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18. Dezember 2019


Ärztliche Bereitschaftsdienste während der Weihnachtsfeiertage

Ärztekammer: ärztliche Notfallversorgung grundsätzlich gesichert – kein Grund zur Panik – Verbesserungsmöglichkeiten bestehen

Aus dem Gesundheitsfonds hatte es zuletzt dramatische Meldungen gegeben, dass viele zu wenige Ärztinnen und Ärzte an den Bereitschaftsdiensten über die Weihnachtsfeiertage teilnehmen. Inzwischen habe sich die Lage aber etwas entspannt, teilte die Ärztekammer am Mittwoch mit. Verbesserungsbedarf gäbe es aber, nur seien die bisherigen Empfehlungen der ärztlichen Expertinnen und Experten von den Verantwortlichen bei Gesundheitsfonds und Gebietskrankenkasse weitgehend ignoriert worden.  

452 Ärztinnen und Ärzte haben sich für den Bereitschaftsdienst gemeldet. 349 davon (rund 72 Prozent) sind niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, von diesen haben 294 (84 Prozent) einen GKK-Vertrag. 71 angestellte Ärztinnen und Ärzte (das sind 15,7 Prozent) nehmen ebenfalls teil, dazu kommen noch 32 so genannte Wohnsitzärztinnen und -ärzte, die den Arztberuf nur begrenzt ausüben (7,1 Prozent).
Nur ein Teil dieser angemeldeten Ärztinnen und Ärzte nimmt dann tatsächlich an den Diensten teil, die Beteiligung ist aber in den letzten Tagen merklich gestiegen. 42,6 Prozent der Visitendienste zwischen Weihnachten und Neujahr sind aktuell (Stand 17.12.2019) besetzt, etwa 9 Prozentpunkte mehr als 14 Tage zuvor. Die Zahl der Regionen ohne Dienste ist von 5 auf 2 gesunken.
Gleichzeitig sind 86,1 Prozent der Ordinationsdienste gebucht. Das bedeutet ein Plus von 7,8 Prozentpunkten gegenüber den Meldungen von 5. Dezember.
Der steirische Ärztekammerpräsident Herwig Lindner sprach deswegen von einer „überzogenen Verunsicherung“ der Bevölkerung. Er hoffe, dass die Beteiligung noch weiter steigen werde. Die Ärztekammer habe jedenfalls ihre Unterstützung angeboten und auch ein Mailing an alle 452 beteiligten Ärztinnen geschickt. Das war aber erst vor kurzem möglich, da der Gesundheitsfonds über Probleme bei der Dienstbesetzung lange Zeit geschwiegen habe. „Mit mehr Kooperation statt Konfrontation würden so manche Probleme erst gar nicht entstehen“, sagte der steirische Ärztekammerpräsident.
Im gesamten 4. Quartal 2019 (Oktober bis Dezember) liegt die Zahl der besetzen Visitendienste bei 56,2 Prozent und die der Ordinationsdienste bei 85,4 Prozent.
Lindner sprach aber auch die Probleme an. So würden Ärztinnen und Ärzte darüber klagen, dass sie während des Bereitschaftsdienstes vom Gesundheitstelefon 1450 kaum zu Hausbesuchen gerufen würden. „Hier gibt es beim Gesundheitstelefon 1450 noch einiges Verbesserungspotenzial“, sagte Lindner.


