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Grazer Impftag 2017
am 21.10.2017, ab 9 Uhr

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„Weiter gegen den Strom rudern“

Jean-Paul Klein, Leiter des Impfwesens im Gesundheitsministerium, über seine über 30-jährige Amtszeit und das Impfwesen in Österreich. Am 19. Oktober ist er am Grazer Impftag im Hotel Paradies zu Gast.

AERZTE Steiermark: Worauf sind Sie, rückblickend auf Ihre über 30-jährige Arbeit im Gesundheitsministerium, besonders stolz?
Klein: Auf die Einführung des kostenlosen Impfkonzepts des Bundes, der Bundesländer und des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger. Das Impfkonzept bietet Gratiszugang zu den im Impfpaket enthaltenen Impfungen. Ziel ist es, einen wirksamen Schutz gegen möglichst viele Krankheiten mit möglichst wenigen Teilimpfungen unter Integration des niedergelassenen Bereichs zu erreichen, ohne hierbei die dynamische Entwicklung auf dem Impfstoffsektor aus den Augen zu verlieren.

Welche Punkte konnten Sie nicht, wie von Ihnen gewünscht oder erhofft, vorantreiben?
Klein: Es gibt nach wie vor keine rechtliche Grundlage, die dem Bürger den Zugang zu kostenlosen Impfungen garantiert. Ab einer Empfehlung durch das nationale Impfgremium bis zur Finanzierung vergehen oft Jahre. Erst in der Amtszeit von Minister Stöger, einem starken Verfechter von Prävention, kam es wieder zu Ausweitungen, zuletzt um die Impfung gegen HPV. Rückblickend kann ich trotzdem sagen, dass es mir während meiner Amtszeit von knapp dreißig Jahren immer wieder gelungen ist, politische Entscheidungsträger zu überzeugen. Im Jahr meiner Pensionierung ist der Großteil meiner Impfvisionen Realität geworden.

Wo steht Österreich im internationalen Vergleich in Bezug auf die WHO-Ziele?
Klein: Österreich hat sich mit Riesenschritten auf die WHO-Ziele hinbewegt. Bei der Masernimpfung erreichen wir die von der WHO geforderten Raten erst bei Schuleintritt. Wir werden daher ab Herbst verstärkte Informationsmaßnahmen setzen. Ärzte müssen endlich zur Kenntnis nehmen, dass die MMR-Impfung ab dem 11. Lebensmonat die wichtigste Impfung im zweiten Lebensjahr ist, und sie Priorität vor allen anderen Impfungen haben muss. Das österreichische Problem liegt in Wirklichkeit bei den Ärzten, und nicht bei den impfskeptischen Eltern. Eine rezente Studie in „Vaccine“, dem führenden wissenschaftlichen Journal für Impfen, zeigt aber auch, dass Österreich gemessen an Impfungen gegen HPV, Rotavirus und Pneumokokken sowohl was den Zeitpunkt der Empfehlung durch das Impfgremium als auch den der Kostenübernahme angeht, mit Abstand das innovativste Land der EU ist.

Wie gehen Sie mit allfälliger Impfkritik von Ärzten um?
Klein: Ein kritischer Dialog mit impfenden Ärzten ist sehr wichtig, weil man sonst den Kontakt zur Basis verliert. Personen, die grundsätzlich Impfungen ablehnen, haben jedoch in unserem Berufsstand nichts verloren.

Was ist Ihre Botschaft an die Hersteller?
Klein: Pharmakonzerne müssen lernen, dass es wichtig ist, finanzierbare Impfstoffe zu entwickeln, die zur weltweiten Bekämpfung von relevanten Krankheiten dienen. Bei Impfungen gegen Krankheiten wie HIV, Tuberkulose und Malaria, den größten „Killern“ unseres Jahrhunderts, warten wir seit Jahrzehnten vergeblich auf Erfolge.

Welche Punkte bleiben nach Ihrer Tätigkeit noch offen, bzw. was legen Sie Ihrem Nachfolger ans Herz?
Klein: Er muss, so wie ich es seit Jahren pflege, auch weiterhin gegen den Strom rudern. Sobald er aufhört, treibt er zurück und verliert das Ziel aus den Augen. Mit im Boot sitzen neben Pharmakonzernen, Ärzten, Apothekern und öffentlichen Entscheidungsträgern auch viele ungebetene Mitfahrer. Fast alle möchten mitsteuern, oft zu abweichenden Zielen, die wenigsten möchten rudern. Er darf das Steuer nicht aus der Hand lassen.

Wenn Sie einen Zauberstab hätten, wie würde die Impfrealität aussehen?
Klein: Nach Einführung eines länderübergreifenden einheitlichen Gesundheits- und Schulsystems würde einerseits das Recht auf kostenlosen Zugang zu Impfungen sowie eine Mitwirkungspflicht der Schuldirektionen bei der Umsetzung von Schulimpfungen gesetzlich verankert. Auch die Krankenversicherungsträger hätten die Pflicht, Impfungen, insbesondere jenseits des Impfkonzepts, in ihrem Leistungskatalog zu verankern. Ergänzend wäre Impfen ein Pflichtgegenstand in der Ausbildung aller Ärzte aller Fachrichtungen. Die Einführung eines elektronischen Impfpasses würde das Ganze abrunden.

 

Informationen zum Impftag:

Zeit und Ort: 19. Oktober 2013 von 9-17 Uhr
Hotel Paradies, Straßgangerstraße 380b, 8054 Graz

Anmeldung : Tel. 0662/63 29 40, Fax 0662/64 15 16 oder
E-Mail: office@gruenes-kreuz.org

 

Fotocredit: Schiffer

Symbolbild 1
 



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