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Wann ist ein Arzt ein Arzt?

Medizin/Ausbildung/Gesundheit/Ärzte

6 Juli 2010


  • Österreichischen Medizin-Absolventen wird die Approbation zurzeit erst nach einem dreijährigen Turnus erteilt, obwohl das intensive Medizinstudium internationales Niveau hat.
  • Eine entsprechende praktische Ausbildung ist an der Med Uni Graz bereits seit mehreren Jahren im Studienplan eingebunden und hat sich bestens bewährt.
  • Med Uni Graz und Ärztekammer Steiermark befürworten eine Approbation nach dem Studium, um internationale Chancengleichheit für unsere Medizinabsolventen zu sichern
  • Die Einführung eines eigenen Ausbildungsfaches „Facharzt für Allgemeinmedizin“ wird seit nunmehr zehn Jahren von der Ärztekammer gefordert.
  • Grundvoraussetzung dafür ist eine gesicherte Finanzierung der Lehrpraxen
Rektor Josef Smolle und Ärztekammer Präsident Wolfgang Routil sprechen sich dafür aus, den österreichischen Medizinabsolventen die Approbation nicht erst nach einem dreijährigen Turnus, sondern nach dem Studium zu erteilen. Dieses Vorgehen ist in vielen europäischen Ländern, so auch in Deutschland, üblich.

„Es ist hoch an der Zeit, die Approbationsregelung in Österreich zu überdenken. Das derzeitige System dehnt die Ausbildungszeit über Gebühr bis ins 4. Lebensjahrzehnt aus. Dabei ist der Turnus auf Grund der Spezialisierung der Spitalsmedizin und der überbordenden Administration immer weniger geeignet, die relevanten Aspekte der Allgemeinmedizin zu vermitteln“, sind Rektor Smolle und Ärztekammerpräsident Routil überzeugt.

So wurde im Rahmen der vom Institut für empirische Sozialforschung (IFES) im Auftrag der Österreichischen Ärztekammer im April 2010 durchgeführten Studie zur Arbeitssituation der heimischen Spitalsärzte die Ausbildung von den Turnusärztinnen und -ärzten von 29% der Turnusärztinnen und -ärzten mit den Noten 4 oder 5 beertet, weitere 29% vergeben die Note 3.


Approbation

Österreichischen Absolventen wird die Approbation zurzeit erst nach einem dreijährigen Turnus erteilt, obwohl das intensive Medizinstudium internationales Niveau hat. Eine entsprechende praktische Ausbildung ist an der Med Uni Graz bereits seit mehreren Jahren im Studienplan eingebunden und hat sich bestens bewährt.
„Unser Studium ist sicherlich gleichwertig mit jenem in den Ländern, die die Approbation mit Studienabschluss erteilen“, erklärt Rektor Josef Smolle. Das Grazer Medizinstudium beinhaltet ein praktisches 6. Jahr, in dem die Studierenden bereits in den ärztlichen Alltag integriert sind. Davor ist ein sog. Objektives Strukturiertes Klinisches Examen zu absolvieren, bei dem die Studierenden ihre praktischen Fertigkeiten unter Beweis stellen müssen. Derzeit erfolgt auch eine österreichweite Abstimmung zwischen den Med Unis hinsichtlich dieser ärztlichen Anforderungen.

Das praktische 6. Jahr bringt die Studierenden jeweils für 5 – 10 Wochen in chirurgische und konservative Fächer sowie Spezialabteilungen in den Spitälern. Als Besonderheit gibt es in Graz auch einen 5-wöchigen Block Allgemeinmedizin, den die Studierenden mit einer 1:1-Betreuung bei Allgemeinmedizinern in der Praxis verbringen. Zum Erwerb der ärztlichen Fertigkeiten bietet die Med Uni Graz zusätzlich ein „Clinical Skills Center“, in dem die Studierenden unter tutorieller Betreuung an Modellen üben können. „Dieses besondere Service unterstreicht den Stellenwert, den wir der praktischen Ausbildung einräumen“, verweist Rektor Josef Smolle auf die Entwicklung der letzten Jahre.

Ärztekammerpräsident Routil fordert in diesem Kontext eine österreichweit einheitliche Approbationsordnung und Übergangsbestimmungen für Turnusärztinnen und -ärzte. „Wir brauchen für die Jungärztinnen und -ärzte, die aktuell ihren Turnus absolvieren, absolute Rechtssicherheit und klare Übergangsbestimmungen.“

Denkbar wäre für Routil auch ein „common trunk“: ein Jahr medizinische Basisausbildung nach dem Studium, egal, welches Fach angestrebt wird und ein „Jus migrandi“.

Approbation nach dem Studium heißt natürlich nicht, dass man dann als „praktischer Arzt“ arbeiten kann. Für dieses Berufsbild, das in Zukunft wohl noch an Bedeutung gewinnen wird, gibt es mittlerweile ein konkretes Modell seitens der Ärztekammer für eine Ausbildung zum „Facharzt für Allgemeinmedizin“.


