AERZTE Steiermark 05/2026

 

Für die Allgemein- und Familienmedizin wird ein neues Kapitel aufgeschlagen

Ab 1. Juni 2026 kann erstmals die Ausbildung zum Facharzt für Allgemein- und Familienmedizin begonnen werden. Ein bedeutender Schritt für die in diesem Bereich tätigen Ärzt:innen, die Attraktivität des Fachs und die Zukunft der medizinischen Versorgung.

„Diese Entwicklung ist weit mehr als eine formale Änderung in der ärztlichen Ausbildungsordnung“, freut sich Gerhard Posch, Obmann der Kurie Angestellte Ärzte. Die neue Facharztausbildung für Allgemein- und Familienmedizin ist eine klare Anerkennung dessen, was in diesem Bereich seit Jahrzehnten geleistet wird. Der Fachbereich ist sowohl breit gefächert als auch von hoher Verantwortung geprägt und macht die Allgemeinmedizin und Familienmedizin zu einem unverzichtbaren Bestandteil unseres Gesundheitssystems.

Zentral und unverzichtbar

Mit der neuen Facharztausbildung wird dieser Stellenwert nun strukturell sichtbarer. Die Allgemeinmedizin und Familienmedizin wird als Sonderfach verankert, in dessen Rahmen die künftigen Fachärzt:innen tätig sein werden. Das ist ein starkes Signal – nach innen in die Ärzteschaft, aber auch nach außen an Politik, Institutionen und Bevölkerung: Dieses Fach ist zentral  und für eine funktionierende Versorgung unverzichtbar.

Schlüsselrolle in der Versorgung

Unverzichtbar deshalb, weil die Fachärzt:innen für Allgemeinmedizin und Familienmedizin eine Schlüsselrolle in der Versorgung übernehmen. Sie sind die erste Anlaufstelle in der Primärversorgung, ordnen Beschwerden ein, begleiten Krankheitsverläufe und koordinieren außerdem als zentrale Ansprechpersonen weitere Behandlungsschritte. Damit kommt ihnen auch eine wesentliche Funktion in der Patientenlenkung zu.

Und diese Rolle wird immer wichtiger. „Verbindliche Patientenlenkung heißt: die richtigen Patient:innen zur richtigen Zeit zum richtigen Arzt“, so der Kurienobmann. Dies sei dringend notwendig, um die Spitalsambulanzen zu entlasten und die Versorgungsqualität zu erhalten. Hier besteht dringender Handlungsbedarf und aus diesem Grund müssen dafür im Bereich der Allgemeinmedizin auch die passenden Ressourcen zur Verfügung stehen.

Gatekeeper-Funktion

Die sogenannte Gatekeeper-Funktion des hausärztlichen Bereichs ist für ein modernes Gesundheitssystem von großer Bedeutung. Sie hilft, Patientenströme sinnvoll zu steuern, unnötige Wege zu vermeiden und spezialisierte oder spitals-ambulante Strukturen dort einzusetzen, wo sie tatsächlich erforderlich sind. Gute Primärversorgung schafft Orientierung – für jene, die ärztliche Leistungen in Anspruch nehmen, ebenso wie für das gesamte System.

Attraktivität des Fachs erhöht

Besonders wichtig ist dabei auch der Blick auf die nächsten Generationen. Die Einführung des Facharztes für Allgemeinmedizin und Familienmedizin erhöht die Attraktivität dieser Fachrichtung für künftige Ärzt:innen. „Das darf nicht unterschätzt werden. Gerade angesichts der demografischen Entwicklung, der steigenden Zahl chronisch kranker Patienten und des wachsenden Versorgungsbedarfs braucht unser Gesundheitssystem engagierte Kollegen, die sich bewusst für die Allgemeinmedizin und Familienmedizin entscheiden“, unterstreicht Gerhard Posch.

Bestimmungen

Parallel zur neuen Ausbildung sind auch die Übergangsbestimmungen von Bedeutung. Ärzt:innen für Allgemeinmedizin konnten bzw. können sich unter bestimmten Voraussetzungen die Bezeichnung „Fachärztin/Facharzt für Allgemeinmedizin und Familienmedizin“ anerkennen lassen. Diese Übergangsbestimmungen laufen mit 31. Mai 2032 aus (laut aktuellem Entwurf einer Ärztegesetz-Novelle). Damit besteht für jene alle, die die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen, ein klar definierter Zeitraum für die Anerkennung.

Die konkrete Ausgestaltung der gesetzlichen Bestimmungen zur Ausbildung bleibt derzeit noch abzuwarten. Sobald dazu gesicherte Informationen vorliegen, werden wir ausführlich berichten.

Fest steht aber schon jetzt: Die Einführung der Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin und Familienmedizin ist ein starkes Signal. Sie würdigt die in diesem Bereich erbrachten Leistungen, stärkt die Attraktivität des Fachs und setzt ein wichtiges Zeichen für die Zukunft der Versorgung. Unser Gesundheitssystem braucht starke Allgemeinmedizin und Familienmedizin – heute mehr denn je.

Anzahl in der Steiermark

In der Steiermark zeigt sich bereits jetzt, welche Relevanz das neue Sonderfach hat: Mit Anfang April 2026 waren rund 970 Fachärzt:innen für Allgemeinmedizin und Familienmedizin bei der Ärztekammer für Steiermark gemeldet.

 

Foto: Furgler, Schiffer, Ärztekammer, envato/benzoix