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Ein Faible für Ö(h)l

Die Allgemeinmedizinerin Maria Luise Öhl, Obfrau des Ärztekunstvereins, ordiniert zwar in Wien, findet ihre künstlerische Inspiration aber in der Wahlheimat Steiermark. Steirische Ärztinnen und Ärzte, die malen, bildhauen oder fotografieren, sind herzlich eingeladen, den Verein zu bereichern.

Ursula Scholz

Nomen es omen: Maria Luise Öhl malt bevorzugt in Öl. Gerne auch in freier Natur, direkt vor Ort. Dafür karrt sie alle Utensilien bis hin zur Staffelei in den Wald. Aber auf Ölmalerei in freier Natur ist das künstlerische Werk der Wiener Allgemeinmedizinerin, die vor ein paar Jahren in der Steiermark sesshaft wurde, keineswegs beschränkt. Von einem anfänglichen zeichnerischen Schwerpunkt und zwischenzeitlichen abstrakten Experimenten hat sich ihr Schaffen vielfältig weiterentwickelt, über Aquarelle und Acryl-Mischtechniken zum Faible für Ölmalerei.

Immer wieder einmal kopiert sie auch alte Meister und „macht was draus – Spielereien eben“. Oft lässt sie sich durch die Natur inspirieren, wobei der Wald generell und schöne Bäume im Mittelpunkt stehen. Skulpturen aus Holz und Speckstein zählen ebenso zu ihrem künstlerischen Œvre. Während sie in mehr als drei Jahrzehnten als Allgemeinmedizinerin mit Kassenvertrag viel Disziplin an den Tag gelegt hat – mittlerweile führt die 67-Jährige nur mehr eine Wahlarztordination im kleinen Rahmen –, hat sie sich „in der Kunst Freiheit gewährt“, wie sie es ausdrückt.

Große Vorbilder

Zeichnen und Malen haben Maria Luise Öhl von Kindheit an fasziniert und geprägt. Ihre Vorbilder reichen von Leonardo da Vinci, Albrecht Dürer und Michelangelo bis hin zu Pablo Picasso. In privaten Kursen erlernte sie die nötigen Techniken, war aber auch in vielen Phasen als Autodidaktin unterwegs. Speziell gefördert wurde sie durch ihre Familie nicht; das Malen war ihre ganz persönliche Note.

Als die Tochter des Journalisten und Schriftstellers Nikolaus Hovorka nach der Matura vor der Entscheidung zwischen Medizin oder Kunst stand, fanden ihre Eltern deutliche Worte, um ihr bei der Orientierung zu helfen. Kunst sei ein Hungerleiderberuf, stellten sie nüchtern fest. Also hat sich Öhl doch für die Medizin entschieden – wie schon Großvater Oskar Hovorka , der als Primar und Spitalsleiter tätig gewesen war. „Der Vorteil dieser Entscheidung liegt darin, dass ich niemals davon abhängig war, ob meine Werke jemandem gefallen oder nicht.“

Im Rückblick passt´s

Als die Studienwahl getroffen war, hätte Maria Luise Öhl gerne eine Facharztausbildung für Kinderheilkunde absolviert, war jedoch letztlich in Ermangelung einer Ausbildungsstelle nach ihrem Turnus als Allgemeinmedizinerin im 12. Wiener Gemeindebezirk Meidling tätig. Sie wäre auch nicht ungern Landärztin geworden und hat sich nach Abschluss ihres Turnus am LKH Mödling sogar im nahe gelegenen Perchtoldsdorf beworben.

Doch damals wurde nicht wie heute händeringend nach LandärztInnen gesucht, sondern die Stelle lieber an einen Einheimischen vergeben. „In den 80er-Jahren musste man nehmen, was man kriegt“, meint sie rückblickend. Später dann in der Steiermark eine Stelle als Allgemeinmedizinerin anzunehmen, kam nicht mehr in Frage. Als sie vor gut 20 Jahren ihr Haus in Sinnersdorf bei Pinggau gefunden hat, war ihre Ordination in Wien bereits etabliert. Im Rückblick passt es Öhl so, wie es gekommen ist.

Heilige Corona geplant

Ärztin mit Wohnsitz am Land ist sie ja trotzdem geworden. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie jenes Traumdomizil gefunden, das über die Jahre renoviert und zunächst als Wochenend- und Ferienhaus genutzt wurde und nun als Hauptwohnsitz fungiert. Nur eine halbe Autostunde entfernt von Sinnersdorf liegt St. Corona am Wechsel, jenes Örtchen, das in den vergangenen Wochen oft unfreiwillig in den Google-Suchen aufgetaucht ist. Und die Heilige Corona, eine relativ unbekannte Märtyrerin der Spätantike, die passenderweise auch als Patronin gegen Seuchen um Hilfe angefleht wird, soll auch das Sujet ihres nächsten Bildes werden. Nach einer Recherchephase – wie bei Maria Luise Öhl üblich.