Kleinere Regionen zu Reduktion der Fahrzeiten

Ein weiteres Problem sprach der Obmann der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, Ärztekammervizepräsident Norbert Meindl, an. Die Reduktion von 93 Dienstsprengeln auf 25, zuerst sogar nur 24, Dienstregionen habe zu teils extrem langen Fahrzeiten geführt. Kleinere Regionen, die Ärztekammer habe 37 bis 50 vorgeschlagen, würde dazu beitragen, dass die Ärztinnen und Ärzte weniger Zeit im Auto und mehr bei den Patientinnen und Patienten verbringen könnten.
Ein begleitender Fahrdienst sei ebenfalls sinnvoll, und zwar aus zwei Gründen. Ortskundige Fahrer würden die Suchzeiten nach teils entlegenen Adressen senken und sie würden die Sicherheit steigern. „Vor allem Ärztinnen fürchten tätliche Angriffe – die jüngste Umfrage auf Bundesebene hat gezeigt, dass rund ein Viertel der Ärztinnen und Ärzte in den Spitälern bereits physische Gewalt erlebt hat“, so Meindl. „Da ist es wenig verwunderlich, wenn auch Dienstärztinnen das als reale Gefahr sehen.“
Alle diese Punkte haben die Expertinnen und Experten der Ärztekammer in der Planungs-phase bereits angesprochen, nur wurden deren Empfehlungen von den Planern im Gesundheitsfonds weitgehend in den Wind geschlagen.


Abendordination als sinnvolle Ergänzung

In einem Punkt wurde aber – wenn auch mit leichter Verzögerung – aufgegriffen, was die Expertinnen und Experten der Ärztekammer vorschlugen. Seit Mitte des Jahres gibt es an den Wochenenden und Feiertagen zu den Hausbesuchen auch offene Bereitschaftsdienst-ordinationen. Diese werden gut angenommen. Auch über Weihnachten sind mehr als 86 Prozent bereits fix gebucht. Das zeige, „wie wichtig die von den Planern Anfangs ungeliebten offenen Bereitschaftsdienstordinationen für die Versorgung sind“.
Als Ergänzung hält Meindl Abendordination für sinnvoll, die auch zur Entlastung der Spitalsambulanzen beitragen können.

Zusammenfassend verlangte Meindl die Umsetzung eines 5-Punkte-Programms:

  • Klares Bekenntnis zur Freiwilligkeit, um die Besetzung von Kassenstellen zu gewährleisten
  • Optimierung des Gesundheitstelefons 1450: beschleunigte Abwicklung durch besser qualifiziertes Personal (Telefonärztin/Telefonarzt)
  • Reduktion der Sprengelgrößen, um die Fahrzeiten für Hausbesuche zu senken
  • Erfahrene Fahrbegleitung für die diensthabenden Ärztinnen und Ärzte, um deren Sicherheit zu gewährleiten und langwieriges Suchen nach Adressen zu vermeiden
  • Zusätzlich zu den Wochenendordinationen Abendordinationen unter der Woche – auch zur Entlastung der Spitalsambulanzen


Ambulanzen unter Druck – viele umgehen Bereitschafsdienstsystem und Gesundheitstelefon

Auch wenn offizielle Zahlen großteils fehlen, beklagten die Spitalsambulanzen eine zunehmende Belastung, berichtete der Obmann der angestellten Ärztinnen und Ärzte, Ärztekammervizepräsident Eiko Meister. Das sei vermutlich darauf zurückzuführen, „dass sich viele Menschen die Alarmierung über das umständliche Gesundheitstelefon gar nicht antun, son-dern gleich in Ambulanz fahren“. Es liege aber möglicherweise auch daran, dass vom Gesundheitstelefon zum Aufsuchen einer Spitalsambulanz geraten werde, auch wenn der ärztliche Hausbesuch sinnvoller sei.
„Ich verlange eine intelligente Patientensteuerung, die sicherstellt, dass Menschen ohne Notwendigkeit in die Ambulanzen geraten“. Dies könne gelingen, wenn das Gesundheitstelefon 1450 effizienter werde. Dazu sei es sinnvoll, die Leistungen dieses Gesundheitstelefons laufend zu evaluieren und zu verbessern.

„Lernendes System“

Lindner fasste die Forderungen zusammen: „Bereitschaftsdienststruktur und Gesundheitstelefon müssen ein lernendes System sein, und zwar ein rasch lernendes System. Schuldzuweisungen an Fehlern, die bei einer Planung am Grünen Tisch passieren können, bringen uns nicht weiter. Verbesserungen schon.“




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