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„Man muss sich in Geduld üben“

Beate Prettner ist Fachärztin und Spitzenpolitikerin. Die Kärntner Landeshauptmannstellvertreterin über die Unterschiede zwischen den Berufen, Imageprobleme und gesundheitspolitische Ziele.

Von Martin Novak


AERZTE Steiermark: Was war denn zuerst: die Medizin oder die Politik?
Beate Prettner: Da ich in einer politischen Familie aufgewachsen bin und seit meiner Kindheit Ärztin werden wollte, würde ich sagen, dass Medizin und Politik gleichermaßen stetige Begleiter meiner Entwicklung waren und sind.

Gibt es so etwas wie ein politisches Erweckungserlebnis, einen Zeitpunkt, wo Sie sich gesagt haben, ich will in der Politik etwas bewirken?
Beate Prettner: Zum einen wurde mir die Politik quasi in die Wiege gelegt. Der elterliche Bauernhof war auf Grund der politischen Aktivitäten meines Vaters einer Servicestelle für Bürgerinnen und Bürger nicht unähnlich – immer wieder kamen Nachbarn zu uns, um nach Rat zu fragen. Da habe ich gemerkt: Hey, mit der Politik kannst du den Menschen viel Gutes tun und positiven Einfluss auf die Lebensbedingungen unserer Gemeinschaft ausüben. Mein persönlicher Wunsch, meinen Mitmenschen zu helfen spiegelte sich also nicht nur in der Wahl meiner Berufsausbildung als Ärztin wider, sondern führte mich auch immer näher an die Politik heran. Zudem bin ich überzeugte Sozialdemokratin mit Herz und Seele, und als ich die Chance bekam, nach meiner Funktion im Landtag einen Regierungssitz zu übernehmen, war für mich klar: Das ist meine Chance, um an vorderster Front zu beweisen, dass Politik nicht verlottert und korrupt sein muss, sondern dass damit viel Positives bewirkt werden kann!

Sie haben sich für eine sehr aufwändige Ausbildung – Medizinstudium, Turnus, fachärztliche Ausbildung – entschieden, Sie waren zuletzt Oberärztin am Klinikum Klagenfurt. Tut es Ihnen leid, dass Sie diese Laufbahn nicht einfach weitergehen?
Beate Prettner: Da ich meinen Beruf als Ärztin sehr liebe, fiel mir die Entscheidung verständlicherweise nicht leicht. Doch am Ende siegte mein Wunsch, für Kärnten in einer politischen Spitzenfunktion als Frau ein Stück Landesgeschichte positiv mitzugestalten. Zudem will ich mit meinem Schritt in diese hochrangige Position den Kärntnerinnen signalisieren, dass Frauen durchaus für Machtpositionen geeignet sind! Mein Schritt in die Politik soll anderen Frauen Mut machen, es mir gleichzutun.

Sie waren einige Jahre Abgeordnete im Landtag und gleichzeitig aktive Ärztin. Waren sich die Medizinerin und die Politikerin immer in allen gesundheitspolitischen Fragen einig?
Beate Prettner: Was ich mache, mache ich stets aus voller Überzeugung, also erübrigt sich diese Frage!

2010 sind Sie in die Regierung gekommen. Da gab es ja auch harte Bandagen. Was ist denn der härtere Beruf: Ärztin oder Regierungsmitglied? Wo muss man mehr aushalten?
Beate Prettner: Die Herausforderungen sind freilich unterschiedlicher Natur und kaum miteinander zu vergleichen. Dennoch braucht es in beiden Bereichen ein hohes Maß an Leidenschaft, Engagement, Fleiß und den Wunsch, an sich selbst stets weiterzuwachsen und sich weiterzuentwickeln.

Es gibt das Bild, dass Ärztinnen und Ärzte in Regierungsverantwortung nicht immer sehr glücklich agieren. Stimmt es? Was könnten die Gründe dafür sein?
Beate Prettner: Wirklich? Dieses Bild ist mir nicht bekannt … Was jedoch stimmt ist, dass man sich als Ärztin, die in die Politik einsteigt und eine Spitzenfunktion ausübt, in Geduld üben muss. Als Ärztin bin ich es gewöhnt, eine Diagnose zu stellen und mit der Behandlung zu beginnen. In der Politik kennt man die Diagnose, aber die Behandlung dauert länger als gewohnt, was die ärztliche Geduld manchmal auf die Probe stellt.

Das Image der Politikerinnen und Politiker in der Öffentlichkeit ist fast schon traditionell schlecht. Das der Ärztinnen und Ärzte unterliegt heftigen Angriffen, liegt aber immer noch im Spitzenfeld. Was müssen PolitikerInnen tun, damit ihr Bild an der Öffentlichkeit wieder besser wird, was Ärzt-Innen, damit es nicht schlechter wird?
Beate Prettner: Das schlechte Image der Politikerinnen und Politiker wurde leider von einigen wenigen geprägt und haftet vielfach auch jenen an, die ihre Funktionen vorbildhaft erfüllen. Eben dieses Image war für mich auch ein Grund zu beweisen, dass es auch anders geht und Politik nicht zwanghaft korrupt ist, sondern auf der politischen Ebene wesentliche Entscheidungen und Maßnahmen gesetzt werden können, um das Leben der Menschen positiv zu beeinflussen. Als Politikerin wie als Ärztin gilt es, sich selbst treu zu bleiben und nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln, sodass man jeden Morgen aufrecht in den Spiegel blicken kann – wenn das gelingt, dann stimmt auch das Image nach außen.

