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Spitalsärzteversammlung LKH Stolzalpe
29.11.2017, um 14.00 Uhr

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Die Ärzte GmbH - zeitgemäßes Modell medizinischer Versorgung


  • Die Ärztekammer für Steiermark appelliert an die Gesundheitspolitik, zur Verbesserung einer wohnortnahen und zeitlich flexibleren Versorgung der Bevölkerung den rechtlichen Rahmen der GmbH für die Zusammenarbeit zwischen Ärzten zu ermöglichen. Abweichend von der mit dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger getroffenen Übereinkunft zum Kassensanierungspaket wurde die Einführung der Ärzte GmbH am 17. 11. 2009 nicht vom Ministerrat vorgeschlagen.

  • Die von der steirischen Gesundheitsplattform vorangetriebenen Pläne zur Gründung von Gesundheitszentren in den Spitälern gehen im Gegensatz zum zeitgemäßen Modell der Ärzte GmbH an den Bedürfnissen der Patienten vorbei.

  • Gleichzeitig würden durch diese Zentralisierung die akuten Fehlentwicklungen des derzeitigen Gesundheitssystems, die zu Doppelgleisigkeiten und hohen Kosten führen, weiter verschärft, zeigen sich die Vertreter der niedergelassenen und angestellten Ärzte gleichermaßen überzeugt. Gefordert ist hingegen mehr Kooperation und auch Flexibilität, freilich nach vereinbarten Grundprinzipien.

"Die aktuelle Diskussion um Gesundheitszentren in den Spitälern, deren Einrichtung von der Landesregierung für 2010 angekündigt wurde, orientiert sich leider nicht an den Bedürfnissen der Patienten", lautet die ernüchternde Diagnose von Dr. Wolfgang Routil, Präsident der Ärztekammer für Steiermark. "Während die steirische Gesundheitsplattform sich in ihrem Vorschlag für eine Zentralisierung der Leistungserbringung in den Spitälern ausspricht, erleben wir Ärztinnen und Ärzte in unserer täglichen Arbeit den klaren Wunsch der Patienten nach einer wohnortnahen und damit dezentralen, aber dennoch zeitlich flexiblen und effizienten ärztlichen Betreuung und nach freier Arztwahl."

Nur bessere Zusammenarbeit steigert die Versorgungsqualität

"Das Konzept der Gesundheitszentren fördert eine Auffassung von Medizin als ‚Supermarkt' - alle Leistungen sollen rasch, in Massen und nach einem einheitlichen Schema zur Verfügung stehen. Das klingt vielleicht im ersten Moment attraktiv, hat aber einen unfinanzierbaren Doppeleffekt zur Folge. Krankenhausstrukturen werden aufgeblasen und uneingeschränkt in Anspruch genommen, obwohl der Patient anschließend erst wieder mit dem niedergelassenen Arzt seines Vertrauens über den Befund sprechen und die Therapie planen möchte", ist Dr. Routil überzeugt. Eine sinnvolle Weiterentwicklung des derzeitigen Systems kann nur in einer Förderung von flexibleren Kooperationsformen zwischen Ärztinnen und Ärzten bestehen, die vor allem für die Sicherstellung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum von größter Bedeutung ist. Regionale Versorgungsangebote werden durch Vernetzung patientenfreundlicher gemacht. Das vor einem Jahr von der Ärztekammer Steiermark gestartete Pilotprojekt des Ärzteverbundes "styriamed.net" in zwei Bezirken (Hartberg und Leibnitz) geht schon klar in diese Richtung, muss sich aber derzeit auf eine virtuelle Kooperationsplattform im Internet beschränken. Der wesentliche nächste Schritt ist nun die Steigerung der Versorgungsqualität durch die Förderung von Gruppenpraxen.

Patienten wünschen sich Orientierung

Den niedergelassenen Bereich auf diese Weise zu optimieren, entspricht einer Rückbesinnung auf die in unserem Gesundheitssystem vorgesehene und ökonomisch sinnvolle Versorgungspyramide, in der der niedergelassene Allgemeinmediziner als Basisversorger und zentrale Drehscheibe fungiert. So wird der einzelne Patient dorthin gelotst, wo er am besten, schnellsten und effizientesten Heilung erfährt. "Der Hausarzt ist für die Menschen nach wie vor der zentrale erste Ansprechpartner in allen Fragen der Gesundheit - zumindest wünschen sich das die Patienten. Dass dieses Verhältnis auch so gepflegt werden kann, scheitert allerdings leider häufig an den enormen zeitlichen Belastungen, denen wir alle heute ausgesetzt sind. So sind Patienten oftmals gezwungen, sich in Ambulanzen untersuchen zu lassen - auch mit Beschwerden, die sie eigentlich lieber mit dem Hausarzt ihres Vertrauens besprechen würden. Die unzeitgemäßen zeitlichen Einschränkungen eines einzelnen Allgemeinmediziners sind die zentrale Wurzel der Überlastung der Ambulanzen und der damit entstehenden Doppelgleisigkeiten und Mehrkosten", erläutert MR Dr. Jörg Garzarolli-Thurnlackh, Vizepräsident der Ärztekammer Steiermark und Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte.

