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Erst helfen, dann fragen

Als Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Bergretter und neuer Landesarzt der Steirischen Bergrettung lebt Stefan Heschl seine Leidenschaft für die Berge ebenso intensiv wie seine Begeisterung für die Medizin.

Reinhard Sudy

Dem neuen Landesarzt der Steirischen Bergrettung , Stefan Heschl, wurde die Liebe zur Medizin wie die Liebe zu den Bergen schon in die Wiege gelegt. Im Murtal in der Bezirkshauptstadt Knittelfeld aufgewachsen, ging er schon als Kind gerne Skifahren und liebte die Ausflüge und Wanderungen mit seinen Eltern in die umliegenden Berge. Sein Vater ist Arzt für Allgemeinmedizin, Distriktsarzt, Notarzt, Alpin- und Höhenmediziner, aber auch Ortsstellenarzt der Bergrettung Knittelfeld. Heschls Mutter ist in der Ordination des Vaters in Knittelfeld für das Praxismanagement verantwortlich.

Es war also nicht selbstverständlich, aber doch irgendwie naheliegend, dass Stefan Heschl nach seiner Volks- und Mittelschulzeit in Knittelfeld mit dem Medizinstudium begann, obwohl – wie er betont – seine Eltern auch jede andere Berufswahl ermöglicht hätten. Genau genommen fiel seine Entscheidung erst beim Bundesheer. Als Grundwehrdiener beim Fliegerregiment 2 im Fliegerhorst Zeltweg konnte er die Ausbildung zum Rettungssanitäter absolvieren – vier Wochen Theorie und anschließend vier Wochen Praktikum beim Roten Kreuz. „Ich entschied mich damals für ein Medizinstudium in Graz, war dann während meines Studiums ehrenamtlich beim Roten Kreuz in Knittelfeld im Einsatz und bildete mich als Notfallsanitäter und Führungskraft weiter“, erzählt Heschl. Auch seine jüngere Schwester hat Medizin studiert und arbeitet derzeit als Assistenzärztin im Kinderspital Zürich.

Beeindruckt von der Professionalität

Gleich nach dem Studium in Graz hat Heschl mit der Facharztausbildung begonnen und seit Jänner 2018 ist er Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin. „Es ist ein überaus interessantes und heute sehr breit aufgestelltes, umfangreiches medizinisches Fachgebiet, zu dem ich schon durch meine Ausbildung zum Rettungs- und Notfallsanitäter und als Bergrettungsarzt einen starken Bezug habe. Mein aktueller Schwerpunkt ist neben der Anästhesiologie und Intensivmedizin auch die Notfallmedizin und ihre weitere Entwicklung, die neben den manuellen Tätigkeiten auch wissenschaftlich interessant ist.“

Während der Studienzeit begleitete Heschl einmal seine Bergfreunde von der Knittelfelder Bergrettung bei einem Einsatz: „Die Kameradschaft der Bergretter auch im Privaten habe ich immer schon sehr geschätzt und ich war beeindruckt, wie professionell damals der tiefunterkühlte Patient versorgt wurde und dieser dadurch alles sehr gut überstanden hat.“ Dieses Erlebnis überzeugte ihn und war der letzte Push, selbst zur Bergrettung zu gehen.

Wenn jemand in eine alpine Notlage gekommen ist, wird von Seiten der Bergrettung zuerst geholfen und nicht gefragt, warum etwas passiert ist. Natürlich gibt es kritische Nachbetrachtungen, ob und wie eine Notlage oder ein Unfall hätte vermieden werden können – aber jeder macht Fehler und auch die erfahrensten Bergsteiger können in eine Situation geraten, in der sie fremde Hilfe benötigen. Vor jedem Bergrettungseinsatz müssen die Einsatztaktik abgestimmt und die Risiken und Gefahren eingeschätzt werden, damit die Rettungskräfte nicht selbst gefährdet werden, schildert Heschl.

Vater und Sohn

Das Einsatzgebiet der Ortsstelle Knittelfeld des Österreichischen Bergrettungsdienstes umfasst den ehemaligen politischen Bezirk Knittelfeld, der Schwerpunkt liegt in den Gaaler Tauern. „Hier sind mein Vater und ich im Team der Bergrettung Knittelfeld als Bergrettungsärzte im Einsatz. Eine Einsatzalarmierung erfolgt durch den Einsatzleiter per SMS und ich melde dann zurück, ob ich verfügbar bin. Wobei ich natürlich durch Familie, Beruf und Wohnsitz in Graz nicht immer bei den Einsätzen oder den Übungen dabei sein kann.“ Und nicht jeder Einsatz der Bergrettung – wenn sich z. B. ein Wanderer oder Bergsteiger verirrt hat – braucht immer zwingend einen Arzt vor Ort, zumal ja auch die Bergretter medizinisch sehr gut ausgebildet sind.

