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„Breite Diversifikation wichtig“

Der Wohlfahrtsfonds für die steirischen Ärztinnen und Ärzte hat auch gegen die Auswirkungen der Corona-Krise zu kämpfen. Die Ausgangslage dafür ist aber sehr gut. Das Ergebnis 2019 war exzellent. Und der Fonds hat einen langen Atem. Wir haben mit den zuständigen Fachleuten gesprochen.

AERZTE Steiermark: Angesichts der weltweiten Coronakrise und der Auswirkungen auf Wirtschaft und Börsen fragen sich viele Ärztinnen und Ärzte, wie es um die Entwicklung ihrer im Wohlfahrtsfonds veranlagten Gelder
steht. Verstehen Sie die Unruhe?

Suzana Madzarevic: Absolut. Niemand hätte noch vor ein paar Monaten mit einer derart massiven Krise gerechnet, die eine globale Wirtschaft innerhalb weniger Wochen in die Knie zwingt.

 

Und was antworten Sie?

Madzarevic: Der Vorteil des Wohlfahrtsfonds ist, dass er langfristig ausgerichtet ist und sich negative Zyklen im Durchschnitt glätten. Auch wenn es in Zeiten der Krise kein sicheres Asset gibt, so bleibt ein breit gestreutes Portfolio die beste Anlagestrategie. Der Wohlfahrtsfonds ist über alle Anlageklassen, Regionen und Managementstile diversifiziert und somit gut aufgestellt.

Robert Senz: Stand Mitte April hat der Wohlfahrtsfonds seit Jahresanfang etwa 5,5 Prozent an Wert verloren, was in Anbetracht der pandemie-bedingten Achterbahnfahrt der globalen Aktienkurse ein gutes Ergebnis ist.

 

Gehen wir ein bisschen zurück. Wie war das Jahr 2019? Wie geht es dem Wohlfahrtsfonds überhaupt?

Madzarevic: 2019 war ein top Jahr. Das Performance-Ziel in Höhe von 4 Prozent konnte mit einer Gesamtwertsteigerung von 9,7 Prozent deutlich übertroffen werden. Die Diversifikation wurde weiter ausgebaut und somit haben wir, ohne zu wissen, dass Corona 2020 auf uns zukommt, vieles richtig gemacht. In den letzten zwei Jahrzehnten hat die durchschnittliche jährliche Rendite 4 Prozent betragen und war somit über dem versicherungstechnisch festgelegten Mindestzins von 2,5 Prozent. Alles in allem steht der Wohlfahrtsfonds der steirischen Ärztekammer – trotz Krise – auf sehr soliden Beinen.

 

Das Jahr 2020 wird wohl kein gutes Börsenjahr mehr. Bis wann wird mit einer Erholung gerechnet?

Madzarevic: Das hängt von sehr vielen Faktoren ab. Auch wenn man gerne Vergleiche zieht, so gibt es de facto keine vergleichbare Situation. Der Shutdown und der damit zusammenhängende Einbruch der Wirtschaft, die Verschuldung von Staaten, Unternehmen und Privaten stellen uns vor neue Herausforderungen. Bis wann mit einer Erholung gerechnet werden kann, ist sogar für den Internationalen Währungsfonds schwer abschätzbar, allerdings erwartet er eine kräftige Wirtschaftserholung für das nächste Jahr.

Senz: Die wirtschaftliche Erholung ist das wahrscheinlichste Szenario und somit Arbeitshypothese für 2021.

 

Wie sieht ein Negativ-Szenario aus?

Madzarevic: Sollte eine zweite Corona-Welle Europa und die Welt treffen und sollte bis dahin kein medizinischer Schutz vor COVID-19 verfügbar sein, ist mit einer Verlängerung der sehr wirtschaftsfeindlichen Einschränkungen zu rechnen. In diesem Umfeld müssen die langfristigen Ertragserwartungen neu evaluiert werden und ihre Auswirkung auf die strategische Ausrichtung des Wohlfahrtsfonds.

 

Die Ärztegelder sind ja in verschiedenen Bereichen veranlagt. Welche sind von der Corona-Krise am stärksten betroffen? Wo gibt es geringe Auswirkungen?

Senz: Performancemäßig am stärksten getroffen wurden Veranlagungen in Aktienmärkte, wobei europäische Titel stärker als US-amerikanische leiden. Auch Investitionen in High-Yield-Anleihen verzeichnen einen Bewertungsverlust. Geringe bzw. keine Auswirkungen sind bei Immobilien bzw. Alternativen Assets, wie etwa Investitionen in Infrastruktur, zu sehen.

 

Die Wohlfahrtsfonds-Gelder werden risikoärmer veranlagt als etwa die privater Pensionskassen. Daran gibt es auch Kritik. Jetzt ist es aber wohl ein Vorteil?

Madzarevic: Die Kritik ist unbegründet. Eine Risikoeinstufung ist relativ zu betrachten und letztendlich ist das Ertrags-Risiko-Profil entscheidend. Der Wohlfahrtsfonds der steirischen Ärztekammer konnte nicht nur in Krisenzeiten ein besseres Ergebnis erzielen, sondern kann auch im langfristigen Durchschnitt auf ein sehr gutes Ergebnis zurückblicken.

 

Gibt es eine Lehre aus der aktuellen Krise? Wird sich bei den Veranlagungen strategisch etwas ändern müssen?

Madzarevic: Abgesehen vom Vermögensbestand sind ausreichend liquide Mittel erforderlich, um negative Zyklen überstehen zu können und nicht unter Druck Bestände verkaufen zu müssen. Die aktuelle Krise zeigt, wie wichtig die breite Diversifikation über Investmentstile und Vermögensarten ist – und nicht alles auf eine Karte zu setzen. Der Wohlfahrtsfonds wird sich entsprechend „einnorden“ und diese Strategie weiterentwickeln.

 

Nach welchen Kriterien wird überhaupt veranlagt? Wer legt diese Kriterien fest?

Madzarevic: Die Veranlagungsentscheidungen basieren auf einer Veranlagungsrichtlinie und der strategischen Asset-Allocation, die in der Satzung verankert sind. Dabei gilt es, die Wertgrenzen einzelner Asset-Klassen einzuhalten und das Ertrags-Risikoprofil zu erreichen. Sofern die Kernkriterien erfüllt sind, wird eine Due-Diligence durchgeführt und ist eine Entscheidung im Verwaltungsausschuss herbeizuführen.

 

Gibt es auch eine beruhigende Botschaft zum Wohlfahrtsfonds an die Ärztinnen und Ärzte?

Madzarevic: Die Zukunft kann man nicht voraussagen, aber man kann sich auf die Zukunft vorbereiten.

 

Für individuelle Fragen zur Veranlagung:

veranlagung@aekstmk.or.at

 

AERZTE Steiermark 05/2020

Fotos: Schiffer, Beigestellt




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