Die Gesundheitspolitik ist ein Feld, in dem Skandalisierung fast schon zu Gewohnheit wird. Wie bekommt man das wieder weg, kann man es überhaupt wegbekommen?
Beate Prettner: Das empfinde ich nicht so. Gerade in Kärnten konnten wir mit der Gesundheits-Charta und der damit einhergehenden Außerstreitstellung des Gesundheitswesens unter Beweis stellen, dass Gesundheitspolitik sicherlich kein Feld ist, auf dem sich parteipolitische Schlachten austragen lassen. In der Gesundheitspolitik geht es um das Wohl der Menschen, um das Allgemeinwohl und die Versorgungssicherheit mit Spitzenmedizin für jeden und jede – da ist für parteipolitische Skandalisierungsversuche schlicht kein Platz, und das wird in Kärnten auch über Parteigrenzen hinweg so anerkannt und gelebt. Was das anbelangt, haben wir also offenbar Vorbildfunktion für andere Bundesländer.

Noch zur aktuellen Gesundheitspolitik. Laut vielen Experten ist die Stärkung der wohnortnahen, medizinischen Versorgung zwar als Argument für das Gesundheitsreformgesetz verwendet worden, sie steht aber tatsächlich nicht im Gesetz. Ist die wohnortnahe Versorgung überhaupt ein Anliegen, und wenn ja, was soll für sie geschehen?
Beate Prettner: Gerade im Hinblick auf die wohnortnahe medizinische Versorgung hat Kärnten seine Hausaufgaben bestens erledigt und kann mit einer hohen Dichte an Angeboten aufwarten. Auf Basis dessen gilt es für uns in Kärnten, die wohnortnahe Versorgung dahingehend zu fördern, indem Standorte erhalten werden auf Grundlage der Standortgarantie und indem der niedergelassene Bereich weiter ausgebaut wird.

Ein Problem, das Sie ja auch aus eigener Erfahrung kennen, ist die extreme Belastung für Spitalsärztinnen und -ärzte. Ein Streik der Kärntner TurnusärztInnen wurde jetzt ja gerade noch abgewendet. Wie haben Sie persönlich diese Belastung erlebt?
Beate Prettner: Für mich persönlich war die Turnuszeit eine spannende, lehrreiche und vor allem intensive Zeit, die einem sicherlich Einiges abverlangt. Dennoch würde ich diese Phase meines Lebens niemals missen mögen, denn in dieser Zeit werden die Grundsteine für die weitere Karriere gelegt und es werden viele Kontakte geknüpft, die einen die ganze Berufslaufbahn lang begleiten.

Und, das ist jetzt die Frage an die Gesundheitspolitikerin, was muss man tun, damit die Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz Spital wieder steigt?
Beate Prettner: Hier gibt es einige Modelle zu überlegen, die die Arbeit für die Ärztinnen und Ärzte in einem ausgewogenen Verhältnis zu ihrem Privatleben stattfinden lässt. Vordringlich müssen wir uns Varianten überlegen, die nicht nur die Qualität am Arbeitsplatz für die Ärztinnen und Ärzte steigern, sondern vor allem auch der Qualität der Versorgungsleistungen für die Patientinnen und Patienten zugutekommen. Dabei werden Modelle anzudenken sein, die eine Art Arbeitszeitkurve beschreiben. So würde beispielsweise die zu entrichtende Arbeitszeit mit steigendem Alter bzw. Dienstjahren der Ärztinnen und Ärzte adäquat abgeflacht werden. Auch geht es um die Wertschätzung untereinander und die gesunde Teamarbeit am Arbeitsplatz, denn nur wenn Erfahrungen weitergegeben werden, kann man auch voneinander lernen.

Für Turnusärztinnen und -ärzte ist laut Umfragen die Lehrpraxis der attraktivste Ausbildungsplatz. Wie stehen Sie zur Forderung nach der obligatorischen Lehrpraxis?
Beate Prettner: Meiner Meinung nach ist das eine absolut sinnvolle Idee, die eine wesentliche Bereicherung in der Ausbildung darstellen könnte.

Abschließende Frage: Wollen Sie als Politikerin in Pension gehen? Oder ist es für Sie vorstellbar bzw. sogar wünschenswert, wieder als Fachärztin zu arbeiten?
Beate Prettner: Getreu meinem Motto „Wege entstehen im Gehen“ will und kann ich mich da nicht festlegen.

Fotocredit: Büro LHStv. Prettner

 

Symbolbild 1
 



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