Besonders wichtig für Stefan Heschl ist das Zusammenspiel der Bergrettung mit allen anderen Rettungs- und Einsatzorganisationen. „Wir arbeiten sehr gut zusammen und haben immer wieder gemeinsame Übungen. Wenn das Flugwetter gut ist, kann oft schon der Rettungshubschrauber mit seiner Mannschaft ein Problem sehr gut lösen. Bei schwierigen Wetterverhältnissen wird in jedem Einzelfall individuell entschieden, wie die Bergungs- und Rettungskette organisiert werden kann: Was kann die Bergrettung am Boden machen, wieweit kann ein Hubschrauber eingesetzt werden“, erklärt Heschl.

„Große Verantwortung“

Im Gegensatz zum Einsatz im Gelände der unmittelbar vor Ort tätigen, lokalen Bergrettungsärzte hat der Landesarzt der Bergrettung vor allem koordinierende und organisatorische Aufgaben. Stefan Heschl war die letzten fünf Jahre bereits Stellvertreter des Landesarztes der Bergrettung Steiermark. „Mir waren also die Aufgaben und die große Verantwortung schon klar, die auf mich zukommen, als ich auf der letzten Landesversammlung 2017 für die kommenden fünf Jahre zum neuen Landesarzt gewählt wurde“, meint er rückblickend und schildert gleich die damit verbundene Arbeit.

Neben einem gewissen Maß an Repräsentation und der Auseinandersetzung mit dem großen öffentlichen Interesse an Bergunfällen steht für ihn die kontinuierliche Verbesserung der medizinischen Versorgung von Unfallopfern und Erkrankten in oft schwierig zugänglichem Gelände im Mittelpunkt. Zunehmend mehr – auch untrainierte –Menschen suchen beim Wandern und Bergsteigen Erholung oder sportliche Herausforderung. „Ich sehe es als meine wichtigste Aufgabe, gemeinsam mit einem hochmotivierten und erfahrenen Team von Ärzten und Notfallsanitätern den hohen medizinischen Standard der steirischen Bergretter zu halten und weiterzuentwickeln.“ In der Praxis bedeutet das, sich laufend um die Qualität der medizinischen Ausbildung und Ausrüstung der Bergretter zu kümmern, deren medizinisches Wissen und Können anhand von realitätsnahen Notfällen zu üben und Tipps und Tricks aus der Praxis von erfahrenen Rettern zu vermitteln. „Unser medizinischer Ausbildungsbereich ist ja bestens in das mehrstufige Ausbildungs- und Fortbildungsprogramm des steirischen Bergrettungsdienstes eingebunden.“

„In meinen Bergen“

Die Frage, wie er sich neben Beruf und Familie fit halte, beantwortet der frischgebackene Vater lächelnd: „Ich bin so gut es geht in meinen Bergen unterwegs. Im Winter mache ich Skitouren und gehe Freeriden, im Sommer klettere ich mit den Kameraden von der Bergrettung oder wandere mit meiner Frau, die selbst gerne durch die Bergwelt streift. Wie das nun mit unserer im Mai geborenen Tochter gehen wird, wird sich zeigen. Meine Gattin Corinna Binder-Heschl ist ja ebenfalls Ärztin und in der Facharztausbildung an der Klinischen Abteilung für Neonatologie der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde.“ Die sportliche Kinderärztin kommt ebenfalls aus Knittelfeld. Die beiden kennen einander schon seit ihrer Kindheit und haben beide an der Medizinischen Universität Graz auch das Doktoratsstudium medizinische Wissenschaften überaus erfolgreich abgeschlossen.

Als Arzt und Bergretter ist für Stefan Heschl die Arbeit im Team mit anderen medizinischen Fächern und mit den verschiedenen Einsatzorganisationen unabdingbar. „Wir alle haben ja das Wohl des Patienten im Auge. Und ich hoffe, dazu mit meiner Arbeit als Anästhesist, als Notfallmediziner und auch als Landesarzt der Steirischen Bergrettung beitragen zu können.“


AERZTE Steiermark 10/2018

Fotos: Sudy, Edlinger




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