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Der slowenische Patient & der österreichische

Es ist bezeichnend. Im jüngsten – für Österreich wenig schmeichelhaften – Alkoholreport wurde die Alpenrepublik mit Russland verglichen – die Österreicher trinken mehr oder zumindest ähnlich viel wie die Russen. Dabei gäbe es ein im Wortsinn wesentlich näherliegendes Vergleichsland, nämlich Slowenien. Immerhin liegt Maribor nur knapp 70 Straßenkilometer von Graz entfernt, 100 Kilometer weniger als Schladming. Und die slowenische Hauptstadt Ljubljana ist Graz näher als Wien.

Die beiden Länder sind sich nicht nur geografisch sehr nahe. Auch die Gesundheitssysteme sind sich nicht unähnlich. Und das nicht nur in Hinblick auf das starke Bedürfnis, die eigene Situation eher düster zu sehen.

Aber schauen wir uns die positiven Parallelen an: Die Lebenserwartung in Österreich ist vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2015 von 78,3 auf 81,3 Jahre gestiegen. In Slowenien noch deutlicher, von 76,2 auf 80,9 Jahre.

Beide Länder liegen damit über dem EU-Durchschnitt von 80,6 Jahren. Slowenien war aber im Jahr 2000 noch schlechter als der Durchschnittswert in der Europäischen Union, Österreich aber schon zu Beginn des 21. Jahrhunderts besser. Wobei Slowenien laut EU-Report eine höhere Lebenserwartung aufweist als das vielgelobte Dänemark oder auch Deutschland.

Weitere positive Ähnlichkeiten: Beiden Ländern bescheinigt die EU einen guten Zugang zur Gesundheitsversorgung und einen geringen ungedeckten Bedarf bei der medizinischen Versorgung. Österreich und Slowenien zählen in diesem Bereich zu den Top-Ländern in Europa. Beide Länder schneiden auch bei der vermeidbaren Sterblichkeit sehr gut (besser als der EU-Schnitt) ab und gelten daher als leistungsstark bzw. effektiv. Dennoch bescheinigt die EU beiden Ländern auch Verbesserungspotenzial – etwa durch die Stärkung der ambulanten Versorgung.

Dass Slowenien sowohl bei den Gesundheitsausgaben pro Kopf als auch bei den Gesundheitsausgaben als Prozentsatz des Bruttoinlandsprodukts unter den österreichischen Werten und auch unter dem EU-Schnitt liegt, ist nicht wirklich erstaunlich. Denn während das Preisniveau Österreichs 2018 knapp 10 Prozent über dem EU-Schnitt liegt, ist das Sloweniens rund 15 Prozent niedriger. Aber: „Slowenien ist eines der teuersten unter den neuen Mitgliedsländern“, schreibt die EU im Slowenien-Länderreport 2017.

Slowenien mit hohem Privatanteil

Wobei Slowenien einen massiven Transformationsprozess hinter sich hat. Aus der ehemals kommunistischen Teilrepublik Jugoslawiens wurde ein Staat, in dem der Anteil der öffentlichen Gesundheitsausgaben mit 71,1 Prozent unter dem EU-Schnitt von rund 78 Prozent liegt, auch in Österreich ist der Anteil der öffentlichen Gesundheitsausgaben höher als in Slowenien, allerdings auch der Anteil jener, die (zusätzlich) eine private Krankenversicherung haben. Aber auch in Slowenien sind es rund 14 Prozent. Und 13 Prozent bezahlen Gesundheitsleistungen aus eigener Tasche. In Österreich sind es 18 Prozent, mehr als in Deutschland, Dänemark oder den Niederlanden (wo allerdings die Versicherungskosten sehr hoch sind).

Die Zahl der Raucherinnen und Raucher war in Österreich 2014 höher (24 Prozent der Bevölkerung) als in Slowenien (19 Prozent).

Dafür hat Slowenien einen höheren Anteil von Fettleibigen (19 Prozent) als Österreich (14 %).

In der Todesursachenstatistik dominieren in beiden (aber nicht nur in diesen beiden) Ländern Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. In beiden Ländern tragen Erkrankungen des Bewegungsapparats und psychische Erkrankungen stark zum schlechten Gesundheitszustand bei.

Währenddessen hat Diabetes in Slowenien in den letzten Jahren statistisch an Bedeutung verloren, während die Bedeutung in Österreich gestiegen ist.

Fast deckungsgleich für Österreich und Slowenien ist die Analyse, wenn es um die steigende Zahl von Demenzerkrankungen geht. Das hat wohl auch einiges damit zu tun, dass die Alterung der Bevölkerung überall voranschreitet, auch wenn der Anteil der 65+-Altrigen in Slowenien mit 17,9 Prozent unter dem in Österreich (18,5 Prozent) liegt. In beiden Ländern ist der Anteil jedoch geringer als der EU-Schnitt über alle Länder von 18,9 Prozent.

Medikamente

An die 500 Euro geben die Österreicherinnen und Österreicher laut OECD-Statistik jährlich für Medikamente aus. In Slowenien sind es etwas weniger als 400 Euro. Der Anteil der Kassenmedikamente ist in Österreich aber höher als beim südlichen Nachbarn, wo die Menschen offenbar mehr Medikamente „out of the pocket“ erwerben. Beim Generika-Anteil sind Österreich und Slowenien aber statistische Nachbarn. Der Anteil der generischen Medikamente liegt in Österreich bei etwas über 50 Prozent, in Slowenien knapp darunter. Damit ist Österreich die Nummer 8 und Slowenien die Nummer 9 in der EU, was die Menge betrifft. Schaut man sich die Verkaufswerte an, liegt Österreich aber deutlich vor der nördlichsten ex-jugoslawischen Republik, ist sogar Spitzenreiter in Europa.

Primärversorgung: Slowenien unter den „Stärksten“

Die Studie „ Building primary care in a changing Europe ” aus dem Jahr 2015 bescheinigt Slowenien, eines der bestgesteuerten „Primärversorgungssysteme“ Europas zu besitzen (Wert ca. 2,5 auf einer dreiteiligen Skala). Entgegen der landläufigen Meinung liegt aber Österreich nicht weit dahinter (Wert knapp unter 2,5). Länder wie Schweden, Deutschland, Finnland, Frankreich oder gar die Schweiz liegen klar dahinter. Laut dieser Untersuchung entfallen rund 12 Prozent der slowenischen Gesundheitsausgaben auf die Primärversorgung (aus Österreich gibt es keine vergleichbaren Zahlen). Vergleichbar sind allerdings die Ausgaben für Prävention, die in Slowenien (allerdings bei geringeren Gesundheitsausgaben) prozentuell gut doppelt so hoch sind wie in Österreich. In Summe liegt Slowenien (siehe Grafik) bei der Primärversorgung im Spitzenfeld, Österreich dagegen eher im guten Mittelfeld.

Allerdings klagt Slowenien laut EU-Report über einen nur langsam geringer werdenden Ärztemangel. Insgesamt ist Slowenien eines der Länder mit der geringsten Ärzte- und Pflegedichte. Österreich liegt bei den Ärztinnen und Ärzten besser, wenn auch (wie AERZTE Steiermark berichtet hat) die offiziellen Zahlen ein geschöntes Bild zeigen.

Übrigens wird in Slowenien etwas mehr getrunken als in Österreich: 12,6 Liter reiner Alkohol dort, 11,6 Liter hier.

Zumindest sagt das der „ Global status report on alcohol and health 2018 “.


AERZTE Steiermark 12/2019

Fotos: Shutterstock (3), Adobe Stock, Grafik: OECD/European Observatory on Health Systems and Policies




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