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Bezirksärzteversammlung Leoben
19.09.2022, 19:30 Uhr

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AERZTE Steiermark 06/2022

 

„Den Körper richtig bewohnen“

Die Allgemeinmedizinerin Katharina Dunst findet im Tanz Freude und Heilung. Erst nach einigem Zögern und einer ganz der Kunst gewidmeten Lebensphase hat sie ihre ärztliche Berufung angenommen. Unter dem Pseudonym Kaya Lasika tanzt und choreografiert sie daneben weiter.

Ursula Scholz

Musicaldarstellerin. So lautete der erste Berufswunsch der Oststeirerin Katharina Dunst. Schon im Alter von 15 Jahren bereitete sie sich mit Gesangs- und Tanzstunden auf diese Profession vor. Ihre Eltern bestanden allerdings darauf, dass sie zuvor maturieren sollte. In den letzten Schuljahren kristallisierte sich dann eine zweite berufliche Neigung heraus: die Biologie – und mit ihr die Medizin im ursprünglichen Sinne der Heilkunst. „Nach der Matura war ich realistisch genug, um einzusehen, dass ein Bühnenberuf nicht nur brotlos ist, sondern auch bedeutet, keinen fixen Wohnsitz zu haben. Diese Aspekte sprachen dann doch gegen den Berufsweg als Musicaldarstellerin“, erzählt Katharina Dunst. Zugunsten der Medizin fuhr sie also ihre tänzerischen Aktivitäten gegen Null und konzentrierte sich auf das Studium.

Gegen Mitte der Studienzeit jedoch begann sie, mit der Medizin zu hadern. Das hierarchische System und die starre Abgrenzung der Schulmedizin zu naturheilkundlichen Verfahren ließen sie an der eingeschlagenen Richtung zweifeln. Sie selbst wollte als Ärztin alles, was heilt, anwenden können und litt unter respektlosen Bemerkungen gegenüber ergänzenden Heilverfahren. Ihre innere Zerrissenheit heilte sie mit ihrer Rückkehr zum Tanz. Sie erweiterte ihr Repertoire in Richtung Ballett und absolvierte entsprechende Prüfungen. „Eine Zeit lang habe ich mehr getanzt als studiert. Aber da ich das, was ich begonnen habe, auch durchziehe, habe ich auch mein Medizinstudium durchgezogen und in fünfeinhalb Jahren beendet.“

 

„Vorau hat mich aufgefangen“

Um sich nach dem Studienabschluss den großen Traum eines Tanztrainings am Broadway Dance Center in New York City leisten  zu können, jobbte Katharina Dunst in der Studienendphase als Putzfrau und als Befundschreiberin für einen Orthopäden. Wieder zurück in Österreich verdiente sie ihr Geld als Tanzlehrerin, im Rahmen eines Engagements bei Giuseppe Verdis „Il trovatore“ an der Grazer Oper  – sowie als Mitarbeiterin eines Naturkost-Fachgeschäfts. Zweifel an dieser Lebensform wuchsen, als sie einem ehemaligen Lehrer in der Rolle der Verkäuferin begegnete. „Was tust du da? Hast du nicht Medizin studiert …?“, fragte er. Ein weiterer Impulsgeber für die Rückkehr zur Medizin war Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus Berlin und Inhaber der Stiftungsprofessur für klinische Naturheilkunde am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Als sie sein Buch Heilen mit der Kraft der Natur las, wurde ihr bewusst, dass jene Art von Medizin, die ihr vorschwebt, auch praktiziert wird.

