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„Ich will den einzigartigen Moment festhalten“

Andreas Schalk, im bürgerlichen Beruf niedergelassener Kinderarzt in Mürzzuschlag, spielt als Street-Fotograf mit Licht und Schatten und fotografiert am liebsten, wo Menschen sind.

„Ziel- und planlos durch Städte streifen“ – so könnte man Andreas Schalks Passion beschreiben. Aber hinter dem Ziel- und Planlosen steht eine klare Absicht, denn Schalk ist in seiner Freizeit Streetfotograf und komponiert seine Sujets wohldurchdacht. Ist die Stadt fremd genug – wie etwa Tokyo –, hält er das Exotische fest, fährt er zum x-ten Mal nach Wien, nimmt er sich dafür ein Thema vor. Das kann ein gegenständliches Motto wie „Einkaufstrolleys“ sein oder aber auch ein gestalterisches wie „Schatten“.

„Ich will den einzigartigen Moment festhalten“, erklärt er. Seine Fotos zeichnen sich oft durch das Zusammenspiel verschiedener Ebenen aus, die dem eigentlich dokumentarischen Charakter des Fotos auch etwas Surreales verleihen. Schalk nutzt dabei gerne Reflexionen und positioniert auch sein eigenes Spiegelbild bewusst. In seiner Fotokunst erweist er sich als Purist: Nachbearbeitet wird so gut wie nie, allenfalls verkleinert er den Ausschnitt, wenn ihn am Bildrand etwas stört. Puristisch ist auch seine Farbwahl: schwarz-weiß. Damit folgt er der Tradition der Streetfotografie, wie sie etwa Henri Cartier-Bresson gepflegt hat. „Farben lenken von der Szene ab“, lautet sein Credo. Nur für Lissabon hat Schalk eine Ausnahme gemacht: „Diese Stadt lebt von den Farben. Es wäre überheblich, sie nur schwarz-weiß abzubilden.“

„Ich brauch’ Menschen“

Seine erste Kamera war „die alte Minolta meines Vaters“. Dieser wiederum kannte mehr oder minder nur ein Motiv, nämlich seine Kinder. Andreas Schalk ist der älteste von drei Brüdern. Auch er hat das Heranwachsen der eigenen beiden Kinder – und jetzt des Enkelkindes – mit Freude dokumentiert, aber sein fotografisches Interesse reicht weit darüber hinaus. Grundsätzlich gilt für all seine Fotos: „Ich brauch´ Menschen, egal wo.“ Einmal hat ihn ein Freund um Architekturfotos gebeten. „Das war superfrustig. Da muss man ja die Menschen ausblenden.“ Entsprechend beantwortet Schalk die Frage nach seinem Lieblingsort: „Belebte Plätze“.

Gelernt hat er, mit allen Sujets meisterlich umzugehen. Denn Schalk hat nicht nur bereits im Gymnasium den Freigegenstand Fotografie besucht, sondern auch noch – als fertiger Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde – den österreichischen Ableger der Prager Fotoschule Österreich in Kefermarkt absolviert. Sechs Semester lang ging er durch eine harte Schule, in der jedes Motiv vor dem Fotografieren gezeichnet werden musste. „Ich bin eigentlich kein Zeichner“, gibt Schalk zu. Auch wenn er heute die Motive nicht mehr vorab aufs Zeichenblatt bringt, ist ihm die strenge Bildkomposition in Fleisch und Blut übergegangen.

Gewerbe ohne Meister

Nach der Kefermarkter Ausbildung befand sich die Fotografie wieder so im Fokus von Andreas Schalk, dass er auch noch einen Meisterkurs begonnen hat. Als das Fotografieren jedoch zum freien Gewerbe erklärt wurde, sparte er sich die Meisterprüfung und meldete sein Gewerbe einfach an. Schließlich hätte er sich ja neben seinem Brotberuf als Kinderarzt auf die Prüfung vorbereiten müssen, womit zeitliche Engpässe vorprogrammiert gewesen wären.

In das Kinderarzt-Dasein ist Schalk mehr oder minder „hineingestolpert“, wie er selbst es ausdrückt. Schon die Studienwahl des geborenen Mürzzuschlagers fiel noch schwankenden Herzens und im Laufe des Studiums, als ihm bewusst wurde, „wie sehr die Medizin meines ist“, favorisierte er die internistischen Fächer. „Nur nichts Chirurgisches.“ Schalk entwickelte großes Interesse an der Intensivmedizin, „weil sie die Art von Medizin ist, wo man unmittelbar mit richtigem Handeln die größten Erfolge erzielen kann“.

Um nicht so lange auf einen Turnusplatz warten zu müssen, ging er nach Villach, wo ihm schließlich ein Facharzt-Ausbildungsplatz angeboten wurde. Trotzdem behielt Schalk die Intensivmedizin in seinem persönlichen Bildausschnitt, absolvierte das Zusatzfach für Kinderintensivmedizin und Neonatologie und wurde Leitender Oberarzt der Kinderintensivstation, zunächst am LKH Villach, dann am Klinikum der Kreuzschwestern in Wels.

Vom Bürgermeister geholt

Doch dann holte ihn sein Geburtsort Mürzzuschlag wieder zurück. „Mein Sandkistenfreund war inzwischen Bürgermeister geworden und hat mich gefragt, ob ich nicht nach der Pensionierung des damaligen Mürzzuschlager Kinderarztes dessen Praxis übernehmen wolle.“ Schalk wollte. „Solange man jung ist, wird der Adrenalinkick, wenn man nachts im Krankenhaus zu einem Notfall gerufen wird, fast zur Sucht. Hat man bereits einiges erlebt, werden diese Nächte mühsam. Das wollte ich nicht bis zu meiner Pensionierung machen.“ Also zog Schalk im Jahr 2006 nach Mürzzuschlag und übernahm die Ordination.

So leidenschaftlich Schalk Menschen in allen Lebenslagen fotografiert, so sehr sucht er zu vermeiden, seine (ehemaligen) Patientinnen und Patienten vor die Linse zu bekommen.

Obwohl er auch professioneller Hochzeitsfotograf ist. „Damit ich das Handwerk nicht verlerne.“ Dabei geht er ähnlich an die Aufgabe heran wie bei der Streetfotografie und versucht, eine Reportage des Hochzeitstages zu erstellen, die der Dynamik des Tages gerecht wird – vom Ankleiden in der Früh bis zum Hochzeitstanz. Heuer beispielsweise zweimal in Italien. Ein italienisches Hochzeitspaar hatte ihn gleich weiterempfohlen.

Bei Wettbewerben macht Schalk nicht mit. Zwar stellt er hin und wieder mit einem Freund gemeinsam Fotos aus und macht Kataloge, aber das reicht ihm an Publizität.

Mit großer Sorgfalt widmet er sich den Titeln seiner Fotos, die das Auge des Betrachters gezielt lenken. Aus den sozialen Fotografie-Netzwerken hat er sich zurückgezogen. „Wenn man da alle Meldungen beantworten möchte, sitzt man in der Freizeit nur mehr am Rechner. Dann fehlt die Zeit zum Fotografieren.“

AERZTE Steiermark 11/2018

Fotos: Schalk




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