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Arbeit in Hülle und Fülle

Pressegespräch zum Themenschwerpunkt 2012 der Ärztekammer Steiermark „gesundes arbeiten“

15. November 2011


Präsident der Ärztekammer Steiermark Dr. Wolfgang Routil, Studienautor und Universitätsprofessor der Medizinischen Universität Wien Dr. Michael Kundi und Arbeitsmedizinreferent Dr. Georg Wultsch informieren am 15. November 2011 im Grazer Haus der Medizin über den zentralen Themenschwerpunkt der Ärztekammer Steiermark „gesundes arbeiten“. Die Ergebnisse der präsentierten Metastudie zu den „Salutogenen Aspekten der Arbeit“ zeigen, dass bereits kleine Maßnahmen große positive Wirkungen entfalten können.

 

Arbeit ist ein zeitintensiver und bedeutungsvoller Faktor im Leben eines jeden Menschen. Es ist wichtig die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass sie eine gute Basis für ein gesundes Leben ermöglichen.

Der Diskurs um das Thema Arbeit ist oft negativ besetzt. Schlagworte wie Burn Out, Überforderung, mangelnde Ruhezeiten und fehlende Anerkennung begleiten das medizinische Personal. Hier will die Ärztekammer Steiermark eingreifen und den Fokus auf die Prävention legen, um Frust im Arbeitsleben zu vermeiden.

„Als Ärztekammer wollen wir einen Beitrag leisten und das Thema Arbeit aus einer präventiven Perspektive heraus intensiv bearbeiten. Prävention ist der Schlüssel zu einer gesünderen Zukunft – diese präventive Investition in gesundheitsfördernde und zufriedenheitssteigernde Arbeitsbedingungen spart sehr viel Geld und Leid. Die erste Frage, die wir uns stellen ist, was gibt es zum Thema „Gesundes Arbeiten“ bereits? Auf welchen Erkenntnissen können wir aufbauen? Dabei wollen wir insbesondere auf jene Faktoren hinweisen, die einen positiven Effekt der Arbeit auf unser Wohlergehen, auf unser Leben ermöglichen. Daraus werden dann konkrete Maßnahmen abzuleiten sein und auch ein politisches Programm,“ so Dr. Wolfgang Routil, Präsident der steirischen Ärztekammer.

Im Auftrag der Ärztekammer Steiermark erstellte die Medizinische Universität Wien unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Michael Kundi eine Studie zum Thema „Salutogene Aspekte der Arbeit“.

Folgende vier Bereiche wurden in der Untersuchung analysiert:
1. Arbeitszeit/Arbeitspausen
2. Führung/Kooperation/Teamarbeit/Ausbildung
3. Arbeitsplatz/Arbeitsbedingungen
4. Arbeitszufriedenheit

Diese Themengruppen wurden anhand einer Literaturrecherche in wissenschaftlichen Datenbanken erfasst und die eruierten Studien wurden einer Metaanalyse unterzogen. Die Ergebnisse wurden mittels einer formalen Metaanalyse oder – bei qualitativen Daten – einer qualitativen Metaanalyse bzw. durch „Narrative Review“ untersucht.

„Von in Arbeitsmedizin und Ergonomie seit Jahrzehnten bewährten Prinzipien für Industrie- und Büroarbeitsplätze hieß es immer: Das geht in der Medizin nicht! Wir fanden jedoch zahlreiche Studien, die gezeigt haben, dass das doch geht. Beispiel: Fixe Pausen in der Notaufnahme. Es geht, und das ohne mehr Personal,“ stellt Univ.-Prof. Dr. Michael Kundi fest.

Dr. Wultsch, Referent für Arbeitsmedizin der Ärztekammer Steiermark betont: „Zunehmender Leistungsdruck und administrative Vorgaben machen ärztliches Handeln in der gesamten biopsychosozialen Bandbreite immer schwieriger. Dies gilt natürlich auch für das Pflegepersonal, wo eine dünne Personaldecke schneller und deutlicher für die PatientInnen zu spüren ist.“ Weiters konkretisiert Herr Dr. Wultsch: „Ansatzpunkte könnten hier Anpassungen der Ablauf- und Organisationstruktur auf die wirklich zur Verfügung stehen Ressourcen sein. Neben Optimierung der Arbeitsumfeldbedingungen - hier im Wesentlichen die Umsetzung der ArbeitnehmerInnenschutzbestimmungen - werden Verbesserungen von Kommunikation und gezielte Problemlösungen im Team etwa durch Supervision unabdingbar sein, um die bis jetzt möglichen Spitzenleistungen weiter erbringen zu können.“


Die wichtigsten Studienergebnisse und Schlussfolgerungen

      • Kurzpausen sind von großer präventiver Bedeutung, da sie zu einer Steigerung der Aufmerksamkeit und des Wohlbefindens sowie zur Erhöhung der Produktivität führen. Napping (Kurzschläfchen von fünf bis zehn Minuten) wirkt sich am Tag als auch in der Nacht positiv auf Leistung, Wachheit und Wohlbefinden aus. 
      • Es gibt einen Bedarf von integrativen Ansätzen zur Vorbeugung oder Reduzierung von gesundheitlichen Beschwerden bei Ärzten, Schwestern und Pflegern, da muskuloskelettale Erkrankungen (Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates) nicht durch einfache Maßnahmen wie z.B. Hebehilfen oder Best-Practice-Leitfäden verhindert oder verringert werden können. Spitalsärzte leiden vorwiegend an Nacken-und Schulterschmerzen (20 Prozent), beim Pflegepersonal sind rund 30 bis 60 Prozent davon betroffen. Rückenschmerzen kommen bei rund 30 bis 90 Prozent des Pflegepersonals und bei 30 bis 70 Prozent der Ärzte vor. Multifaktorielle Maßnahmen wie technische Hilfen, Coaching, Diskussionen über Verletzungen, Gruppenlernen etc. zeigen Wirkung und in Folge Besserung. 
      • Weiters herrscht eine Bedrohung der hohen Arbeitszufriedenheit des medizinischen Personals durch fehlende oder mangelhafte Teamarbeit und Kooperation sowie ungünstige Arbeitszeiten vor. Die beste Strategie, die Arbeitszufriedenheit und die Leistung zu verbessern, ist die Erhöhung des Entscheidungsspielraums bei gleichzeitiger Optimierung der Teamarbeit und Kooperation zwischen den Teams zu erreichen. Arbeitszufriedenheit und Arbeitsfreude reduzieren die wahrgenommene Belastung.
      • Teamarbeit ist aufgrund sinkender personeller Ressourcen von höchster Wichtigkeit. Steigende Arbeitszufriedenheit und Freude an der Arbeit durch gute Teamarbeit und -fähigkeit wirken sich positiv auf die Leistung aus und dadurch ist die Dichte an Arbeit bewältigbar.
      • Für eine erfolgreiche Implementierung von Teamarbeit und Kooperation wird eine adäquate Führungskultur vorausgesetzt.


„Freude an der Arbeit lässt das Werk trefflich geraten.“
Aristoteles

 

Fotocredit: Ärztekammer Steiermark / Symbol

v.l.n.r. Dr. Georg Wultsch, Referent für Arbeitsmedizin in der Ärztekammer Steiermark, Dr. Wolfgang Routil, Präsident der Ärztekammer Steiermark, Univ.-Prof. Dr. Michael  Kundi, Studienautor, Leiter des Instituts für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien

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