die Fachkräfte langfristig dringend benötigt. „Die Umfrage macht deutlich: Die Diskussion über Teilzeitarbeit im ärztlichen Beruf muss differenzierter geführt werden. Es geht um Vereinbarkeit und faire Rahmenbedingungen. Wer Teilzeit im Spital ernst nimmt, muss Dienstplanung, Ausbildung und Karrierewege neu denken.“
Foto: envato_luismanuelm, Furgler, Schiffer