Die Versorgungskette




Auch Spitalsärzte befürworten Modell der Ärzte GmbHs

Dieses Selbstverständnis der niedergelassenen Ärzte als erste Ansprechpartner in Fragen der Gesundheit deckt sich mit dem Standpunkt der angestellten Mediziner, die den dringenden Bedarf an einer Weiterentwicklung des Systems angesichts überfüllter Ambulanzen nur bekräftigen können. "Unsere Kernaufgabe als Spitalsärzte ist die stationäre Versorgung. Eine Verlagerung von Gesundheitsleistungen in unsere Ambulanzen, die an sich im niedergelassenen Bereich erbracht werden könnten und sollten, erzeugt hohe Kosten, überlastet unsere Ressourcen und ist vor allem nicht patientenfreundlich. Eine Verbesserung der  zeitlichen Verfügbarkeit der niedergelassenen Ärzte und ein gut organisiertes, flexibles Miteinander der beiden Bereiche sind der einzige Weg aus der aktuellen Situation, mit der wir alle nicht glücklich sind", bekräftigt Dr. Martin Wehrschütz, Vizepräsident der Ärztekammer Steiermark und Kurienobmann der angestellten Ärzte.

Zeitgemäßes Miteinander braucht neue Kooperationsformen

Gebot der Stunde ist es, die Kommunikation und die Kooperationsmöglichkeiten der Ärzte so zu verbessern, dass nicht nur der Patient optimal versorgt wird, sondern auch Überschneidungen, Versorgungslücken und Ungleichgewichtungen im Gesundheitssystem bestmöglich vermieden werden können. So erleichtert das präsentierte Modell der Ärzte GmbHs etwa die Einbeziehung von Spezialisten, die auch im Krankenhaus tätig sein können. So kann ein Hausarzt zum Beispiel einmal wöchentlich direkt mit einem Internisten alle angiologisch wesentlichen Befunde bearbeiten. Außerdem spricht sich die Ärztekammer Steiermark umgekehrt für den Zugriff von niedergelassenen Ärzten auf die Spitalsinfrastruktur aus, deren Auslastungsgrad und Kosteneffizienz damit erhöht würde. "Überhaupt würde das Modell der Ärzte GmbH die oft kritisierten Mauern zwischen angestellten und niedergelassenen Medizinern niederreißen", ist Präsident Dr. Routil überzeugt.

Rechtliche Rahmenbedingungen sichern sinnvollen Wandel

Für die Ärztekammer Steiermark ist das präsentierte Modell eine Synthese aus ökonomischer Sinnhaftigkeit und struktureller Zweckmäßigkeit. "Um diesen Weg aber zu ermöglichen und die Gruppenpraxen zum Leben zu erwecken, bedarf es einer Weiterentwicklung der rechtlichen Rahmenbedingungen", betont Kammeramtsdirektor Dr. Dieter Müller. "Die Ärztinnen und Ärzte brauchen den rechtlichen Rahmen der GmbH, um abgesicherter und flexibler als bisher Teams und Infrastruktur für Patienten anbieten zu können. Es ist auch nicht einzusehen, warum einzig den Ärzten im Gegensatz zu allen anderen Berufsgruppen dieses Recht verwehrt bleiben sollte." Nach der derzeitigen Rechtslage ist eine Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Nichtärzten zur Erbringung ärztlicher Leistungen nur in der Rechtsform einer Krankenanstalt im Sinne des KALG möglich. Eine Gruppenpraxis kann derzeit nur zwischen Ärzten, Zahnärzten und Dentisten begründet werden, in der Rechtsform einer Offenen Gesellschaft (§§52a und 52b Ärztegesetz). Die eingeschränkte rechtliche Möglichkeit ist der Grund dafür, dass diese höchst notwendige ärztliche Zusammenarbeitsform bislang nur sehr vereinzelt genutzt wird. Anschließend an die berufsrechtliche Implementierung der Ärzte-GmbH müssten in einem zweiten Schritt die Krankenkassen gemeinsam mit den Ärzten ihre Verrechnung an die neuen Möglichkeiten anpassen.


Fotocredit: Ärztekammer

Vizepräsident Kurienobmann Dr. Martin Wehrschütz, Präsident Dr. Wolfgang Routil, Vizepräsident Kurienobmann MR Dr. Jörg Garzarolli-Thurnlackh, Kammeramtsdirektor Dr. Dieter Müller (v.l.n.r.)



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