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AERZTE Steiermark 10/2021

 

Vernünftig veranlagen, aber wie?

Bargeld verliert laufend an Wert. Über sinnvolle Veranlagungen sprachen wir mit Mag. Anton Pauschenwein, dem Vorstandsdirektor der Österreichischen Ärzte- und Apothekerbank AG.

Es gibt die Redensart „Bargeld lacht“. Ist die Wertentwicklung von Bargeld aber nicht eher zum Weinen?

Pauschenwein: Die Überlegung, einen bestimmten Betrag seines Vermögens in Bargeld zu halten, um laufende bzw. bis zu einem gewissen Ausmaß auch ungeplante Investitionen flexibel tätigen zu können, bleibt aus meiner Sicht nach wie vor berechtigt. Darüberhinausgehende Beträge, die bar oder auf täglich fälligen Giro- oder Sparkonten gehalten werden, sind seit Jahren mit einem Realverlust verbunden. Die Kombination aus fehlender Verzinsung sowie Inflation haben schon binnen weniger Jahre einen Verlust in einem zweistelligen Prozentbereich verursacht. Gleiches gilt für das laufende Ansparen von Bargeld, auf Sparbüchern sowie klassischen Lebensversicherungen.


Was soll jemand mit 100.000 Euro machen – oder auch mit 200.000?

Pauschenwein: Das ist grundsätzlich von Parametern wie der verfügbaren Laufzeit, der Ertragserwartung sowie der individuellen Risikoneigung abhängig. Nach der Analyse dieser Faktoren in einem Gespräch mit dem Bankberater wird ein individueller Mix aus Wertpapieren oder Wertpapier-Versicherungslösungen erstellt. Das Thema Immobilienwertpapiere kann schon mit überschaubaren Beträgen bearbeitet werden. Vorhandene Eigenmittel könnten auch als Grundstock für eine Vorsorgewohnung oder ein Bauherrenmodell eingesetzt werden. Wichtig ist auch, ob der Anleger selbst Interesse und Zeit für seine Veranlagung einbringen oder die Verwaltung von Vermögen weitgehend auslagern möchte. Aus Ertragsüberlegungen geht kein Weg am Thema Aktien vorbei.


Woran erkennt der Laie einen attraktiven Fonds?

Pauschenwein: Ein guter Anhaltspunkt ist die historische Performance des Investmentfonds, aber auch die Frage, mit welchem Risiko diese erwirtschaftet wurde. Dabei ist nicht nur der absolute Wert zu betrachten, sondern auch der Vergleich zu Fonds der jeweiligen Veranlagungskategorie. Lassen Sie sich von Ihrem Berater die Kennzahlen und die strategische Ausrichtung eines Fonds anhand seines Fact-Sheets erklären. Viele Fondsgesellschaften bzw. Fonds werden auch externen Ratings unterzogen. Zwei persönliche Tipps: Der Highflyer des letzten Quartals ist nicht immer die beste Wahl und kein Aspekt wird das Fondsgeschäft der nächsten Jahre so beeinflussen wie das Thema Nachhaltigkeit.


Wie sinnvoll ist die Veranlagung in Aktien einzelner Unternehmen?

Pauschenwein: Diese Investitionsform eignet sich de facto nur bei einer höher angestrebten Ertrags-Risiko-Relation. Voraussetzung ist auch ein Grundwissen über diese Veranlagungsform sowie die Bereitschaft zur laufenden Beobachtung der am Depot befindlichen Aktien. Früher zum Teil verfolgte Strategien, Aktien großer Unternehmen (Blue Chips) einfach jahrelang unbeobachtet am Depot liegen zu lassen, erscheinen mittlerweile ungeeignet. In Einzelaktien eine sinnvolle Streuung über verschiedene Länder und Branchen zu erzielen, erfordert darüber hinaus einen höheren Kapitaleinsatz.


Gold boomt. Ist es tatsächlich sinnvoll, Gold zu besitzen?

Pauschenwein: Die Sinnhaftigkeit, Vermögensbestandteile in Gold zu halten, steht in engem Zusammenhang mit den Motiven dazu. Sicherheit in Krisenzeiten? Spekulation? Abdeckung der Asset-Klasse Rohstoffe? Weitere Überlegungen führen zur Frage, ob man physisches Gold besitzen möchte oder ein Veranlagungsinstrument, das die Entwicklung des Goldpreises abbildet. Gold selbst bringt keinen laufenden Ertrag und unterliegt langfristig starken Schwankungen. Der Goldpreis der frühen 1980er Jahre wurde 25 Jahre nicht erreicht, dann hat er sich vervielfacht. Aus meiner Sicht kann Goldbesitz nur eine Beimengung zu anderen Vermögenswerten darstellen.


Beim derzeitigen Verzinsungsstand steigt die Attraktivität der Kreditfinanzierung. Was ist dabei zu beachten?

Pauschenwein: Die monatlichen Raten bei längerfristigen Abstattungskrediten sind aufgrund des historisch tiefen Zinsniveaus außergewöhnlich niedrig. Wer jetzt mittels eines Kredits finanziert, sollte sich von seiner Bank aber auch Berechnungen geben lassen, mit welchen Raten er eventuell in einigen Jahren nach einem möglichen Zinsanstieg kalkulieren muss. Die Absicherung des aktuellen Niveaus durch eine Fixzinsvereinbarung ist deswegen in Erwägung zu ziehen.


Diversifizierung ist das Schlagwort der Stunde. Aber was heißt das konkret?

Pauschenwein: Unter Diversifizierung versteht man die Streuung von Vermögen auf verschiedene Anlageklassen bzw. -objekte. Ziel ist dabei die Reduktion von Risiko innerhalb eines Portfolios. Ein Anleger, der diversifiziert, wird nie die höchstmögliche Performance einer Veranlagungsperiode erzielen, aber auch nie einen Totalabsturz seiner Werte erleiden müssen. Durch professionelle Beratung wird ein Anleger auch die Diversifizierung seines Vermögens – zum Beispiel Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Immobilien – den Marktgegebenheiten im Rahmen seiner Risikoneigung anpassen.


Ihr abschließender Rat an Ärztinnen und Ärzte?

Pauschenwein: Stellen Sie sich die Frage, ob Sie arbeiten, um Ihr Geld zu erhalten, oder ob Ihr Geld für Sie arbeitet. Lassen Sie bitte Ihr Vermögen nicht „herumliegen“. Die Tatsache, dass es seit Jahren de facto keine Verzinsung für täglich fällige und sehr konservative Veranlagungen gibt, führt oft dazu, dass nicht einmal versucht wird, zumindest die Inflation zu erwirtschaften. Aus heutiger Sicht wird sich das Zinsniveau in den nächsten Jahren nicht wesentlich verändern, womit der Realverlust Jahr für Jahr größer wird. Vereinbaren Sie einen Termin bei Ihrem Berater in Ihrer Bank.

 

Foto: Thomas Karolyi, Illu: Shutterstock




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