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ANSTOSS: Mit den Menschen planen

„Reformen sind notwendig, aber mutig sind sie nur, wenn sie gemeinsam mit den Betroffenen geplant werden.“ Herwig Lindner, über eine Gesundheitspolitik, die vom Sparzwang diktiert wird.

Ein Zwischenfall bei einer medizinischen Behandlung ist fast unmittelbar erkennbar. Er kann untersucht werden, Gutachter können objektiv feststellen, ob ein Fehler vorlag.
Fehler in der Gesundheitspolitik können nicht sofort festgestellt werden. Wenn die Wege zur internistischen Akutversorgung länger werden, verrät uns die Statistik erst Jahre später, dass mehr Menschen verstorben sind, noch bevor sie ärztlich behandelt werden konnten.
Das ist die Tragik der Gesundheitspolitik, aber auch Vorteil: Sie kann für Strukturfehler, die sie verursacht hat, kaum zur Verantwortung gezogen werden, weil deren Auswirkungen erst sehr viel später belegbar sind.
Mit einer solchen Gesundheitspolitik haben wir es in der Steiermark derzeit zu tun. Aus der Not zur Sanierung des Budgets beitragen zu müssen, werden Spitalsstandorte reduziert und Leistungsangebote heruntergefahren. Diejenigen, die die Folgen täglich in ihrer Arbeit erleben werden, Ärztinnen, Ärzte und Pflegepersonal, werden kaum informiert und noch weniger gefragt.
Wenn sie sich zu Wort melden, wirft man ihnen vor, sie würden mit dem „Leichentuch wacheln“. Es stimmt, das tun sie, weil die Heilung genauso zu ihrem Beruf gehört wie der Tod. Für sie ist er keine statistische Größe, sie müssen ihm ins Auge schauen. Sie können Angehörigen nicht sagen „Tut mir leid, der Todesfall war im System vorgesehen“.
Dennoch tun sie alles, um ihren Beitrag zum Sparprogramm der öffentlichen Hand zu leisten. Und das seit Jahren. Die durchschnittliche Verweildauer von Patienten ist in den letzten zehn Jahren um fast ein Fünftel gesunken. Alle Spitäler im Land, deren Leitungen und die Führung der Kages haben dazu beigetragen.
Zum Dank muss die Führung der Kages damit rechnen, im nächsten Jahr ausgetauscht zu werden, Leitungen der Häuser sollen eine zusätzliche regionale Führungsebene vor die Nase gesetzt bekommen, in denen die Betriebswirte entscheiden, aber die Ärzte die medizinische Verantwortung tragen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden mit vagen Arbeitsplatzgarantien abgespeist, wissen aber nicht, wann sie wo welche Arbeit tun werden können.
Reformen sind nötig, aber mutig sind sie erst, wenn sie nicht über die Betroffenen hinweg, sondern gemeinsam mit ihnen geplant werden.
Wenn diese nicht nur zuhören dürfen, sondern wenn auf sie gehört wird.

Herwig Lindner ist Facharzt für Innere Medizin und Präsident der Ärztekammer Steiermark

 

Quelle: "Kleine Zeitung" vom 23.08.2012 Seite: 24 Ressort: Bundesland Steiermark




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