Den letzten Denkanstoß lieferte dann ihre Mutter mit dem Vorschlag, im Vorauer Marienkrankenhaus um einen Turnusplatz anzufragen. Vielleicht fühle sie sich ja in einem kleinen Landkrankenhaus wohler … „Mich dort zu bewerben war die beste Entscheidung meines Lebens!“, resümiert Dunst. „Ein traumhaftes Team“, streut sie ihren ehemaligen Arbeitskolleg*innen Rosen. Der Geist des Hauses und der herzliche Zugang zu den Patient*innen, gaben ihr die Freude an der Medizin zurück. „Vorau hat mich aufgefangen.“

Auf zwei Beinen

Bewusst absolvierte Katharina Dunst möglichst viele Teile des Turnus in Ordenskrankenhäusern, deren speziellen Zugang zu den Patient*innen sie schätzt; den Rest im nahe gelegenen LKH Oberwart. Anschließend ging sie in die Lehrpraxis beim Pinggauer Hausarzt Winfried Koller – und blieb. Zunächst auf Honorarbasis und ab Jahresbeginn 2022 als seine Angestellte für zweieinhalb Tage pro Woche. Die zweite Hälfte der Woche widmet sie ihrer im Juni eröffneten naturheilkundlichen Wahlarztpraxis in Vorau, in der sie sich jene Zeit für die Patient*innen nehmen kann, die im Kassenarzt-Alltag fehlt. Somit steht die Tänzerin auch als Ärztin auf zwei Beinen: „Ich mag den niederschwelligen Zugang zur Kassenordination – aber auch die Freiheiten der wahlärztlichen Tätigkeit. Die Kombination passt gut.“

Zum Erwerb der nötigen Kompetenzen in komplementärer Medizin absolviert(e) sie in den vergangenen Jahren an der Universität Duisburg-Essen, wo es einen Lehrstuhl für Naturheilkunde und Integrative Medizin gibt, an dem traditionelle Verfahren auch wissenschaftlich überprüft werden, Zusatzausbildungen in Naturheilkunde, Mind Body Medicine und derzeit in Autosystem-Hypnose.

Freiheit in Tanz und Medizin

Heilung liegt für Dunst aber auch im Tanz. „Tanzen ist eine Bewältigungsstrategie, eine Möglichkeit, Zugang zu Gefühlen zu schaffen. Auch im Bereich der Kunst habe ich mich von der Technik-Orientierung weg entwickelt und mit meiner Methode des SoulDance meine Freiheit als Künstlerin gefunden.“ Um nicht als Ärztin ihren seriösen Ruf zu schmälern, agiert Katharina Dunst als Tänzerin unter dem Künstlernamen Kaya Lasika. „Kaya, habe ich in Kroatien gelernt, ist dort die übliche Abkürzung für Katarina. Und der Name passt einfach zu mir. Da ich auch Bücher schreibe, habe ich für den Verlag noch einen Nachnamen gebraucht und einen gesucht, der mit Tanzen zusammenhängt.“ Fündig wurde sie im Sanskrit, wo „lasaka“ nicht nur tanzend, sondern auch sich hin- und herbewegend bedeutet. „Ich bewege mich als Ärztin und als Künstlerin schließlich auch zwischen zwei Welten.“

Als Künstlerin drückt sie nicht nur sich selbst im Tanz aus, sondern gibt etwas von diesem Körpergefühl auch weiter. „Der Körper sagt uns so viel, wenn wir ihn richtig bewohnen.“ Derzeit finden ihre SoulDance-Kurse via zoom statt – oder als Retreat in Ägypten. Denn Kaya Lasikas Verständnis von Tanz umfasst auch spirituelle Aspekte sowie die Suche nach der Vielfalt der weiblichen Rollen, auch der wilden. „Ich möchte die Menschen begleiten und zu ihrem Kern führen.“

Innere Ruhe

Die Freude am Musical, die den Beginn ihrer Tanzkarriere markiert hat, ist der ambitionierten Ärztin geblieben: Seit vielen Jahren ist sie Teil der Musical-Festspiele auf Schloss Hartberg, mittlerweile auch als Choreografin. Heuer wird in der zweiten Juli-Hälfte Andrew Lloyd Webbers Jesus Christ Superstar aufgeführt und die Tänzer*innen im Gefolge des Simon Zelotes werden nach ihren Ideen tanzen.

Wie sie für all diese Aktivitäten Zeit findet, kann Katharina Dunst nicht beantworten. „Ich weiß es nicht – ich mach´ einfach. Ich arbeite sehr strukturiert, verfüge aber auch über eine große innere Ruhe.“

 

Fotos: Richard Dunst, beigestellt




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