„Als Med Uni schaffen wir die Voraussetzung für eine Approbation nach internationalem Vorbild“, betont Smolle. Für die damit einhergehenden Veränderungen in der postgradualen Ausbildung sind die Universitäten mit Ärztekammer, Spitalserhaltern und Politik im Gespräch, die in diesen Fragen auch am Zug sind.

Dr. Wolfgang Routil, Präsident der Ärztekammer Steiermark und Präsident der österreichischen akademie der ärzte, will im Vorfeld einer Gesamtreform der Ausbildung drei wesentliche Voraussetzungen gesichert wissen: die Erstellung einer einheitlichen Approbationsordnung durch die ÖÄK unter Einbeziehung der Medizinischen Universitäten, die Finanzierung der Lehrpraxis durch die öffentliche Hand und die gesetzliche Verankerung der Ausbildung zum „Facharzt für Allgemeinmedizin“. Die Einführung des Facharztes für Allgemeinmedizin hänge nach wie vor von der Finanzierung der Lehrpraxen ab - die Inhalte der Ausbildung selbst seien umsetzungsbereit. Die Ärzte haben ihre Vorbereitungen dazu erbracht.


Lehrpraxis

Derzeit sind in Österreich über 1000 Lehrpraxen (davon 360 in der Steiermark) bewilligt, sodass eine ausreichende Kapazität an Ausbildungsplätzen gegeben ist.
Mit 1. Juni sind in der Steiermark 41 Lehrpraxen aktiv, davon werden lediglich 4 gefördert.

Bisher hatten Jungmediziner, die einen Teil ihrer Turnusausbildung in einer Ordination ("Lehrpraxis") absolvieren, Anspruch auf ein Honorar von knapp 1.000 Euro. Seit 1. Jänner 2010 gilt ein neuer Kollektivvertrag für Turnusärzte in Lehrpraxen, der ein leistungs-gerechtes Gehalt, gestaffelt nach dem Ausbildungsgrad, vorsieht.

Das wiederum ist für die meisten Ordinationen aufgrund der knapp bemessenen Kassenhonorare ohne Förderung nicht mehr finanzierbar.

„Das Gesundheitsbarometer 2010 des Bundesministeriums zeigte höchste Zufriedenheitswerte der Bevölkerung mit den Hausärztinnen und -ärzten. Diese Werte gilt es auch für die Zukunft zu sichern. Die Finanzierung der Lehrpraxen muss von Bund und Land gefördert werden. Es kann nicht sein, dass in 2/3 der europäischen Länder die Lehrpraxis von öffentlicher Hand bezahlt wird und sich Österreich in dieser Angelegenheit jeder vernünftigen Regelung widersetzt. In einer Arbeit zur Allgemeinmedizin wurden von der Paracelsusuniversität in Salzburg die Kosten für 1,5 Jahre Lehrpraxis für alle künftigen Allgemeinmediziner mit 3 -10 Millionen Euro pro Jahr beziffert. Dieser Summe wurden die Kosten gegenübergestellt, die eine hochwertige Primärversorgung durch Allgemeinmediziner jährlich vermeiden kann. Das Einsparungspotenzial* ist beachtlich! Wer diese Möglichkeit der Kostenreduktion im Gesundheitswesen ignoriert, verschleudert Steuergelder“, warnt Routil.


Facharzt für Allgemeinmedizin

Die Bemühungen der Ärztekammer für Steiermark sowie der Österreichischen Ärztekammer zu einer Reform der Ausbildung zum Allgemeinmediziner haben Geschichte:

Bereits Anfang 2000 wurden von Präsident Dr. Routil auf Basis eines Gespräches im Bundesministerium zur Qualitätskontrolle in der Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin die Überlegung eingebracht, die Ausbildung zu verlängern bzw. einen Facharzt für Allgemeinmedizin einzuführen.

Ende 2002 ersuchte das Bundesministerium die Österreichische Ärztekammer um Stellungnahme zur Einführung eines Facharztes – um eine Anpassung an die EU-Länder zu erlangen.

2004 beschloss die Vollversammlung der Österreichischen Ärztekammer die Einführung eines Facharztes und ein vorliegendes Konzept.

„Wenn man sich diese Historie vor Augen führt, wie ich es für diesen Termin gemacht habe, und alle bereits getanen Bemühungen in dieser Angelegenheit Revue passieren lässt, muss man feststellen, dass die österreichische Gesundheitspolitik sich mit ihrer Kurzsichtigkeit und Entscheidungsschwäche ein erbärmliches Zeugnis ausstellt. Man spielt mit unserer Zukunft, setzt unsere Gesundheitsversorgung aufs Spiel und beschädigt unser Standing im internationalen medizinischen Umfeld “, konstatiert Ärztekammerpräsident Dr. Wolfgang Routil.



Fotocredit: Schiffer / Ärztekammer Steiermark


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