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AERZTE Steiermark 05/2021

 

Corona klug geschüttelt und gewitzt serviert

„Wer nichts weiß muss alles glauben“: Vor dieser Malaise stehen viele Menschen, die an den Lippen von Virolog*innen und Impfstoffverteiler*innen hängen. Wie gut, dass am Schnittpunkt aller Pandemie-Erkenntnisse die ‚Science Busters‘ ebenso cool wie witzig Volksbildung betreiben.

Walter Hoch

Die Ambivalenz zwischen Beruf und Berufung hat Martin Puntigam, 1969 in Graz geboren, salomonisch zur Synthese gebracht. Er brach zunächst das Medizinstudium ab, wurde vor allem Kabarettist und heimste mehrere Preise ein, u. a. den Salzburger Stier. Bald kristallisierte sich die Synthese heraus: die humorvolle Vermittlung zwischen Wissenschaft und Pop-Kultur.

Für diese niveauvolle Art des Infotainments kreierte er die Science Busters. Von 2007 bis 2015 ließ er mit den Physikern Heinz Oberhummer und Werner Gruber dieses Wissenschaftskabarett im ORF und auf Bühnen vom Stapel. Der Naturwissenschaft sollte die elitäre Stirn genommen und stattdessen verständlich und unterhaltsam unter die Leute gebracht werden. Darin erkannte der trockene akademische Betrieb eine Art Auffrischung und engagierte ihn ab 2016 als Universitätslektor an der Uni Graz – empfohlen auch durch den Inge-Morath-Preis für Wissenschafts-Publizistik, ebenfalls 2016 vom Mastermind der SB errungen.

Neben Themen wie Klimakrise oder Hass im Netz geriet Corona zum Selbstläufer.

 

Gscheit gegen Leugner

Noch viel viel mehr Fragende und Hörende fand seine Reihe „Alles über das Corona Virus und den Rest: Frag die Science Busters!“ auf dem (Alternativ-)Sender FM4.

Am 16. März 2020 beantwortete Puntigam, nunmehr zusammen mit dem 33-jährigen Molekularbiologen Dr. Martin Moder (live im Studio) und dem Astronomen und Science-Blogger Dr. Florian Freistetter (zugeschaltet über Skype), erstmals brennende Fragen über dieses Virus, das gerade begann, die Welt in Angst und Forschungswut zu versetzen. Moder steuerte argumentative Schnelligkeit bei, wurde ihm doch 2014 der Titel „Science Slam Europameister“ verliehen. Aktuell wirft sich Moder zusätzlich auf dem YouTube-Kanal „MEGA“ (= Make Europa Gscheit Again) in den medizinischen Kampf gegen Fake News über Corona und die Impfung.

Vom Robert-Koch-Institut empfohlen und über eine Million Mal abgerufen ist der Clip „Warum die RNA-Impfung dein Erbgut nicht verändert“. Zu den Science Busters schaltete sich Dr. Elisabeth Oberzaucher per Skype, alternierend mit Freistetter und anderen Spezialist*innen, zu. Die Verhaltensbiologin ist Lektorin an der Uni Wien, wissenschaftliche Leiterin des Forschungsinstitutes Urban Human in Wien, konnte sich u. a. über den Dolores-Award der Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie freuen.

 

Gewusst wie

Üblicherweise arbeitet eine große Handvoll von Forschergruppen über ein Jahrzehnt, bevor eine wissenschaftliche Erkenntnis den akademischen Elfenbeinturm verlässt. Das SARS-2-CoV-Virus aber brachte in seiner Rasanz und Verschlagenheit eine heftige öffentliche Sucht nach plausiblen Erklärungsmodellen mit sich. Jedes Zwischenergebnis einer Studie fand (und findet) tags darauf über die Print- und Online-Medien Mitstreiter bzw. Radikalleugner. Die Themen ums Virus wurden immer komplexer, undurchschaubarer, verunsicherten zunehmend. An diesem Punkt waren Köpfe gefragt wie die von Puntigams Truppe: „Wenn ich etwas verstehe, habe ich das große Bedürfnis, es so zu verpacken, dass es auch andere verstehen, und das scheint bei vielen gut anzukommen“, sagte Moder in einem Interview mit dem „Standard“.

 

Humor mit wissenschaftlichem Anspruch

Die Anekdote, anschauliche Darstellungen und plastische, greifbare Vergleiche sind gute Verpackungen bzw. Transportvehikel. Oder der Humor, wie Puntigam dem Kurier sagte: Die Shows der Science Busters würden den wissenschaftlichen Anspruch als Bonus anbieten. „Da wollen unsere Zuseherinnen und Zuseher schon auch Sachen verstehen. Zu lange Erklärungen sind aber auch dort nicht zweckmäßig. Sich gegenseitig auf der Bühne zu verhöhnen und es ab und zu krachen zu lassen, hilft auch hier, um die Aufmerksamkeit wieder auf die Wissenschaft zu lenken“, gibt Puntigam Einblick in das didaktische Konzept.

Das gelingt mittlerweile sogar mittels kurzen Einspielungen ins normale FM4-Musikprogramm. Und mit einer neuen Staffel mittwochs in ORF 1.

 

Das hätte Boris Johnson so manches erspart ...

Puntigam: Den Verlauf kann man sich aber nicht aussuchen, oder? Also wenn ich mich bei wem anstecke, der einen leichten Verlauf hat, dann kriege ich auch einen leichten Verlauf?

Moder: Nein, überhaupt nicht. Das liegt dann eher an der Reaktion von deinem Immunsystem. Es kann sogar damit zu tun haben, ob du dir zuerst den Rachen infizierst oder direkt die Lunge, das weiß man nicht, aber solche Dinge können prinzipiell Einfluss drauf haben, wie schwer der Verlauf ist. Es ist also eine ganz, ganz schlechte Idee, jetzt gezielt sich die Infektion zu holen. Weil, auf der einen Seite, du kannst nicht sicher sein, auch wenn du jung bist und gesund, ob der Verlauf nicht schwer wird, und außerdem kannst du nicht sicher sein, ob du es nicht vielleicht doch jemandem weitergibst und dann im Endeffekt für ein paar Tote verantwortlich sein könntest.

 

Science Busters am 23.3.2020, als Johnson noch auf die natürliche Immunabwehr bzw. die gezielte Selbstinfektion setzte ...                                                

Text: © ORF

 

Foto: ORF/Regine Schöttl

Symbolbild 1
 



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