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30. September 2016

E-Medikation-Pilot: Deutschlandsberger Ärzte steigen aus
Kein Vertrauen mehr in den Hauptverband – unausgereiftes Projekt soll zurück in die Fabrik

Den Ärzten im Bezirk Deutschlandsberg, die freiwillig und ohne jegliche Gegenleistung viel Zeit in den Pilotversuch „E-Medikation“ gesteckt haben, reicht es. Nachdem ihnen Volker Schörghofer, Generaldirektor-Stellvertreter des Hauptverbandes und Geschäftsführer der SV-Chipkarten Betriebs- und Errichtungsgesellschaft (SVC) wörtlich „Steinzeit“ vorgeworfen hat, brechen sie die Teilnahme am Projekt ab.

Der Pilotversuch war von Anfang an von Problemen begleitet. Teilweise konnte die Kompatibilität der E-Medikations-Applikation mit der Ärztesoftware nicht hergestellt werden, es gab Ausfälle und erhebliche Zeitverzögerungen. Teilnehmer klagten schon länger darüber, dass die SVC diese Probleme nicht lösen konnte. Stattdessen schob sie den freiwillig am Pilotprojekt Teilnehmenden die Schuld am Versagen der E-Medikations-Applikation zu.

Bestätigt wurde dieser Eindruck durch die jüngsten Aussagen von SVC-Geschäftsführer und Hauptverbands-Generaldirektor-Stellvertreter Volker Schörghofer, der kürzlich assistiert vom niederösterreichischen Patientenanwalt Gerald Bachinger bei einer Pressekonferenz zum Rundumschlag gegen die Ärzte ausholte und ihnen vorwarf in der EDV-Steinzeit zu arbeiten.

Der steirische Ärztekammerpräsident Herwig Lindner zeigte Verständnis für die Entscheidung der Kollegen: „Die Ärzte arbeiten in der EDV-Realität, der sich die EDV-Traumwelt der SVC nicht anpassen kann oder will.“ Das mache die Fortführung des Pilotversuchs sinnlos. Eine Erkenntnis habe man daraus schon gewonnen: „Die E-Medikation funktioniert noch nicht.“

Grundsätzlich halte er eine technisch einwandfreie, Funktionalität und Sicherheit gewährleistende E-Medikation für durchaus sinnvoll und so dächte auch die überwiegende Zahl der Ärztinnen und Ärzte. „Aber wenn das System nicht funktioniert, muss es zurück in die Fabrik“, so Lindner. Die E-Medikation könne angesichts der begrenzten Zahl von Ärztesoftware-Herstellern dort getestet und funktionstauglich gemacht werden.

„Wenn die Produzenten von Autos, Waschmaschinen oder Mobiltelefonen erkennen, dass ihre Produkte mangelhaft sind, rufen sie diese zurück – der Hauptverband beschuldigt dagegen die Anwender“, sagte der steirische Ärztekammerpräsident. Das sei nicht hinzunehmen.

Zusätzlich forderte Lindner, vorab die Finanzierung der E-Medikation zu klären: „E-Health ist ein öffentliches Infrastrukturprojekt. Daher haben der Staat und seine vorgelagerten Einrichtungen die Finanzierung und das technische Funktionieren sicherzustellen.“




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