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Bezirksärzteversammlung Südoststeiermark
10.10.2022, 19:30 Uhr

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AERZTE Steiermark 03/2022
 

Sanfte Geburt einer frauenzentrierten Geburtshilfe

Die Geburtsstunde der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des LKH Feldbach-Fürstenfeld jährt sich zum 30. Mal. Der exzellente Ruf der Abteilung, der nicht nur auf ihren sanften wie sicheren Geburten fußt, sondern auch das Brustgesundheitszentrum wie die Inkontinenzchirurgie umfasst, reicht weit über das südoststeirische Hügelland hinaus.

„Ich konnte bereits die Baumaßnahmen begleiten und an der Gestaltung der Abteilung mitwirken“, erinnert sich Hannes Hofmann, Gründungsprimar der Abteilung und bis Ende 2018 im Dienst. Seiner umsichtigen Art, Geburtshilfe zu gestalten, verdankt die Feldbacher Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe ihren guten Ruf, der weit über die Region hinausreicht. 26 Jahre lang war Hofmann zudem Tag und Nacht erreichbar; in der Anfangszeit, als er mit nur einem Oberarzt die Abteilung führte, hat er selbst allmonatlich 20 Dienste gemacht. Mittlerweile werden 16,5 Dienstposten von 21 Ärzt*innen besetzt; 20 Hebammen und rund 60 weitere Mitarbeiter*innen vom Pflegehelfer über das diplomierte Personal bis zur Psychologin komplettieren das Team.

„Bis zur Eröffnung der Abteilung im November 1991 war es üblich, dass die Geburtshilfe in den peripheren Häusern von der Chirurgie mitbetreut wurde“, erzählt Hofmann von den Voraussetzungen, die er seinerzeit vorgefunden hat. Seine Visionen für eine moderne Geburtshilfe gingen jedoch in eine gänzlich andere, möglichst nicht-chirurgische Richtung: Er wollte den Frauen – und Kindern – eine sanfte, selbstbestimmte Geburt ermöglichen, die trotzdem die Sicherheit eines Krankenhauses bietet. 35.500 Geburten fanden in den Jahren statt, in denen er die Abteilung geführt hat.


Graz, Gleisdorf, Güssing

Die Geburtenspitze mit 1.656 Geburten wurde im Jahr 1996 erreicht, mittlerweile sind es im Schnitt 1.200, womit Feldbach zumeist auf dem zweiten Platz der steirischen Spitäler rangiert (etwa gleichauf mit Leoben). „Sicher 200 bis 300 Frauen mit Hauptwohnsitz in Graz fahren jährlich zur Geburt nach Feldbach“, berichtet Kurt Resetarits, zehn Jahre lang erster Oberarzt in Feldbach und von 2018 bis 2021 Hofmanns Nachfolger als Primar. Nur ungefähr die Hälfte der Gebärenden kommt aus dem Bezirk; mitversorgt wird teils auch der Gleisdorfer Raum und das Südburgenland.

Seit Jahresbeginn 2021 leitet Gunda Pristauz-Telsnigg die Abteilung. „Als ich eine Führungsposition angestrebt habe, gab es nur ganz wenige Häuser, wo ich hinwollte. Feldbach war eines davon. Die Abteilung hier hat eine optimale Größe, um das ganze medizinische Spektrum abzubilden, die Frauen aber noch persönlich betreuen zu können“, erklärt Pristauz-Telsnigg, die auch amtierende Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für  Gynäkologie und Geburtshilfe ist. „Ich möchte die Region auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand versorgen und dabei die Frauen individuell betreuen. Gleichzeitig ist es mir wichtig, Rahmenbedingungen zu erhalten und zu schaffen, dass mein Team mit Freude zur Arbeit kommt.“
 

Zu Wasser, zu Lande, in der Luft

Die Mitarbeiter*innen der Feldbacher Geburtshilfe waren Pioniere darin, auch im Setting eines öffentlichen Spitals die Bedürfnisse der Frauen soweit medizinisch möglich, in den Vordergrund zu stellen. Zu Wasser, zu Lande und in der Luft können sie in jener Position ihr Kind bekommen, die ihnen entspricht – sofern keine medizinische Einschränkung besteht.  Als erstes steirisches LKH stellte Feldbach eine Badewanne für Wassergeburten zur Verfügung, mittlerweile auch mit Unterwasser-CTG. „Zu Lande“ etablierte Primar Hofmann seinerzeit die Mattengeburt, aber auch Gebärhocker und  Sprossenwand gehören zur Standard-Ausstattung der Kreißsäle mit dem romantischen Panoramablick. Und wer unter den Wehen Bewegung braucht, nutzt dazu die Terrasse. Eine Zeitlang konnten die Frauen im Romarad schwebend gebären; heute können sie es noch am Seil hängend. Geburtsvorbereitung im Haus, Stillberatung und Babymassage runden das Angebot ab und erinnern an das Portfolio von Sanatorien.


