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Immer schön in der Mitte

„Die Steiermark liegt im Mittelfeld, bei niedrigen Kosten.“ So fasst die vergleichende Studie „Leistungskraft regionaler Gesundheitssysteme in Zeiten von COVID-19“ die Lage der Gesundheitsversorgung in der sogenannten grünen Mark zusammen.

Schlecht liegt die Steiermark nicht: Laut der Studie von Marie M. Hofmarcher und Christopher Singhuber bewegt sich die Steiermark bei den meisten „Gesundheits-Output“-Werten weitgehend im österreichischen Durchschnitt. Die Steirerinnen und Steirer haben eine durchschnittliche Lebenserwartung bei guter Gesundheit, durchschnittliche Gewichtsprobleme und durchschnittliche Wartezeiten im intramuralen Bereich. Bei der Lebenserwartung per se und der Inzidenz von Lungenkrebs sind die Werte sogar deutlich besser als der Durchschnitt, wenn auch nicht ganz im Spitzenfeld.

Unterdurchschnittlich sind laut der Hofmarcher-/Singhuber-Studie „HS&I Fact Book Ambulante Versorgung im Bundesländervergleich“ die steirischen Gesundheitsausgaben: „Die steirischen Gesundheitsausgaben sind niedrig. Im ambulanten und stationären Bereich wird weniger ausgegeben als bundesweit. Die öffentlichen Ausgaben in den beiden Bereichen sind von 2011 bis 2018 jährlich um 2,9 % bzw. 3,8 % gestiegen. In Österreich gesamt waren das jährlich 2,4 % beziehungsweise 4,1 %. Die öffentlichen stationären Ausgaben steigen also schneller, die öffentlichen ambulanten Ausgaben langsamer als im Österreich-Vergleich.“ So die Analyse im Wortlaut.

 

Zu wenig §2-Kassenstellen

Aber wie ist es erklärbar, dass trotz der weitgehend durchschnittlichen Gesundheitswerte die Kosten in der Steiermark besonders gering sind? Die Antwort der Studie: „Die Versorgung mit §2-Ärztinnen (und -ärzten) in der Steiermark ist schlecht.“ Und weiter: „Insgesamt sinkt das Angebot mit §2-Ärzten pro 100.000 Einwohner. Die Verknappung führt dazu, dass sich der Zugang zu Leistungen für einen großen Teil der steirischen Bevölkerung zunehmend verschlechtert.“

In die Kritik genommen wird dabei auch der in der Steiermark besonders hohe Anteil von Ärztinnen und Ärzten, die „nur“ Verträge mit Sonderversicherungsträgern, den so genannten „kleinen Kassen“, besitzen. In Gesamtösterreich läge dieser Anteil bei 8 Prozent, in der Steiermark mit 19 Prozent mehr als doppelt so hoch.

Aber dafür, dass in der Steiermark bei kassenärztlichen Stellen so (viel Geld) gespart wird, läuft es laut Studie noch recht erfolgreich: „Die Versorgungsqualität in der Steiermark ist gut. Die vermeidbare Sterblichkeit (MAHCS) vor 75 Jahren ist niedrig“, befinden Hofmarcher und Sinhuber. Und weiter: „Die Zahl der vermeidbaren Mortalität liegt im Durchschnitt. Ein Teil der Todesfälle wäre eher durch Prävention, ein anderer durch verbesserte Behandlungen vermeidbar. Gesamt betrachtet, gibt es in der Steiermark wenig Auffälligkeiten im Vergleich zur vermeidbaren Sterblichkeit im österreichischen Durchschnitt.“

 

Mehr chronisch Kranke

Ob das auch in Zukunft so bleiben wird? Die Herausforderungen werden, so die Untersuchung, jedenfalls wachsen: „Ein großer Teil der chronisch Kranken benötigt Pflegeleistungen. Chronische Erkrankungen gehen in erster Linie mit dem Alter einher. In der Steiermark waren im Jahr 2014 9,1 % der Bevölkerung über 75 Jahre; 36 % berichteten, dass [sie] unter mindestens einer chronischen Erkrankung leiden. Mittlerweile ist der Anteil der Menschen über 75 in der Steiermark stark angewachsen, und die Zahl der betreuten Personen ist von 2014 bis 2018 von 3,1 % auf 3,5 % der Bevölkerung gestiegen. Damit braucht es im Pflegebereich deutlich mehr Mittel und eine bessere Abstimmung der Versorgung zwischen Gesundheit und Pflege. So kann eine nachhaltige Verbesserung der Lebensqualität chronisch Kranker gelingen. Zudem muss informale Pflege systematisch erfasst werden, um informierte Politikentscheidungen treffen zu können.“

 

Hier „steht die Steiermark gut da“

Die Studie zusammenfassend: „Bei den ärztlichen wie bei den nichtärztlichen Gesundheitsberufen im ambulanten Bereich steht die Steiermark im Vergleich zum Rest von Österreich gut da (außer bei den §2-Kassenärztinnen und -ärzten, Anm. d. Red.). Es gibt viele Psychotherapeutinnen und überdurchschnittlich viel Pflegepersonal – allerdings arbeiten nur wenige in der mobilen Pflege. Bei durchschnittlicher Versorgung mit niedergelassenen §2-Radiologen sind die Wartezeiten auf MRT- und CT-Termine gering. Wie für alle Bundesländer gilt auch für die Steiermark, dass koordinierte Planung, überregionale Kooperation und geeignete Anreizsysteme notwendig sind, um ausreichende Kapazitäten in Zukunft zu sichern.“

 

Chronisch kranke Menschen fehlversorgt?

Speziell zu COVID-19 heißt es: „Das Risiko Corona wird groß, wenn chronisch kranke Menschen fehlversorgt sind. Chronische Erkrankungen begünstigen einen schwerwiegenden bzw. tödlichen Verlauf von COVID-19. In der Steiermark sind bislang 142 Menschen an der Krankheit verstorben. Mit 12 Todesfällen je 100.000 Einwohner waren viele Menschen vom Virus betroffen. Sollten globale Pandemien in Zukunft häufiger werden, nimmt die Vulnerabilität dieser Bevölkerungsgruppe weiter zu. Das passende Versorgungssetting und ausreichend vorhandenes Pflegepersonal mit entsprechenden Befugnissen sind Grundvoraussetzungen, um die Widerstandskraft der wachsenden Zahl chronisch Kranker zu stärken.“

Damit kommt die Steiermark in der Studie immerhin deutlich besser weg als das Burgenland, das als „Sorgenkind“  dargestellt wurde. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und Ärztekammerpräsident Michael Lang rückten daraufhin in der Burgenländischen Volkszeitung (BVZ) zur Verteidigung ihrer Gesundheitsversorgung aus.

Die Studie „Leistungskraft regionaler Gesundheitssysteme in Zeiten von COVID-19“ ist ein Projekt des Instituts HS&I Health System Intelligence, das mit Unterstützung von Philips Austria realisiert wurde. Das Factbook wurde erstmals beim Forum Alpbach 2020 präsentiert.

 

AERZTE Steiermark 10/2020

 

Foto: AdobeStock

Illustration: AdobeStock




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