Religiöse Motive sind in ihrem Werk keine Seltenheit: Antonius, Christophorus, Michael und Georg hat sie bereits bildlich dargestellt. Aber auch die 14 Kreuzwegstationen in der Kapelle des AKH Wien stammen aus Öhls Atelier. Die ersten fünf Bildtafeln waren bereits gemalt gewesen, als sich die Möglichkeit ergab, dass der gesamte Kreuzweg im Jahr 2005 für diese Kapelle erworben werden würde. „Ich durchlebte damals gerade eine kritische Phase in meinem Leben und habe viele religiöse Bilder gemalt“, erzählt Öhl. „Kunst und Religion wirken heilend.“

Aktiv auf vielen Ebenen

Kunst auf Rezept gab es in ihrem Behandlungszimmer nie. „Aber ich habe im Gespräch mit Patientinnen und Patienten schon öfters angemerkt, dass Kreativität lebensverlängernd wirkt und die Menschen dazu ermuntert, die heilende Kraft der Kunst für sich zu nutzen.“

Öhl hat jene Menschen, die bei ihr ärztliche Hilfe gesucht haben, immer sehr ganzheitlich betrachtet. Neben ihrer Ordination absolvierte sie eine psychotherapeutische Ausbildung und erlernte die Gebärdensprache. Sie begleitete über Jahrzehnte drogenkranke Menschen und setzte berufliche Schwerpunkte in den Bereichen Geriatrie und Palliativmedizin. Eigentlich dem genauen Gegenteil der ursprünglich favorisierten Pädiatrie.

Daneben war die zweifache Mutter nicht nur Bezirksärztevertreterin, sondern auch aktives Mitglied des Ärztekunstvereins. Sie selbst wurde auf eher zufälligem Weg als Mitglied angeworben: „Ich war mit einem Kollegen beim Schifahren, dem damaligen Vizeobmann, der mich gefragt hat, ob ich nicht im Verein mitmachen möchte.“ Öhl wollte. Obfrau wurde sie dann erst im Jahr 2016, als sie ihre Kassenordination aus Altersgründen bereits aufgegeben hatte und über die entsprechenden zeitlichen Ressourcen verfügte. Mittlerweile stellt sie ihre eigenen Werke ausschließlich im Rahmen des Ärztekunstvereins aus; Einzelausstellungen macht sie keine mehr.

Zu Wien-lastig

Alle steirischen Ärztinnen und Ärzte, die künstlerisch tätig sind, will sie dazu ermuntern, ebenfalls dem Verein beizutreten. „Derzeit ist er ein bisschen zu Wien-lastig“, meint sie dazu. Um einen Mitgliedsbeitrag von jährlich 60 Euro bekommen Mitglieder eine eigene Galerie-Seite auf der Homepage und haben die Möglichkeit, bei vier bis fünf Ausstellungen jährlich dabei zu sein. Ein Fixpunkt ist unter anderem der Kongress für Allgemeinmedizin in Graz. Aber darüber hinaus werden immer neue Ausstellungsorte gesucht und die Steiermark ist diesbezüglich noch ein weißer Fleck auf der Landkarte.

Kürzlich finalisierte Öhl gerade die Digitalisierung einer Ausstellung, die am 26. Mai Vernissage hätte haben sollen. Im September hofft sie, unter dem Motto „Hallo Erde“ in Baden auch wieder reale Bilder ausstellen zu können. Sogar das Thema der übernächsten Vernissage steht schon fest: „Virus“ soll sie heißen, wie vor kurzem basisdemokratisch im Verein beschlossen wurde. Wer also gerade die Corona-Zeit kreativ verarbeitet, ist herzlich eingeladen, entsprechende Werke zu präsentieren.

Ganz unabhängig vom sich viral verbreitenden Virus-Thema trägt Öhl ein weiteres Bild-Projekt im Herzen und hat es bereits mehrmals zu skizzieren begonnen: ein schräg liegendes Österreich-Bild, umgeben von Wasser, in dem unzählige Menschen schwimmen. Assoziationen zu Öhls Engagement in der Flüchtlingsbetreuung sind durchaus beabsichtigt.

AERZTE Steiermark 06/2020

Fotos: beigestellt




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