Der „Geist“ von Feldbach

Den speziellen „Geist“ der Feldbacher Geburtshilfe, der die Beliebtheit des Hauses ausmacht, führt Kurt Resetarits auf drei Faktoren zurück: „Werte leben, sich ums Personal kümmern und die Bedürfnisse der Frauen in den Mittelpunkt stellen.“

Sein Ziel als Primar war es, die Errungenschaften seines Vorgängers zu bewahren und punktuell zu verbessern: „Ich habe mich bemüht, die Bürokratie zu vereinfachen, den Ansturm auf die Ambulanz gleichmäßiger zu verteilen und die Stillberatung auszubauen. Bei meinen Plänen für die Geburtsvorbereitung hat mir dann allerdings Corona dazwischengepfuscht.“ Auch im Bereich der Team- und Organisationsentwicklung hätte Resetarits gerne noch mehr eingebracht.

Gründungsprimar Hofmann sieht eine weitere Besonderheit darin, dass Betreuung und Überwachung der Gebärenden in erster Linie in der Hand der Hebammen liegen. Viele seiner Träume konnte er verwirklichen; offen geblieben ist der Wunsch nach einer eigenen Kinderabteilung.


Brustzentrum und Inkontinenzchirurgie

Die Feldbacher Abteilung punktet nicht nur mit geburtshilflicher Exzellenz. „Wir haben das zweite Brustgesundheitszentrum in der Steiermark aufgebaut, das kürzlich mit extrem positiven Rückmeldungen rezertifiziert wurde“, so Hofmann. Inzwischen gibt es vier derartige Zentren in der gesamten Steiermark (die beiden LKH Graz, Leoben); Feldbach hat im Jahr 2020 mit 178 Primärfällen einen deutlichen Zuwachs verzeichnet. Mit der Bestellung der Mammakarzinom-Spezialistin Pristauz-Telsnigg zur Primaria wird der onkologische Fachschwerpunkt neuerlich gestärkt. Resetarits nennt zudem die Entwicklung der Inkontinenzchirurgie und das Etablieren laparoskopischer Eingriffe als herausragende Kompetenzen der Feldbacher Abteilung.

All diese Errungenschaften der vergangenen 30 Jahre hätten zu Jahresbeginn im Rahmen einer großen Jubiläumsveranstaltung gefeiert werden sollen, die jedoch der vierte Lockdown verunmöglicht hat. Der gute Ruf der Abteilung entschädigt für entgangene Festreden.


Drei Generationen, drei Schwerpunkte

Bereits mit November 1991 wurde Hannes Hofmann zum Primar der Feldbacher Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe bestellt; ab 2004 war er bis 2018 auch Ärztlicher Direktor des LKH Feldbach (später Feldbach-Fürstenfeld). Hofmann kam vom Grazer LKH-Uniklinikum nach Feldbach und hatte sich mit einer Arbeit zu Diabetes und Schwangerschaft habilitiert, seine Habilitationsvorlesung jedoch zur Volumensbestimmung des Zervixkarzinoms mittels MR gehalten. Einer seiner weiteren Schwerpunkte lag im Bereich der Fehlbildungsdiagnostik.


Nach Hofmanns Pensionierung übernahm Kurt Resetarits das Primariat.

Er war bereits von 1994 bis 2003 Oberarzt in Feldbach gewesen, avancierte danach zum Primar der Hartberger Gynäkologie und zum Ärztlichen Direktor des LKH Hartberg, bevor er im Burgenland mehrere Häuser geführt hat.

Von 2018 bis 2021 stand er der Abteilung in Feldbach vor. Resetarits verfügte neben seiner ärztlichen Expertise über besondere Fachkenntnisse im Bereich der Organisationsentwicklung und des Risikomanagements.

Gunda Pristauz-Telsnigg, die aktuelle Primaria, hat sich 2010 zum Thema Lymphknotenuntersuchung beim Endometriumkarzinom habilitiert und ihre Habilitationsvorlesung über die „Histomorphologischen Untersuchungen genetisch bedingter Gynäkologischer Malignome“ gehalten, war Ausbildungsoberärztin an der Frauenklinik LKH-Universitätsklinikum Graz und hat dort den Schwerpunkt Brusterkrankungen sowie die Gynäkologische Genetikambulanz geleitet.

Pristauz-Telsnigg ist Fachgutachterin der Österreichischen Zertifizierungskommission für Brustgesundheitszentren und Zentren für Gynäkologische Tumore und hat derzeit die Präsidentschaft der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe inne.

 

Fotos: Shutterstock, beigestellt




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